Ein Konzept mit Zukunft also …
Ganz sicher! Cobots wie YuMi sind sehr rücksichtsvoll, anders als die Roboter, die noch in einem Käfig arbeiten. Aber die Käfige werden aus der Produktion verschwinden. Sind Wartungsarbeiten durch Menschen nötig, fährt das System kurz runter, ist der Mensch weg, geht es sofort wieder in die Höchstgeschwindigkeit. Im Moment muss man Systeme noch komplett abschalten, aber das ist auf Dauer zu zeitintensiv und damit zu teuer. Zudem werden die Systeme einfacher werden, damit auch kleine Betriebe sie leichter einsetzen können. Und alles wird immer mehr vernetzt werden.
Wie beeinflusst Corona die Entwicklung?
Corona hat da letztlich einen enormen Schub gegeben. Wir haben unsere Kunden über Ferndiagnose und Fernwartung unterstützt und einige unserer Services kostenfrei zur Verfügung gestellt. Vorher konnte sich das doch kein Mensch vorstellen! Jetzt haben viele verstanden, was Digitalisierung und Vernetzung wert sind. Und auch, dass eine vorausschauende Wartung wirklich Sinn ergibt. Von den zigtausend Robotern, die wir bisher allein in Deutschland installiert haben, sind schon einige vernetzt, Tendenz steigend.
Vor allem im Bereich Automotive?
Viele, aber nicht alle. Wir sind überall unterwegs, zunehmend auch in der Lebensmittel- und Pharma-Industrie und in der Logistik. Warenverteilzentren sind hochautomatisiert. Und wir sind dabei, wenn in Zukunft auch Regalsysteme im Supermarkt mit Herstellern und Logistikzentren vernetzt sind: Steigt die Nachfrage, wird der Nachschub automatisch organisiert und rechtzeitig geliefert.
Text: Maja Becker-Mohr
Zur Person: Jörg Reger
- Geboren 1966 in Marburg/Lahn, verheiratet, zwei erwachsene Kinder.
- Ingenieurstudium Verfahrenstechnik an der FH Gießen-Friedberg (heute Technische Hochschule Mittelhessen).
- Erste Berufserfahrung beim Anlagenbauer Lurgi in Frankfurt.
- 1994 Einstieg bei ABB, 2014 Wechsel zu Robotics, seit 2017 Geschäftsführer von ABB Robotics in Friedberg.