Wie kam die Idee, etalytics zu gründen?
Thomas Weber und ich haben uns an der TU Darmstadt kennengelernt. Im Rahmen unserer Promotion arbeiteten wir in der ETA-Fabrik und bauten sie mit auf. Sie ist ein Technologie- und Anwendungszentrum, in dem Maschinen, Versorgungssysteme und das Gebäude selbst als ein Gesamtsystem gesehen werden. Hier wird dann daran geforscht, wie man Energie und Ressourcen effizienter nutzen kann. Da die ETA-Fabrik eng mit Unternehmen zusammenarbeitet, haben wir schnell begriffen, dass es bei der Energieeffizienz in den Unternehmen großen Beratungsbedarf gibt. Eben weil die Prozesse dort so komplex sind. Also beschlossen wir, KI-basierte Software nicht nur zu entwickeln, sondern auch zu verkaufen. Björn König kannten wir ebenfalls über die TU. Er ist ein genialer Softwarearchitekt und stieg als Gründer mit ein, da er wie wir das Potenzial unserer Plattform erkannte. Uns drei eint unsere Leidenschaft für Deep Tech und nicht zuletzt das Thema Nachhaltigkeit.
Wie sind Sie Sie zum Ingenieurstudium gekommen?
Schon in der Schule hat mich die Logik hinter Mathe und Physik fasziniert und ich habe meine Leistungskurse entsprechend gewählt. Mit 16 habe ich mein erstes Unternehmen gegründet, eine Webdesign-Agentur. Um Technik und Wirtschaft zu verbinden, habe ich nach dem Abitur Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Elektrotechnik an der Uni in Kiel studiert. Dort brachte mich dann der Forschungsschwerpunkt Windkraft zum Thema Energie. Da ich wissen wollte, wie man damit effizient umgeht, kam ich als Nordlicht nach Darmstadt. Mit fehlt immer noch das Meer, auch wenn ich mich in Darmstadt sehr wohlfühle.
Hat Sie das Kooperationsangebot von Microsoft in diesem Jahr sehr beeindruckt?
Ja klar, wir alle und eigentlich das ganze Team war davon schon beeindruckt. Andererseits setzen wir aber sehr bewusst auf Investoren, um etalytics voranzubringen. Darunter ist zum Beispiel auch der deutsche Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer. Wir wissen, dass unser Produkt gut ist und in der ganzen Welt gebraucht wird. Und Risikokapitalgeber wie Microsoft M12 oder Carsten Maschmeyer suchen ja nach Investitionsmöglichkeiten mit guten Chancen, damit sich ihr finanzieller Einsatz für sie auch irgendwann rentiert. Das ist für uns schon Druck und ein enormer Antrieb. Für mich persönlich bedeutet das Ganze zudem eine besonders große Umstellung. Schon Anfang 2026 werde ich mit meiner Familie in die Nähe von San Francisco ziehen, um dort persönlich unseren US-Standort aufzubauen.
Bedeutet das, etalytics wird sogar ganz in die USA gehen?
Nein, es wird nur unser erster Standort außerhalb Deutschlands sein. Wir planen außerdem weitere Standort in Deutschland und in Asien. KI-Modelle wie ChatGPT verarbeiten riesige Datenmengen und Informationen und brauchen dazu leistungsstarke Grafikprozessoren. Für die Beantwortung einer einfachen Frage benötigt eine KI zehnmal mehr Strom als eine Suchmaschine wie etwa Google. Man geht derzeit davon aus, dass sich allein der Energiebedarf von Rechenzentren bis 2030 verdoppeln wird. Umso wichtiger ist es, dass man jede Möglichkeit zum Energiesparen nutzt. Wir helfen Rechenzentren dabei und davon sind gerade nicht nur in den USA jede Menge geplant - inklusive eigenem Kraftwerk. Aber von all dem ganz abgesehen hat uns alle drei unser Sommerfest in diesem Jahr sehr beeindruckt und schwer motiviert.