Was passiert bei Pütz in Sachen Digitalisierung und KI?
Dennis Pütz: Wir sehen beide als große Chance. Auch, weil es uns gegen den Fachkräftemangel hilft. Wir investieren deshalb stark in die Automatisierung unserer Anlagen und bauen eigene Tools mit Hilfe von KI. Langfristig wollen wir auch humanoide Roboter anschaffen, die körperlich anstrengende Arbeiten übernehmen können. Außerdem lassen wir uns von Optalio aus Eschborn unterstützen, einem Spezialisten für die Produktionsplanung in Echtzeit durch KI. Und natürlich muss man seine Belegschaft mitnehmen und die Menschen befähigen, mit den neuen Technologien umgehen.
Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für die Zukunft?
Dennis Pütz: Wie schon gesagt, die digitale Transformation und damit den Wandel im Mittelstand zu schaffen neben all den anderen tagtäglichen Herausforderungen und bei den bestehenden Rahmenbedingungen, ist wirklich sehr herausfordernd. Die hohen Standortkosten lassen sich nur durch sehr effiziente Prozesse kompensieren. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir einen guten Anfang gemacht haben und wir sogar schon in der Lage sind, eigene Tools mit Hilfe einer KI zu entwickeln und anzuwenden.
Ferdinand Pütz: Eine Riesenherausforderung sehe ich auch in der Macht „der Großen“. Um Aufträge zu bekommen, muss man - allein schon um als Lieferant angelegt zu werden - Berge von Dokumenten ausfüllen, die niemanden einen Schritt weiterbringen. Konzerne erdrücken mit solchen Vorgaben den Mittelstand. Ich muss zum Beispiel dokumentieren, dass ich durch eine Produktion in Fernost keine Kinderarbeit unterstütze und die Umwelt dort nicht schädige, obwohl wir ausschließlich hier in Hessen produzieren. Solche Dokumentationen kosten uns enorm viel Zeit und machen wir nur noch bei größeren Aufträgen. Sonst würden wir durch den bürokratischen Aufwand und der damit verbundenen Zeit Gefahr laufen, am Ende noch draufzulegen. Aber auch die Berichts- und Dokumentationspflichten für den Staat, Berufsgenossenschaften und wen auch immer regen mich zunehmend auf. Konzerne schaffen dafür eigene Abteilungen, die sich ausschließlich damit beschäftigen, und im Mittelstand landet das alles zusätzlich auf dem Schreibtisch der Geschäftsführung.
Was stimmt Sie optimistisch?
Dennis Pütz: Unser Geschäftsmodell ist zukunftsfähig. Echte Trümpfe sind unsere Mitarbeiter und das über viele Jahre gewachsene partnerschaftliche Verhältnis zu vielen unserer Kunden – aber auch zu unseren Lieferanten. Und ich bin einfach überzeugt vom deutschen Mittelstand. Wir sind das Rückgrat der Wirtschaft. Nur wenn der Mittelstand stark bleibt, bleibt Deutschland innovativ und lebenswert.