Herbstumfrage 2026

HESSENMETALL Mittelhessen präsentiert die Ergebnisse

Oliver Rüspeler: „Unternehmen stemmen sich mit aller Kraft gegen schwache Konjunktur“ // Lichtblicke bei der aktuellen Geschäftslage, aber kaum Hoffnung auf nachhaltige Besserung // Investitionen und Erträge bleiben unter Druck.

Auch 2026 hat HESSENMETALL Mittelhessen seine Mitgliedsunternehmen zur traditionellen Herbstumfrage befragt. Die Ergebnisse zeichnen ein widersprüchliches Bild: Zwar gibt es einen leichten Anstieg bei den Betrieben im Vergleich zu 2025, die ihre aktuelle Geschäftslage als gut bewerten, gleichzeitig wächst aber auch der Anteil der Unternehmen, die ihre Situation als schlecht einschätzen. Vor allem der Blick nach vorn bleibt ernüchternd. Eine nachhaltige wirtschaftliche Trendwende ist nicht erkennbar.

Keine Trendwende in Sicht
37,8 Prozent der befragten Unternehmen bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 33,3 Prozent als befriedigend und 28,9 Prozent als schlecht. Entscheidend ist jedoch der Blick auf die kommenden Monate: Fast 2/3 rechnen mit einer weitgehend unveränderten Geschäftslage. Oliver Rüspeler, Geschäftsführer der Johannes Hübner Fabrik elektrischer Maschinen GmbH in Gießen und Vorsitzender von HESSENMETALL Mittelhessen, erklärt: „Die Zahlen zeigen vereinzelt Lichtblicke, aber definitiv noch keine Trendwende. Dass einige Unternehmen ihre aktuelle Lage als gut bewerten ist erfreulich, aber auch sehr branchenabhängig. Denn dagegen erwartet nur noch etwa jedes neunte Unternehmen in den kommenden sechs Monaten eine Verbesserung. Das ist ein ernüchterndes Signal.“

Schwache Ertragszahlen // Investitionen werden zur Standortfrage
Auch Umsatz und Ertrag zeigen, wie fragil die Situation bleibt. 35,5 Prozent der Betriebe bewerten ihre wertmäßigen Umsätze als gut, 28,9 Prozent als befriedigend und 35,6 Prozent als schlecht. Eine wesentliche Verbesserung wird für die kommenden sechs Monate nicht erwartet. Besonders angespannt bleibt die Ertragslage: Fast die Hälfte der befragten Unternehmen bewerten ihr derzeitiges Ertragsniveau als schlecht. „Ertrag ist kein Selbstzweck. Er ist die Voraussetzung dafür, dass Unternehmen investieren, Innovationen finanzieren, Beschäftigung sichern und ihre Standorte weiterentwickeln können. Werden diese Spielräume dauerhaft kleiner, hat das Konsequenzen für die Zukunftsfähigkeit unserer Standorte“, betont Rüspeler.

Denn: Nur 20 Prozent der Unternehmen bewerten ihre gegenwärtigen Investitionen als verhältnismäßig hoch, 60 Prozent als ausreichend und 20 Prozent als zu gering. Fast 80 Prozent erwarten für die kommenden Monate keine Veränderung. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Ersatzinvestitionen, Produktinvestitionen, gefolgt von Rationalisierungsinvestitionen. „Unsere Unternehmen müssen immer wieder neu entscheiden, ob Produkte hier noch wirtschaftlich hergestellt werden können und wo sich eine Investition rechnet. Diese Entscheidungen fallen nicht automatisch für Deutschland oder Mittelhessen aus“, warnt Rüspeler. „Unternehmen wollen investieren. Die entscheidende Frage ist, wo sie es tun und wie die Rahmenbedingungen sind.“

Export bleibt unverzichtbar
Mit einem Exportanteil von 48,2 Prozent erwirtschaften die befragten Unternehmen weiterhin nahezu die Hälfte ihrer Umsätze im Ausland. Zugleich bewerten 46,5 Prozent ihre wertmäßigen Exporte als zu gering. Knapp zwei Drittel rechnen in den kommenden sechs Monaten mit einer weitgehend unveränderten Situation. „Für die exportorientierte Metall- und Elektro-Industrie sind offene Märkte und verlässliche Handelsbeziehungen existenziell. Handelskonflikte, zusätzliche Zölle und geopolitische Unsicherheiten belasten die Unternehmen zusätzlich. Umso wichtiger ist es, dass wir die Faktoren verbessern, die wir in Deutschland beeinflussen können“, sagt Rüspeler.

„Unternehmen halten dagegen, aber ihre Kraft ist nicht unbegrenzt“
Für Rüspeler ergibt sich aus der Herbstumfrage eine klare Botschaft: Die Unternehmen Mittelhessens resignieren nicht. Sie investieren, bilden aus und arbeiten daran, ihre Standorte wettbewerbsfähig zu halten. Aber unternehmerische Leistungsfähigkeit sei keine unendliche Ressource und strukturelle Nachteile des Wirtschaftsstandortes können sie nicht dauerhaft aus eigener Kraft ausgleichen. „Die heimischen Unternehmen sind bereit, weiter für ihre Standorte, ihre Beschäftigten und ihre Zukunft zu kämpfen. Aber irgendwann sind die Möglichkeiten eines Unternehmens ausgeschöpft. Wir brauchen jetzt den politischen Willen zu echten strukturellen Veränderungen. Die Wettbewerbsfähigkeit unseres Industriestandortes muss wieder zu einer politischen Priorität werden“, so Rüspeler abschließend.

 

Ergebnisse Herbstumfrage 2026

ergebnisse-herbstumfrage-mittelhessen-2026.pdf PDF mit Ergebnissen pdf 4,7 MiB
Porträt von Janina Hill
Janina Hill

Pressesprecherin | Online-Kommunikation