Chef-Interview: David Kelm von IT-Seal über Sicherheit im Netz
Darmstadt. Vor wenigen Wochen besuchte aktiv David Kelm, Geschäftsführer und Gründer von IT-Seal in Darmstadt. Das Unternehmen hat sich spezialisiert auf die Gefahrenabwehr im Netz und die digitale Selbstverteidigung, kurzum die menschliche Firewall. Die sollte man laut Kelm auch in Zeiten von Corona nicht vernachlässigen.
Verstehen Sie sich als Hacker?
Ja sicher, deshalb weiß ich, wie Angreifer ticken, und das ist wichtig für die Arbeit von IT-Seal. Die meisten von uns, inzwischen über 30 Mitarbeiter, sind begeisterte IT-ler. Und ja, auch sie wissen, wie man sich in fremde IT-Systeme einschleicht. Das machen wir in der Regel über sogenanntes Social Engineering per Phishing-E-Mail oder Telefon. Darunter versteht man die Kunst, Menschen so zu manipulieren, dass sie einem vertrauliche Infos geben oder potenziell gefährliche Dateien und Links öffnen. Viele unserer Kunden sind schockiert, wie leicht wir an vermeintlich gut geschützte Infos über ihr Unternehmen kommen. Sie vergessen, dass der Mensch Türen weit geöffnet lassen kann, wenn er kein Sicherheitsgespür für Angriffe hat.
Wie können Sie das Sicherheitsbewusstsein verbessern?
Durch Aufklärung und Schulung. Wir gehen dazu vor, wie reale Angreifer es auch tun würden. Im Internet und in den sozialen Medien suchen wir allgemein zugängliche Informationen über Personen in Schlüsselpositionen etwa in der Buchhaltung oder der Entwicklung, um so beim Ansprechen per Mail eine gewisse Vertrautheit zu wecken. Wenn man sich scheinbar gut kennt, öffnet man leichter den Anhang sogenannter Phishing-Mails, die – erst einmal geöffnet – im System Daten abgreifen und Schaden anrichten. Mit unserem zum Patent angemeldeten „Employee Security Index“ können wir das Sicherheitsbewusstsein der Mitarbeiter messen und nach Schulungen auch vergleichen.
Was sind denn die Klassiker?
Es verblüfft mich immer wieder, dass die alte Nummer mit niedlichen Katzenbildern im Anhang immer noch zieht. Aber letztlich ist genau das ja das Gemeine. Man schaut, was die Zielperson toll findet – und schlägt zu. Cyber-Kriminalität ist ein knallhartes Geschäft geworden und hat mit Nerds, die Spaß haben wollen, absolut nichts zu tun.