Die Zukunft der industriellen Beschäftigung erfordert Anpassungsfähigkeit: Bereitschaft zum Wandel liegt Opel im Blut.
Die Zukunft der industriellen Beschäftigung erfordert eine hohe Anpassungsfähigkeit: Die Bereitschaft zum Wandel liegt uns Opelanern wohl im Blut.
„Die Transformation kostet Arbeitsplätze, die am Verbrennungsmotor hängen, schafft aber auch neue in bestimmten Chancenfeldern. Deshalb arbeiten wir am Umbau und Aufbau von Arbeitsplätzen, die dazu passen, dass Autos immer mehr zu rollenden Computern werden. Dreh- und Angelpunkt ist unsere strategische Aus- und Weiterbildung, zu der auch eine eigene Software-Akademie gehört, die wir auf Konzernebene gerade aufbauen.“
Zur Zukunft der industriellen Beschäftigung im Strukturwandel
Herr Wangemann, liegt die Zukunft der industriellen Beschäftigung im Strukturwandel?
Für mich ganz klar: Ja. Wir haben bei Opel bekanntermaßen bewegte Jahre hinter uns. Sie sind einher gegangen mit einem gewaltigen Strukturwandel. Unsere Strategie dabei: Wir setzen auf nachhaltige Mobilität. Opel wird elektrisch und profitabel. Trotz aller Widrigkeiten haben wir das geschafft. In den letzten vier Jahren war Opel wieder außerordentlich erfolgreich, nochmals gepusht seit der Fusion der Groupe PSA mit FCA zum globalen Automobilkonzern Stellantis Anfang 2021. Heute haben wir bereits zwölf elektrifizierte Opel-Modelle auf dem Markt. Wir haben unseren Marktanteil im wichtigen deutschen Heimatmarkt im vergangenen Jahr deutlich gesteigert, waren der große Gewinner unter den Volumenmarken. Der Opel Corsa ist die vergangenen zwei Jahre der meistverkaufte Kleinwagen in Deutschland und das meistverkaufte Auto überhaupt in Großbritannien gewesen. Und mindestens jeder vierte neu zugelassene Corsa fährt bundesweit inzwischen elektrisch. Das gilt übrigens auch für den Mokka. Dieser Trend setzt sich in 2022 fort und das zeigt ganz klar: Unsere Modelle kommen bei den Kunden hervorragend an.
Was macht Opel momentan so erfolgreich? Welche Rolle spielen innovative Geschäftsmodelle, Technologieführerschaft oder auch Arbeitsorganisation und Kultur?
Um erfolgreich zu sein, müssen sie diese ganze Bandbreite abdecken. Das heißt: Sie brauchen gute Technologie und innovative Geschäftsmodelle. Sie brauchen eine gute Arbeitsorganisation und Unternehmenskultur. Denn nur wenn die Belegschaft mitzieht, sich engagiert und mit neuen Ideen einbringt, können sie etwas bewegen. Aber vor allem müssen sie technologisch ganz vorne dabei sein. Wir stehen auch in Sachen E-Mobilität sehr gut da. 2024 werden wir mindestens eine elektrifizierte Variante von ausnahmslos jeder Baureihe anbieten. Darüber hinaus streben wir an, die Gesamtbetriebskosten für Elektrofahrzeuge bis 2026 denen von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor anzugleichen. Und bis 2028 wollen wir in Europa nur noch Elektrofahrzeuge anbieten. Darauf konzentrieren wir uns und danach richten wir uns aus.
Und wir haben bereits das nächste Kapitel in unserer Offensive für nachhaltige Mobilität aufgeschlagen: Im Dezember letzten Jahres wurde der erste Opel Vivaro-e HYDROGEN ausgeliefert. Dieser erste emissionsfreie Wasserstoff-Transporter eines Fahrzeugherstellers wird in Rüsselsheim produziert. HYDROGEN No. 1 wird nun vom Hausgerätehersteller Miele im Rhein-Main-Gebiet im täglichen Außendienst eingesetzt. Gerade bei leichten Nutzfahrzeugen wird die Wasserstoff-Brennstoffzelle als Stromquelle für den Elektroantrieb immer mehr an Bedeutung gewinnen. Darüber hinaus läuft hier an unserem Stammsitz in Rüsselsheim der neue Astra vom Band –als Limousine, Kombi, mit effizienten Benzinern, Dieseln, als Plug-in-Hybrid und schon im nächsten Jahr als batterie-elektrischer Astra-e. Das volle Programm! Der neue Astra wurde natürlich auch in Rüsselsheim designt und entwickelt und wird der Marke weiteren Schub verleihen, weil er Innovationen in die Kompaktklasse bringt, die Kunden bislang nur von höherpreisigen Fahrzeugen kannten. Dazu zählt unter anderem das Lichtsystem mit 168 LED-Elementen und im Innenraum das volldigitale Pure Panel, das so gar nichts mehr zu tun hat mit einem konventionellen Armaturenbrett. Es ist vielmehr eine neue Mensch-Maschine-Schnittstelle für ein intuitives Bedienerlebnis über einen extrabreiten Touchscreen. Ich fahre aktuell selbst einen Astra und bin von dem Auto schwer begeistert.
Wie Umfragen bei der Belegschaft zeigen, gefällt es den Menschen hier, bei der Entwicklung und der Schaffung solcher Produkte dabei zu sein und sehr viele sind von dem Wandel bei Opel begeistert.
Hilft es Opel, Teil des internationalen Automobilkonzerns Stellantis zu sein?
Absolut! Vieles greift in einem solchen Weltkonzern ineinander, jeder trägt seinen Teil zum Erfolg bei und man profitiert voneinander. Unterstützung bekommen wir auch durch das weltweite Stellantis-Forschungsnetzwerk mit renommierten Universitäten, über das wir wissenschaftliche Erkenntnisse gewinnen für die Technologiesysteme zukünftiger Fahrzeuggenerationen. Anfang 2022 haben wir mit der TU Darmstadt das erste OpenLab von Stellantis in Deutschland ins Leben gerufen, um gemeinsam an neuen Lichttechnologien zu forschen. Stellantis finanziert am Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik (etit) zunächst für die kommenden vier Jahre drei Doktoranden.
Im Opel-Werk in Kaiserslautern wird gerade eine neue Batteriefabrik aufgebaut, in der ab 2025 Batteriezellen mit einer Kapazität von 40 Gigawattstunden für über 800.000 Autos jährlich produziert werden sollen. Es ist ein Joint Venture von Opel/Stellantis, TotalEnergies und Mercedes-Benz. Gefördert von der Bundesregierung sollen dafür von allen Partnern mehr als zwei Milliarden Euro investiert werden. Auch das ist ein wichtiger Teil der Transformation der Automobilindustrie und gehört zu dem Strukturwandel, von dem auch wir bei Opel letzten Endes profitieren. Aber wir müssen uns innerhalb des Konzerns natürlich immer behaupten und mit Leistung und Zahlen überzeugen. Die Wettbewerbsfähigkeit ist entscheidend. Auch deshalb war es so wichtig, dass wir uns neu aufgestellt haben. Dass wir jetzt hier in Rüsselsheim den Astra produzieren, stärkt den Standort. Wir alle empfinden das als Anerkennung unserer Leistung.
Laut einer Studie des IW Köln stehen allein in Hessen aktuell 23.000 Arbeitsplätze am Verbrennungsmotor, die auf Sicht verschwinden werden, etwa 9.000 Stellen gegenüber, die in den Chancenfeldern Elektrifizierung, Vernetzung und autonomes Fahren entstehen sollen.