Haben Sie keine Wettbewerber?
Die haben wir auch, aber wir sind sicher die innovativsten Anbieter am Markt, wenn es um industrielle Hochtemperatur- und Hochdruckprozesse sowie knifflige Aufgabenstellungen geht. Wir setzen da Maßstäbe. Unsere Systeme funktionieren selbst im Extremen. Der Umgang mit 1.500 Grad heißem Gas und extremem Druck ist sozusagen unsere Spezialität. Dabei unterstützen wir die Betreiber, ihre Anlagen effizienter zu fahren durch gezieltes Energie- und Prozessmanagement, das heißt, die Wärme wird zurückgeführt in den Prozess. Und es ist sogar möglich, aus den Abgasen Reststoffe herauszuziehen, die dann ebenfalls in den Prozess zurückgeführt werden können. So helfen wir, Emissionen zu reduzieren und natürliche Ressourcen zu schonen.
Demnach ist Nachhaltigkeit auch bei Ihnen ein Thema?
Ja. Schon unser Gründer Wilhelm Schmidt hatte vor über 100 Jahren die Vision, Energie so effizient wie möglich zu nutzen und durch Wärmerückgewinnung Ressourcen zu sparen. Also erfand er einen Dampfüberhitzer, der die Leistung von Dampflokomotiven um 30 Prozent erhöhte, obwohl sie weniger Kohle verbrauchte. Effizienz und Erfindungsreichtum sind Teil unserer Geschichte und seine Vision treibt uns bis heute an.
Was heißt das konkret?
Bei allen Projekten wollen wir Energie zurückgewinnen, Emissionen reduzieren und Rohstoffe wiederverwenden. Wir nennen diesen Ansatz „R3 – Recover. Reduce. Reuse.“. Unsere Kompetenz eröffnet uns weltweit neue Geschäftsgebiete, weil uns alle der weltweite CO2-Ausstoß, der Umgang mit wachsenden Müllbergen umtreiben und wir auch beim Thema Wasserstoff helfen können. Beim Umgang mit Abfall haben wir schon viele Projekte begleitet. In einer Pilotanlageim Westen der USA helfen unsere Systeme bereits dabei, aus Abfall Kerosin zu gewinnen. Und wir sind Teil des Projektes Verena, bei dem Universitäten und Industrieunternehmen unter der Leitung der TU Darmstadt gemeinsam an Verfahren arbeiten, damit aus nicht recycelbaren Reststoffen neue Grundstoffe für die chemische Industrie entstehen, zum Beispiel Ethylen.
Was ist für Sie eine Herausforderung?
Wenn man von solchen kniffligen technischen Aufgaben einmal absieht, stehen wir hier regelmäßig vor der Herausforderung, unsere Produkte auf den Weg zum Kunden zu bringen. Diese Systeme sind oft zig Meter lang und ein paar hundert Tonnen schwer. Der Weg für solche Schwerlasttransporte von Kassel bis zur Verschiffung in einem Seehafen wird akribisch geplant und kostet uns immer wieder Nerven, vom Genehmigungsverfahren bis zu maroden Brücken, die wir bei diesen Gewichten nicht nutzen können.