Hessenforum am 4. Mai 2026

Spitzenveranstaltung zur Zukunft der Industrie: Reformen, Tempo und neue Stärke

Das Hessenforum 2026 machte im Haus der Wirtschaft Hessen spürbar, worum es für die hessische Metall-, Elektro- und IT-Industrie geht: um Wettbewerbsfähigkeit, Standortbedingungen und die Frage, wie industrielle Wertschöpfung in Hessen Zukunft behält. Wer dabei war, erlebte einen konzentrierten Nachmittag mit klaren Analysen, starken Stimmen aus Unternehmen, Wissenschaft und Gewerkschaft. Und einer Botschaft, die weit über den Tag hinausweist: Die Industrie braucht Reformen, Tempo und Vertrauen in ihre Leistung.

Ein Forum für Standortfragen, die nicht warten

Geopolitische Spannungen, fragile Lieferketten, hohe Energiepreise, technologische Umbrüche und eine Standortpolitik, die aus Sicht vieler Unternehmen zu langsam, zu teuer und zu bürokratisch ist: Die Herausforderungen für die hessische M+E+IT-Industrie sind groß. Beim Hessenforum 2026 am 4. Mai 2026 in Frankfurt wurden sie nicht nur benannt, sondern in ihrer ganzen Tragweite diskutiert.

Unternehmer, Wissenschaftler und Gewerkschaftsvertreter machten deutlich, dass es um mehr geht als um einzelne Reformpunkte. Es geht um die Fähigkeit des Standorts, industrielle Stärke zu halten, Investitionen möglich zu machen und technologischen Wandel aktiv zu gestalten. Genau darin lag die besondere Qualität dieser Spitzenveranstaltung von HESSENMETALL: Analyse, Praxis und klare Botschaft kamen an einem Nachmittag zusammen.

Wolf Matthias Mang: „Deutschland steht als Industriestandort unter Druck“

Gleich zu Beginn setzte der wiedergewählte HESSENMETALL-Vorstandsvorsitzende Wolf Matthias Mang den Ton. Er forderte eine ernsthafte Standortdebatte und machte klar: „Unsere Unternehmen sind stärker als die Bedingungen, unter denen sie arbeiten müssen. Doch ohne Reformen der Bundesregierung wird selbst die beste industrielle Substanz Tag für Tag geschwächt.“

Mang warnte davor, industrielle Stärke als Selbstverständlichkeit zu behandeln. Deutschland und Hessen stünden nicht nur im Wettbewerb mit Unternehmen aus Amerika oder Asien, sondern auch mit deren Strompreisen, deren Planungstempo, deren Genehmigungsdauer, deren Steuern und Abgaben. „Wer Resilienz von Unternehmen verlangt, muss Verlässlichkeit bieten“, sagte Mang.

Der Strukturwandel sei nicht nur Bedrohung, sondern könne auch Chance sein, wenn Politik und Unternehmen schnell genug handelten. Weltmärkte, Technologien und Resilienz seien keine Schlagworte für Sonntagsreden, sondern entscheidende Faktoren dafür, ob Hessen ein Industrieland bleibe. Mang brachte es zugespitzt auf den Punkt: „Wir brauchen wieder Lust auf industrielle Stärke und endlich den politischen Mut, sie möglich zu machen.“

Michael Hüther: Die Industrie benötigt Tempo

Unterstützung bekam Mang vom Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft in Köln, Prof. Dr. Michael Hüther. Der Wirtschaftswissenschaftler ordnete die Lage der Industrie in den größeren wirtschaftlichen und geopolitischen Kontext ein. Geopolitische Verschiebungen, der Irankrieg sowie die lange Schwäche der Geschäftserwartungen belasteten die Unternehmen ebenso wie Dekarbonisierung, Digitalisierung und demografischer Wandel.

Hüthers zentrale Botschaft war eindeutig: „Die Industrie benötigt Tempo: weniger Bürokratie, schnellere Genehmigungen sowie die gezielte Förderung von Forschung und Start-ups.“ Damit ergänzte er die unternehmerische Standortforderung um eine wirtschaftswissenschaftliche Einordnung - und machte deutlich, dass Wettbewerbsfähigkeit nicht abstrakt entsteht, sondern durch konkrete politische Rahmenbedingungen.

Peter Buxmann: KI verändert die Arbeitswelt grundlegend

Prof. Dr. Peter Buxmann, Universitätsprofessor für Wirtschaftsinformatik an der Technischen Universität Darmstadt sowie Aufsichtsrat und Unternehmensgründer, richtete den Blick auf die digitale Transformation der Industrie. Besonders Künstliche Intelligenz werde Betriebe, Geschäftsmodelle und Arbeitswelt tiefgreifend verändern.

Seine These machte die Tragweite der Entwicklung deutlich: „Die KI-Revolution ist die erste Automatisierungswelle, die nicht die Fabrik trifft, sondern das Büro.“ KI betreffe immer stärker Kopf- statt Handarbeit. Für Buxmann steht fest: „Die Arbeitswelt der Zukunft wird eine ganz andere sein als heute.“

Unternehmerstimmen aus Hessen: Investieren, gestalten, wettbewerbsfähig bleiben

Wie sehr diese Fragen den unternehmerischen Alltag prägen, zeigte die anschließende Diskussion mit Julia Esterer, Geschäftsführerin der Dr.-Ing. Ulrich Esterer GmbH & Co. Fahrzeugaufbauten und Anlagen KG, und Dr. Andreas Widl, CEO der SAMSON AG in Frankfurt.

Esterer ist spezialisiert auf die Produktion von Straßentankwagen und der weltweit führende Hersteller von Fahrzeugen zur Flugfeldbetankung. Julia Esterer forderte eine konsequente Orientierung politischer Entscheidungen an Wettbewerbsfähigkeit: „Sie muss oberste Priorität haben. Auf allen Ebenen - in der EU, im Bund und in den Ländern - sollte jedes Vorhaben an diesem Maßstab gemessen werden, damit Unternehmen im globalen Wettbewerb bestehen können.“ Statt Lippenbekenntnissen brauche es eine gemeinsame Verantwortung für konkrete Ergebnisse.

Dr. Andreas Widl zeigte am Beispiel der SAMSON-Gruppe, wie industrielle Zukunft trotz schwieriger Rahmenbedingungen aktiv gestaltet werden kann. SAMSON entwickelt und produziert Stellventil- und Automatisierungstechnik, beschäftigt weltweit 4.600 Menschen und setzt mit „MainChange“ derzeit das größte Innovationsprojekt in der mehr als 100-jährigen Unternehmensgeschichte um. Der Fabrikneubau steht für nachhaltiges Wachstum, wettbewerbsfähige Produktion und Arbeitswelten der Zukunft. Widl sagte: „Der Strukturwandel wartet nicht. Wir haben entschieden, ihn zu gestalten - mit 500 Millionen Euro Investition in Offenbach und der Überzeugung, dass industrielle Wertschöpfung in Deutschland nicht nur möglich ist, sondern Maßstäbe setzt.“

Jörg Köhlinger: Innovation und Beschäftigung zusammendenken

Auch Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall Mitte, betonte die enormen Herausforderungen, vor denen die Industrie angesichts der geopolitischen Lage steht. Zugleich verwies er auf die Verantwortung der Arbeitgeber für Innovation, Investitionen und Beschäftigungssicherung.

Köhlinger forderte, mehr Energie auf Innovationen zu richten: „Künstliche Intelligenz und effiziente Energiespeicher sind nur zwei Felder, in denen Innovationen gefragt sind. Zudem wird es resiliente Lieferketten im Inland und der EU nur geben, wenn die Arbeitgeber deutlich mehr investieren und ihrer Verantwortung für Standort- und Beschäftigung gerecht werden.“

Hessenforum 2026: Mehr als ein Lagebild

Das Hessenforum 2026 war damit weit mehr als eine Bestandsaufnahme. Es zeigte die Spannungen, unter denen die Industrie steht - und zugleich die Kraft, die in ihren Unternehmen, Technologien und Menschen steckt. Die hessische M+E+IT-Industrie verfügt über technologische Stärke, internationale Erfahrung und leistungsfähige Betriebe. Doch diese Substanz allein reicht nicht mehr aus, wenn Standortbedingungen Investitionen erschweren und Wettbewerbsfähigkeit belasten.

Am Ende stand eine klare Botschaft: Wer industrielle Zukunft will, muss sie möglich machen. Wolf Matthias Mang fasste den Anspruch zusammen: „Wir brauchen mehr Tempo, mehr Vertrauen in Leistung und mehr Realitätssinn in der Wirtschaftspolitik.“

Gerade deshalb bleibt das Hessenforum ein zentraler Ort für alle, die verstehen wollen, wohin sich die Industrie in Hessen bewegt - und die ihre Zukunft nicht nur beobachten, sondern mitgestalten wollen.

Porträt von Patrick Schulze
Patrick Schulze

Geschäftsführer Kommunikation