BrAIniacs entwickelt KI-Lösungen für produzierenden Mittelstand

Startup vereint Forschung und Praxis

Die BrAIniacs GmbH macht Künstliche Intelligenz für den Mittelstand nutzbar - praxisnah, niedrigschwellig und ohne großes technisches Vorwissen. Hinter dem Frankfurter Startup steckt ein interdisziplinäres Team aus KI-Forschern.

Wieso und wann wurde BrAIniacs gegründet? Welche Idee steckt dahinter?

Wir haben als Forschungsteam der Goethe Universität Frankfurt vertieft an Themen wie KI und Digitalisierung gearbeitet und standen dabei oft in Kontakt mit Organisationen und Unternehmen. Oft sind Unternehmen auf uns zugekommen und wollten unsere neuesten Forschungserkenntnisse direkt implementieren. Da die Reproduktion der Forschungsarbeiten weniger im Fokus der wissenschaftlichen Arbeit steht, war es für uns nur folgerichtig, dass wir uns 2023 ausgegründet haben.

Was ist das Alleinstellungsmerkmal von euch im Vergleich zu euren Mitwettbewerbern?

Wir sind nahe am aktuellen Stand der Forschung, insbesondere im Bereich der verantwortungsvollen Digitalisierung und der angewandten Künstlichen Intelligenz. Wir haben noch immer starken Universitätsbezug nach Frankfurt und Darmstadt und arbeiten nicht nur an wirtschaftlichen, sondern auch an wissenschaftlichen Projekten und bilden uns ständig weiter.

Inwiefern können eure individuellen KI-Lösungen die hessische Metall- und Elektroindustrie bereichern?

Viele Unternehmen, die wir kennengelernt haben, setzen auf bewährte Standards. Sie nutzen die Best Practices, die sie über Jahre angesammelt haben, schauen aber selten über den technologischen Tellerrand. Dies ist meist auch gut so, denn oft gibt es gute Gründe, warum der Einsatz von KI derzeit noch scheitert. Hier unterstützen wir und schauen uns die Einsatzmöglichkeiten mit einem frischen Blick an. Gleichzeitig können wir bestehende Ansätze gezielt weiterentwickeln und auf individuelle Bedürfnisse anpassen.

Was können die „klassischen“ Industriebetriebe von euch lernen und umgekehrt?

Klassische Industriebetriebe können lernen, wie neue Technologien ihre Arbeit unterstützen und leichter machen. Gleichzeitig lernen wir durch die Zusammenarbeit die Anforderungen der Industrie - ohne, dass wir unsere Lösungen auf dem leeren Blatt Papier entwerfen und unsere Forschungserkenntnisse nur theoretischer Natur bleiben.

Wo seht ihr zurzeit die größte Herausforderung bei der digitalen Transformation?

Das Wissen über digitale Technologien ist sowohl in Unternehmen als auch in der Bevölkerung stark heterogen. Viele Menschen überschätzen die Vorteile von KI und sind dann enttäuscht, wenn die Ergebnisse nicht mit ihren Erwartungen mithalten können. Andere sind pessimistisch gegenüber dem Einsatz von KI eingestellt, weswegen Transformationsprojekte erst gar nicht gestartet werden können. Oft fehlt es an einer realistischen Transformationsagenda, welche Schritte von einer Digitalisierung und Automatisierung profitieren und welche altbewährt umgesetzt werden sollten.

Das siebenköpfige Gründerteam von BrAIniacs.
Das siebenköpfige Gründerteam: Jendrik Seip, Dr. Michael Nofer, Prof. Dr. Oliver Hinz, Dr. Maximilian Lowin, Dr. Cristina Mihale-Wilson, Tobias Kohl Reitz und Dr. Valerie Carl.

Mit welchen Unternehmen habt ihr bereits zusammengearbeitet und wie war deren Feedback zu eurem Geschäftsmodell?

Wir haben bislang mit einer großen Bandbreite an unterschiedlichen Unternehmen zusammengearbeitet. Obwohl die meisten Unternehmen entweder keinen eigenen Techniker oder zumindest KI-Entwickler haben, arbeiten wir auch mit größeren Unternehmen zusammen, die von unserem externen Blickwinkel zu KI-Themen profitieren wollen. Das Feedback ist fast durchweg positiv, da wir nahe an den Kundenbedürfnissen arbeiten.

Wie viele Mitarbeiter/-innen beschäftigt ihr derzeit?

Unser Team besteht aus sieben Gründern. Da manche noch an der Universität arbeiten, um ihre wissenschaftlichen Karrieren voranzutreiben oder zu promovieren, sind nicht alle in Vollzeit tätig, stehen aber jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

Welche Standortvorteile bietet das Rhein-Main-Gebiet für BrAIniacs?

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es eine ausgezeichnete Infrastruktur, sei es technologisch durch verschiedene KI-Cluster (bspw. Hessian.AI) oder der Nähe zur Forschung (bspw. durch die Rhein-Main-Universitäten), aber ebenso genauso viele Umsetzungsmöglichkeiten durch das Vorhandensein vieler Unternehmen, vor allem auch im produzierenden Gewerbe und Dienstleistungssektor.

Warum seid ihr dem Arbeitgeberverband HESSENMETALL Rhein-Main-Taunus beigetreten?

Wir haben schnell gemerkt, dass wir durch die Zusammenarbeit HESSENMETALL stark profitieren. Insbesondere durch die Vernetzungsveranstaltungen und dem bereits angesammelten Wissen in verschiedenen Bereichen. Ebenso wollen wir selbst unser Wissen weitergeben und unser Know-how gezielt einbringen.

Wie sieht ein typisches Kundenprojekt bei euch aus, von der ersten Anfrage bis zur Umsetzung?

Ein typisches Kundenprojekt startet bei der Prozessanalyse, wo wir Automatisierungs- und KI-Potenziale identifizieren, sie dann aber im nächsten Schritt auch selbst umsetzen. Dabei entwickeln wir einen eigenen Code und greifen auf neueste Algorithmen aus der Forschung zurück. Im Anschluss begleiten wir die Kunden bei der Einführung und Verbesserung. Natürlich läuft nicht jedes Projekt gleich bei uns. Oft kommen Kunden auch schon mit Ideen und klaren Vorstellungen auf uns zu und wir schauen gemeinsam, wie wir unterstützen können.

Wo möchtet ihr mit BrAIniacs in den nächsten Jahren stehen?

Wir arbeiten derzeit an unserem eigenen KI-Produkt, um Wartungswissen im produzierenden Gewerbe besser zugänglich zu machen. Unternehmen profitieren dadurch, dass vorhandenes Wissen nicht verschwindet, aber auch Ineffizienzen und potenzielle Probleme aufgezeigt werden. Wir planen das Produkt in den nächsten Jahren mit mehr Kunden zu erproben, weiterzuentwickeln und so auch im Team zu wachsen.

Was ist der häufigste Irrtum über KI im Mittelstand, dem ihr begegnet?

Der häufigste Irrtum über KI im Mittelstand ist, dass ChatGPT mit KI gleichgesetzt wird. Auch da, wo ChatGPT an seine Grenzen stößt, kann man mit bewährten KI-Methoden, Algorithmen oder auch neuen Forschungsansätzen arbeiten, um einen echten Vorteil zu schaffen.

Porträt von Michael Reitz
Michael Reitz

Referent Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit