„Für viele Folien gibt es keine Alternative“

Chef-Interview Pütz Folien aus Taunusstein verarbeitet mehr als 2.000 Folien für über 20 Branchen. Die Produkte stecken oft dort, wo man sie nicht vermutet

Die junge Generation zur Nachfolge bewegen? Diese Hoffnung haben viele Familienunternehmer aufgegeben. Bei Pütz Folien in Taunusstein ist das anders. Hier wollen die Cousins Dennis und Kim Pütz ihren Eltern demnächst in der Geschäftsleitung nachfolgen. Im Interview mit aktiv erklären Geschäftsführer Ferdinand Pütz und sein Sohn Dennis, was ihren Familienbetrieb antreibt.

Herr Pütz, sind Sie gerne Familienunternehmer?

Ferdinand Pütz: Ja. Als mein Vater vor zwölf Jahren starb, wäre es für meine Schwestern und mich am einfachsten gewesen, die Firma zu verkaufen und den Erlös durch drei zu teilen. Es war verlockend, frei und unabhängig zu sein. Aber wir fühlten auch eine innere Verpflichtung. Was würde aus der Firma und den Menschen, die hier arbeiten? Was würde aus den Ideen unseres Vaters? Und was bliebe für die nächste Generation?

Wuppen als zweite und dritte Generation das Unternehmen gemeinsam: Die Geschwister Ferdinand und Christiane Pütz sowie die Cousins Kim und Dennis Pütz (von links).
Wuppen als zweite und dritte Generation das Unternehmen gemeinsam: Die Geschwister Ferdinand und Christiane Pütz sowie die Cousins Kim und Dennis Pütz (von links).

Also machten Sie weiter.

Ferdinand Pütz: Ja, nach dem Ausscheiden einer Schwester vor 5 Jahren, wollen nun unsere 4 Nachfolger die Firma übernehmen. Ein Teil davon wird aktiv in der Geschäftsführung und Geschäftsleitung arbeiten. Unterstützt von externen Beratern vollziehen wir gerade den Übergang, der spätestens 2030 abgeschlossen sein soll. Für uns alle ist es der Jackpot, dass die nächste Generation mit Freude am Start ist.

Warum wollen Sie die Firma weiterführen?

Dennis Pütz: Die „innere Verpflichtung“ lässt sich wirklich nur schwer erklären, aber ich spüre sie auch, so, wie viele andere in meiner Lage.  Fast 9 von 10 Unternehmen in unserem Land sind Familienunternehmen. Zusammen beschäftigen sie mehr als 18 Millionen Menschen. Man denkt wie wir in Generationen und nicht in kurzfristigen Profiten. Ich bin dankbar, dass ich unser Unternehmen weiterführen kann.  Die Verpflichtung verstehe ich vor allem als Ansporn, dass wir hier auch in Zukunft Menschen Arbeitsplätze anbieten können.   Auch wenn das immer schwerer wird, bei all den Belastungen, die vom Mittelstand viel schwerer zu bewältigen sind als von Konzernen, die ihre Produktion leichter verlagern können.

Werden denn heute noch viele Folien gebraucht?

Ferdinand Pütz: Vielleicht sogar mehr denn je. Für viele Folien gibt es häufig keine Alternative. Dank Forschung und Entwicklung gibt es heute ungeheuer viele Anwendungen, die den Menschen nützen. Wir sind in über 20 Branchen unterwegs und verarbeiten letztlich alles, von Polyester, PEN, Polyimid, Acetat, Polyamid, Polypropylen oder PVC bis zu Zellglas, recycelte Folien oder auch biologisch kompostierbare Folien auf Cellulose- oder Stärkebasis.

Haben die Qualität der Folien im Blick: Maschinenführer Mustapha Abdellaoui und Betriebsleiter Andreas Schacht
Haben die Qualität der Folien im Blick: Maschinenführer Mustapha Abdellaoui und Betriebsleiter Andreas Schacht

Sie kaufen also Folien zu?

Dennis Pütz:
Ja, wir stellen die Folien nicht selbst her. Mein Großvater Ferdinand hat 1959 mit einer alten Maschine angefangen, Folien zuzuschneiden. Heute verarbeiten wir über 2.000 verschiedene Folien Folienarten. Unsere eigentliche Stärke liegt darin, aus diesen Materialien genau das Produkt zu machen, das unsere Kunden für ihre jeweilige Anwendung benötigen.

Aber sie können mehr ...?

Ferdinand Pütz:
Wir haben den Anspruch, möglichst viele Anforderungen unserer Kunden aus einer Hand abzudecken. Dafür verbinden wir eine enorme Materialvielfalt mit technischem Know-how und hoher Flexibilität in der Verarbeitung. Besonders stark sind wir, wenn Anforderungen komplex werden und Standardlösungen nicht mehr ausreichen. Unsere Kunden kommen häufig mit einer Herausforderung zu uns, für die wir gemeinsam eine passende Lösung entwickeln. Genau diese Problemlösekompetenz zeichnet uns aus.

Wo begegnet man Ihren Folien im Alltag?

Dennis Pütz: Bei so verschiedenen Sachen wie der Nutzung der Kreditkarte, der Anwendung von Urin- oder Diabetes-Teststreifen oder auch in der Lebensmittelindustrie. Oft sind die Folien eher versteckt, etwa in E-Motoren, elektronischen Bauelementen, Transformatoren, in Kondensatoren oder aber beispielsweise in Notfall-Beatmungsschläuchen. Manchmal sind sie Produktionshilfsmittel, damit zum Beispiel in der Elektronikindustrie Bauteile in einer vollautomatischen Produktion leicht transportiert werden können.

Klingt nach viel Abwechslung in der Produktion.

Ferdinand Pütz: Abwechslung haben wir mehr als genug - und genau das macht allen auch Spaß. Sie bedeutet aber auch lange Einarbeitungsphasen für neue Mitarbeiter. Und es ist schwer, passende Fachkräfte zu finden, wenn wir eine Stelle ausschreiben. Aktuell haben wir 75 Beschäftigte aus 14 verschiedenen Nationen – auch da also viel Abwechslung.

Produktionshilfsmittel für die Elektro-Industrie: Dennis Pütz (links) und Teamleiter Achim Lang mit einem Folienstreifen
Produktionshilfsmittel für die Elektro-Industrie: Dennis Pütz (links) und Teamleiter Achim Lang mit einem Folienstreifen

Was passiert bei Pütz in Sachen Digitalisierung und KI?

Dennis Pütz: Wir sehen beide als große Chance. Auch, weil es uns gegen den Fachkräftemangel hilft. Wir investieren deshalb stark in die Automatisierung unserer Anlagen und bauen eigene Tools mit Hilfe von KI. Langfristig wollen wir auch humanoide Roboter anschaffen, die körperlich anstrengende Arbeiten übernehmen können. Außerdem lassen wir uns von Optalio aus Eschborn unterstützen, einem Spezialisten für die Produktionsplanung in Echtzeit durch KI. Und natürlich muss man seine Belegschaft mitnehmen und die Menschen befähigen, mit den neuen Technologien umgehen.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Zukunft?

Dennis Pütz: Wie schon gesagt, die digitale Transformation und damit den Wandel im Mittelstand zu schaffen neben all den anderen tagtäglichen Herausforderungen und bei den bestehenden Rahmenbedingungen, ist wirklich sehr herausfordernd. Die hohen Standortkosten lassen sich nur durch sehr effiziente Prozesse kompensieren. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir einen guten Anfang gemacht haben und wir sogar schon in der Lage sind, eigene Tools mit Hilfe einer KI zu entwickeln und anzuwenden.

Ferdinand Pütz: Eine Riesenherausforderung sehe ich auch in der Macht „der Großen“. Um Aufträge zu bekommen, muss man - allein schon um als Lieferant angelegt zu werden - Berge von Dokumenten ausfüllen, die niemanden einen Schritt weiterbringen. Konzerne erdrücken mit solchen Vorgaben den Mittelstand. Ich muss zum Beispiel dokumentieren, dass ich durch eine Produktion in Fernost keine Kinderarbeit unterstütze und die Umwelt dort nicht schädige, obwohl wir ausschließlich hier in Hessen produzieren. Solche Dokumentationen kosten uns enorm viel Zeit und machen wir nur noch bei größeren Aufträgen. Sonst würden wir durch den bürokratischen Aufwand und der damit verbundenen Zeit Gefahr laufen, am Ende noch draufzulegen. Aber auch die Berichts- und Dokumentationspflichten für den Staat, Berufsgenossenschaften und wen auch immer regen mich zunehmend auf. Konzerne schaffen dafür eigene Abteilungen, die sich ausschließlich damit beschäftigen, und im Mittelstand landet das alles zusätzlich auf dem Schreibtisch der Geschäftsführung.

Was stimmt Sie optimistisch?

Dennis Pütz: Unser Geschäftsmodell ist zukunftsfähig. Echte Trümpfe sind unsere Mitarbeiter und das über viele Jahre gewachsene partnerschaftliche Verhältnis zu vielen unserer Kunden – aber auch zu unseren Lieferanten. Und ich bin einfach überzeugt vom deutschen Mittelstand. Wir sind das Rückgrat der Wirtschaft. Nur wenn der Mittelstand stark bleibt, bleibt Deutschland innovativ und lebenswert.

Wuppen als zweite und dritte Generation das Unternehmen gemeinsam
Wuppen als zweite und dritte Generation das Unternehmen gemeinsam

Warum wurden Sie Mitglied von HESSENMETALL?

Dennis Pütz: Tatsächlich wurden wir über Optalio auf den Verband aufmerksam und nachdem wir uns einmal damit beschäftigt hatten, was der Verband seinen Mitgliedsunternehmen alles bietet, war der Antrag auf Mitgliedschaft für uns keine Frage mehr.

Zu den Personen:

  • Ferdinand Pütz, geboren 1965 in Wiesbaden.
  • Ausbildung zum Industriekaufmann.
  • Auslandserfahrung bei einem internationalen Folienhersteller.
  • 1990 Einstieg bei Pütz Folien in Taunusstein.
  • Seit 2014 Geschäftsführer des Familienunternehmens Pütz Folien

  • Ferdinand Dennis Pütz, geboren 1993 in Wiesbaden.
  • BWL-Studium an der Uni Frankfurt.
  • Master in Sustainable Marketing und Leadership an der Hochschule Fresenius, Idstein.
  • Unternehmensberater.
  • 2021 Einstieg bei Pütz Folien, heute Leiter Unternehmensentwicklung

 

Interview: Maja Becker-Mohr // Fotos: Gerd Scheffler

Kontakt

Pütz GmbH + Co. Folien KG

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E-Mail: info@puetz-folien.com

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