Welche Rolle spielen Heißkanalsysteme bei der Produktion von Kunststoffteilen?
Unsere Systeme halten den Kunststoff oder auch Silikon flüssig und sorgen dafür, dass das Material über spezielle Düsen zeitgleich in mehrere Formen gespritzt wird. Mit dem Einsatz unserer Heißkanalsysteme ist es möglich, energie- und rohstoffsparend hochwertige Kunststoffartikel herzustellen. Der Spritzprozess wird auch genau definiert beendet. Hierdurch ist es möglich, Artikel ohne Überstände oder störende Angussreste zu fertigen. Einfache Wegwerfartikel aus Kunststoff sind nicht in unserem Fokus. Unsere Kunden fertigen hochwertige Produkte wie Kanülen, edle Verpackungen oder technische Bauteile. Uns zeichnet besonders die Verarbeitung von gefüllten Kunststoffen im technischen Umfeld aus. Hierzu gehört auch die Produktion von Heißkanalsystemen zur parallelen Verarbeitung von Kunststoffen und Silikonen in einer Form, um beispielsweise Kunststoffdeckel mit Silikondichtungen in einem Werkzeug herstellen zu können. Die Herausforderung ist hierbei, den Kunststoff warm und das Silikon kalt zu halten.
Das kann kein chinesischer Wettbewerber?
Im Moment kann ich beruhigt Nein sagen, aber unser Vorsprung vor den Chinesen ist verdammt knapp. 2019 war ich das erste Mal auf der China Plas, Asiens größter Kunststoff- und Kautschukmesse. Damals war alles sehr überschaubar und die angebotene Technik auf einem relativ niedrigen Niveau. Inzwischen ist das eine Riesenmesse mit mehr als 2.500 Ausstellern im vergangenen Jahr. Und die Innovationen, die ich dort entdeckt habe, kamen alle von rein chinesischen Unternehmen. Das gibt einem schon zu denken, zumal die Produktionstechnik der rein chinesischen Firmen immer besser wird. Wir Europäer dürfen uns nicht auf dem bisher Erreichten ausruhen.
Woher kommt Chinas rasante Entwicklung?
Das Land und auch die Menschen dort sind hungrig. Das Ziel, international führend zu sein, wird vom Staat und von den Unternehmen konsequent verfolgt. Dazu gehört auch, dass inzwischen seit Jahrzehnten junge Menschen in die Technologiehochburgen der Welt geschickt werden, damit sie an führenden Universitäten studieren und an unserem Wissen partizipieren können. Staatliche Stipendien bekommen junge Chinesen ausschließlich für MINT-Fächer, sehr selten für Politik, Soziologie oder ähnliche Studiengänge. Inzwischen verfolgen auch Indien und andere asiatische Staaten dieses Konzept. Wir müssen also aufpassen, unser Know-how nicht in die Welt zu tragen, ohne selbst davon zu profitieren.
Wie wollen Sie in diesem harten internationalen Wettbewerb auf Dauer gegenhalten?
Mit Investitionen wie unserer neuen Robotikanlage für eine mannlose Fertigung, aber vor allem mit guten Ideen, unserer Erfahrung und unserem Know-how. Aktuell arbeiten wir zum Beispiel gemeinsam mit einem Hersteller an einer Heißkanaltechnik für das Spritzen von unterschiedlichen Farben eines PET-Recyclates. Hauptproblem ist, dass PET nicht gleich PET ist und die Rezyklate daher nie so rein sein können, wie ein Neumaterial. Dadurch ist es enorm schwer, bei jeder Charge trotzdem den gleichen Farbton zu reproduzieren.