Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?
Klaus Blaschke: Unser größtes Problem? Die Anbindung! Wir sind von Autobahnen umzingelt – nur leider in sicherer Entfernung. Das schreckt größere Unternehmen ab, sich bei uns anzusiedeln, denn logistisch gibt es attraktivere Standorte. Politisch müsste sich da was tun, aber bis eine neue Straße entsteht, vergehen viele Jahre. Zum Glück sind wir in einer Nische tätig und können steigende Transportkosten noch kompensieren – aber auch da gibt es Grenzen. Und dann wäre da noch der berühmte Fachkräftemangel. Klar, den spüren wir auch. Doch statt nur zu klagen, heißt es: selbst aktiv werden!
Halil Alpaslan: Genau das waren wir: Eine sehr erfolgreiche Maßnahme in unserem Betrieb ist die Einführung der 4-Tage-Woche, die wir seit Januar 2024 umgesetzt haben. Wir bekommen immer wieder das Feedback von Bewerbern, dass dies mit ein Grund sei, warum man sich bei uns bewirbt. Diese Mitarbeiter sind weder faul noch unproduktiv, sondern das Gegenteil ist der Fall. Wir stellen eine deutliche Produktivitätssteigerung, bei niedrigeren Krankheitstagen und einer höheren Motivation fest. Bei Inox arbeitet man 35 Stunden pro Woche verteilt auf 4 Tage. Das bedeutet Mo-Do, anschließend hat man 4 Tage frei (Fr, Sa, So, Mo) und in der nächsten Woche von Di-Fr. Grundsätzlich kann jeder Mitarbeiter wählen, ob 4 oder 5 Tage für ihn das richtige ist. Genau darauf kommt es an. Flexible Arbeitszeitmodelle, die individuell angepasst werden können. Ein attraktives Angebot, um Fachkräfte für sich zu gewinnen. In den Sommermonaten 4 Tage und in den Wintermonaten 5 Tage arbeiten – warum nicht. Das erfordert sicherlich einen höheren Aufwand bei Abrechnungen und anderen administrativen Bereichen, aber das ist alles besser als keine Mitarbeiter für sein Unternehmen zu gewinnen.
Welchen Trend beobachten Sie in Ihrer Branche?
Klaus Blaschke: Wir sind in unserer Branche einer der Top-Oberflächenveredler was das Schleifen, Bürsten und Prägen betrifft im Bereich von Edelstahl, Aluminium, Messing und Kupfer. Wir stellen sicherlich immer wieder fest, dass es Unternehmen gibt, die uns kopieren wollen, was manchmal auch gelingt. Aber: Oft haben wir dann schon wieder den nächsten Entwicklungsschritt getan, um neue innovative Oberflächen zu entwickeln.
Lieber Herr Blaschke, lieber Herr Alpaslan, wir bedanken uns sehr herzlich für das Interview!
Interview: Frauke Syring // Fotos: INOX Schleiftechnik GmbH & Co. KG