Vom Supermarkt in die Industrie
Jonas, wir haben uns kennengelernt beim Gründerwettbewerb Promotion Nordhessen – den ihr in diesem Jahr gewonnen habt. Wie habt ihr angefangen, wie hat sich die Idee entwickelt?
Wir waren natürlich sehr glücklich damals, weil ich wirklich nicht davon ausgegangen war, dass wir gewinnen würden. Wir sind dort mit der Idee gestartet, das Energiemanagement in Supermärkten zu optimieren. Zunächst vorzugsweise mit der Edeka, da deren Märkte dezentral organisiert sind und meist von einem Kaufmann geführt werden, der für Strom- und Energiekosten selbst verantwortlich ist.
Wir geben den Kunden ein Managementtool an die Hand, mit dem sie nicht nur Strom oder auch andere energetische Themen wie Gas überwachen können. Sie erhalten daraus auch Handlungshinweise, weil sie in diesem Bereich natürlich keine Profis sind. Wir zeigen konkret auf, was sie wo wirklich machen können, um Strom einzusparen. Und da sind wir schnell bei zweistelligen Zahlen im prozentuellen Bereich.
Das war die Idee, mit der wir gestartet sind – damit arbeiten wir auch nach wie vor. Aber wir haben uns auch weiterentwickelt, weil es schnell direkt Anfragen aus der Industrie und anderen Bereichen gab.
ÖkoVision: Kernteam besteht aus drei Personen
Gehen wir einen Schritt zurück: Ihr seid eine Ausgründung aus der Universität Kassel. Du hast ÖkoVision mit einem Schulfreund gestartet, mit Alexander Bock. Seid ihr immer noch befreundet?
Ja, auf jeden Fall. Es ist natürlich jetzt eine etwas andere Situation, weil noch eine geschäftliche Ernsthaftigkeit hinzugekommen ist. Aber das passte damals schon gut: Er brauchte jemanden, der vielleicht nicht ganz so detailverliebt ist wie er selbst. Ich jemanden, der detailverliebter ist, als ich es bin. Er ist Naturwissenschaftler, ich komme aus dem Kaufmännischen, deswegen hat das für eine Gründung sehr gut gematcht.
Im Kernteam ist mit Mara Libralon noch eine Umweltingenieurin dabei, die richtig brennt für das ganze Thema Nachhaltigkeit und Energiemanagement, vor allem auch im Bereich Co2-Bilanzierung und ESG-Kriterien. Damit ist sie die perfekte Ergänzung zu uns beiden.
Ich empfinde es als ganz große Freiheit, ein Unternehmen aufbauen zu können, das mit den eigenen Werten und Vorstellungen kompatibel ist.
Jonas Meister, Geschäftsführer der Ökovision GmbH
Als ihr Sieger bei Promotion Nordhessen wurdet, gab es euch bereits eine Weile. Wann hattet ihr die Idee, eine Firma zu gründen?
Alexander und ich hatten immer mal wieder Ideen, aber das hat sich nie verfestigt. Doch dann sind wir durch ein Modul an der Universität Kassel mit Prof. Dr. Hesselbach, Innovationsberater Stefan Roetzel (Science Park GmbH) und Mark Junge (Limón GmbH) mehr in Richtung unternehmerische und Ideenentwicklung geleitet worden – und daraus hat sich unsere Geschäftsidee nach und nach entwickelt.
Gefördert durch Gründungsstipendium EXIST
Jetzt gibt es die Firma – und ihr habt auch eine Förderung durch das Gründungsstipendium EXIST erhalten. Wie hilft euch das?
EXIST ist ein Bundesstipendium, das uns über zwölf Monate insofern unterstützt, dass sich drei Personen in Vollzeit ganz dem Unternehmen widmen können. Wir haben dadurch sehr frei die Möglichkeit, unsere Ideen weiterzuentwickeln – ohne dabei einen immensen Druck zu haben, Umsätze generieren zu müssen, um etwa am Ende des Monats die Miete bezahlen zu können.
Du bist nun nicht mehr Student, sondern Geschäftsführer eines Unternehmens. Was ist das für ein Gefühl, du bist ja auch noch recht jung.
Das stimmt, ich bin jetzt 26. Ich würde sagen, dass das Schönste daran ist, eine gewisse Freiheit zu haben und eine eigene Vision entwickeln zu können. Sich selbst also zu fragen, was man vom Leben will und in der Ableitung daraus ein Unternehmen aufzubauen, das mit den eigenen Werten und Vorstellungen kompatibel ist. Das empfinde ich als ganz große Freiheit.