Betrieblicher Arbeitsschutz

Die heutige Arbeitswelt ist das Resultat eines ständigen Wandels, dessen Ende nicht absehbar ist. Der Schutz der Beschäftigten vor arbeitsbedingten Gefährdungen ist eine Aufgabe, die auch als Chance der betrieblichen Prozessoptimierung verstanden werden muss. Arbeitsschutz betrifft Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit und umfasst alle Maßnahmen zur Verhütung von Unfällen und von arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren einschließlich Maßnahmen der menschengerechten Gestaltung der Arbeit.

Der „Unternehmer“ ist für den Arbeitsschutz im Unternehmen verantwortlich. Die notwendigen Grundsatzentscheidungen zur Herstellung der Arbeitssicherheit und Durchführung der Unfallverhütung sind durch den Arbeitgeber zu treffen. Dazu kann der Arbeitgeber „zuverlässige und fachkundige Personen“ beauftragen. Neben dem Unternehmer sind auch die Arbeitnehmer für den Arbeitsschutz und die Arbeitssicherheit an ihrem Arbeitsplatz und ihr eigenes sicherheitsgerechtes Verhalten verantwortlich (§15 ArbSchG).

Gefährdungsbeurteilung

Arbeitsschutzmaßnahmen reichen vom Schutz vor physischen Gefährdungen durch Hitze, Kälte oder Gefahrenstoffe über arbeitsmedizinische Vorsorge bis hin zu organisatorischen Interventionen zum Abbau psychischer Belastung.

Eine Schlüsselrolle spielen hier die Gefährdungsbeurteilung und die daraus folgenden Interventionen. Der Ablauf der Gefährdungsbeurteilung – also die Planung, Durchführung, Evaluation und Dokumentation – ist gesetzlich festgeschrieben. Sinnvoll ist es, die Beschäftigten in das Verfahren einzubeziehen und daran mitwirken zu lassen. Sie führen die Arbeitstätigkeiten aus und haben deshalb einen guten Einblick in ihre Arbeitsbedingungen. Bereits bei der Erhebung der tatsächlichen Gegebenheiten können sie einen wichtigen Beitrag leisten.

Psychische Belastung

Die Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung ist ein vielseitiges Handlungsfeld des betrieblichen Arbeitsschutzes. Auch durch die Covid-19-Pandemie hat die Thematik der Gefährdungsbeurteilung und der psychischen Belastung weiter an Relevanz gewonnen.

Es gibt viele verschiedene Verfahren, die zur Anwendung kommen können.

Das Kompaktverfahren Psychische Belastung des Instituts für angewandte Arbeitswissenschaft e. V. (ifaa) https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-54898-1 ist ein in der Praxis bewährtes Verfahren, das die Empfehlungen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) berücksichtigt.

  • Arbeitsschutz in der Praxis Berücksichtigung psychischer Belastung in der Gefährdungsbeurteilung Empfehlungen zur Umsetzung in der betrieblichen Praxis pdf 1,0 MiB
  • Leitfaden: Betrieblicher Arbeitsschutz pdf 1,1 MiB

Rückblick Arbeitsschutz-Workshop vom 24.09.2024 "Alterssimulation mit GERT hautnah erleben"

Der Workshop unter dem Motto „Alterssimulation mit GERT hautnah erleben“, geleitet von Frau Dr. phil. Catharina Stahn und Frau Nora Johanna Schüth M.Sc. vom ifaa (Institut für angewandte Arbeitswissenschaft), ermöglichte den Teilnehmenden mit Hilfe eines Gerontologischen Testanzuges, den eigenen Alterungsprozess im Schnellverfahren zu durchlaufen.

Zuvor wurde in einem theoretischen Überblick die Ausgangsituation einer stetig veränderten Altersstruktur im Unternehmen dargestellt. Herausgehoben wurde der Unterschied zwischen einer Alters- und Alternsgerechte Arbeitsgestaltung.

Im Rahmen einer praktischen Übung konnten die Teilnehmenden im Gerontologischen Testanzug erleben wie die Einschränkungen durch ein begrenztes Sichtfeld, reduzierte Feinmotorik und erschwertes Gehen im Alter sein werden.

Die Erkenntnis: Gesundheit, insbesondere körperliche Fitness, beeinflusst die Leistungsfähigkeit stark – unabhängig vom Alter.

Was bedeuten diese Erfahrungen für die Arbeitswelt? Arbeitsplatzgestaltung muss den Prozess der Alterung sowie gesundheitliche Einschränkungen berücksichtigen. Tätigkeiten wie ständiges Bücken sollten durch die Beschäftigten vermieden werden und die Alternsgerechte Arbeitsplatzgestaltung mit z. B. Hebehilfen oder anpassbare Abholpositionen genutzt werden. Das Sensibilisieren der Beschäftigten steht hier im Vordergrund. Vorhandene Hilfen sind durch die Beschäftigten auch zu nutzen.  

Ältere Mitarbeiter bringen zudem wertvolle Erfahrungen und Fähigkeiten mit, die in Verbesserungsprojekten genutzt werden sollten. Da Bewegung auch im fortgeschrittenen Alter oder mit gesundheitlichen Einschränkungen notwendig und wichtig ist, kann mit der Nutzung von Jobrotation das richtige Maß an Belastung und Bewegung gesteuert werden.

Es besteht die Möglichkeit, den Gerontologischen Testanzug direkt vor Ort unter Produktionsbedingungen zu testen. Anfragen können Sie über Herrn Schade, Arbeitswissenschaft, stellen.

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Nikolaus Schade

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Claus Bosen

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Udo Schwab

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Sibylle Gerhard

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