Wie war Ihr eigener Werdegang?
Mit 18 und dem Abitur in der Tasche konnte ich mir nicht vorstellen, hier einzusteigen. Ich studierte lieber Lehramt fürs Gymnasium. Damals habe ich zwar viel gelernt, aber der Beruf passte nicht zu mir. Als Werkstudent schnupperte ich dann zwei Tage die Woche parallel zum Studium ins Unternehmen rein. Mein Vater stellte mir dabei bewusst anspruchsvolle Aufgaben, zum Beispiel im Bereich Qualitätssicherung und Arbeitssicherheit – und damit hatte er mich.
Das heißt, Ihr Vater motivierte Sie so, im Unternehmen Verantwortung zu übernehmen?
Ja, aber auch so manche Kollegen. Viele hier kannten mich schon als Kind. Also wollte ich keine Fehler machen und kniete mich rein. Fehlendes Wissen erarbeitete ich mir anfangs autodidaktisch. Später kamen viele Lehrgänge und sonstige Weiterbildungsmaßnahmen hinzu. Es faszinierte mich immer mehr, tiefer einzusteigen. Ich wollte wissen, was alles zu einem funktionierenden Produktionsbetrieb gehört, wie man ihn gut am Laufen hält und auch weiterentwickelt. Hinzu kam die Freude daran, wenn man eine herausfordernde Aufgabe als ganzes Team bewältigt hatte. Irgendwann konnte ich es mir gut vorstellen, hierzubleiben und mehr und mehr Verantwortung zu übernehmen. 2022 wurde ich dann Mitglied der Geschäftsleitung und seit 2024 bin ich allein für das Unternehmen verantwortlich.
Wie fühlt man sich mit all der Verantwortung?
Unternehmer sein in einem Familienunternehmen unserer Größe muss man wirklich wollen, denn es ist ein Job, der einen permanent ausfüllt und beschäftigt. „Heute keine Lust“ geht nicht. Es gibt niemanden „obendrüber“, der die Verantwortung übernimmt. Es ist eine Kombination aus Druck und Freiheit bei allen Entscheidungen, der man sich jeden Tag aufs Neue stellen muss. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich mir mit dieser Entscheidung Zeit lassen konnte, und es macht mich stolz, nun dazu beitragen zu können, dass sich Vogel bei allen Problemen am Markt weiter behauptet.