Welchen Einfluss hat KI auf Ihre Arbeit?
Der Umgang mit KI gehört bei vielen Anwendungen über die Cloud schon dazu. Sie ist ein Schlüssel für Veränderung und Effizienz. Für die Zukunft wird sie uns allen gewaltige Veränderungen bringen in einer rasanten Geschwindigkeit. Davor sollten wir wirklich Respekt haben, allerdings keine Angst. Angst mündet in Starre und Ausweichreaktionen, und das wäre der größte Fehler, den wir machen könnten. Wir müssen schleunigst mehr Erfahrungen sammeln mit der Technologie und uns entsprechend positionieren. Und ich bin optimistisch, dass uns das gelingt.
Wie kam es eigentlich zur Gründung von meshcloud?
Jörg Gottschlich, Johannes Rudolph und ich kennen uns vom Studium an der TU Darmstadt. Jörg beschäftigte sich bei seiner Promotion mit den Cloud-Technologien und erkannte das darin steckende Potenzial für eine eigene Gründung. Johannes hatte als Softwareentwickler schon ein IoT-Startup gegründet und ich verdiente mein Geld während des Studiums mit meiner eigenen Webagentur. Ursprünglich wollten wir eine eigene Cloud entwickeln, haben dann aber schnell erkannt, dass es viel wichtiger ist, professionelle Unterstützung anzubieten beim Umgang und der Nutzung dieser Technologie. Beim Start 2017 halfen uns das EXIST Gründer-Stipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, aber auch Gründerpreise und andere Fördermittel. Inzwischen sind wir ein Team von 35 IT-lern und wachsen weiter. Wir expandieren bereits in der Schweiz und in Groß-Britannien und planen perspektivisch eine Niederlassung zum Beispiel in London.
Wie sind Sie zur IT gekommen?
Den ersten PC bekam ich relativ spät erst als Teenager. Meine Familie war nie supertechnologisch unterwegs. Aber ich bin einfach neugierig und hatte schon immer Interesse an Sachen, die sonst irgendwie nur wenige Leute spannend fanden. Beim Ausprobieren habe ich dann schnell erkannt, dass man für IT kein Genie sein muss. Ich würde mir wünschen, dass sich mehr junge Frauen für IT begeistern und den Umgang damit – so wie ich damals - auch einfach mal ausprobieren. Dann werden sie schnell sehen, ob es ihnen Spaß macht und auch merken, dass die Nerds und ihre Welt alles andere als uncool sind.
Sind Sie selbst denn in Ihrem Traumberuf angekommen?
Ja! Das spannende bei unserer Arbeit ist für mich, dass sie sich ständig verändert. Technologien, Unternehmen, alles ist in Bewegung. Mich reizt es, dass es immer neue Aufgaben und Herausforderungen gibt, wie - ganz aktuell - die Internationalisierung und das Erobern von neuen Märkten. Und ich bin gespannt, was noch so alles auf uns zukommt.
meshcloud ist Mitglied bei HESSENMETALL und sie engagieren sich im Verband auch ehrenamtlich als Beiratsmitglied in der Denkfabrik Digitale Wirtschaft. Warum?
HESSENMETALL bietet Digital-Unternehmen wie uns ein tolles Beratungsangebot unter anderem rund um arbeitsrechtliche und arbeitswissenschaftliche Themen. Zudem kommen wir hier in Kontakt mit Unternehmen der klassischen Metall- und Elektro-Industrie, die bei ihren Produkten zum Teil über Jahrhunderte eine unglaubliche Perfektion erreicht haben und nun vor gewaltigen Herausforderungen stehen durch die rasante Digitalisierung. Hier prallen wirklich Welten aufeinander und wir wollen gerne dabei helfen, sie zu verbinden. Genau darum geht es auch in der Denkfabrik. Hier werden Ideen gesponnen, man versucht gemeinsam in die Zukunft zu schauen und tauscht sich mit Wissenschaftlern, Wettbewerbern und eben auch Vertretern der traditionellen M+E-Unternehmen aus. Und irgendwie geht es uns allen darum, von dem abgehängten Image wegzukommen und den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder in eine digitale Vorreiterrolle zu bringen.
Zur Person:
- Christina Kraus, geboren 1990 in Hamburg
- Wirtschaftsinformatik-Studium an der TU Darmstadt
- IT for Business Intelligence- Studium in Brüssel, Tours und Berlin (Masterabschluss).
- Seit 2019 Niederlassungsleiter Wiesbaden und Neuss der SCALTEL Gruppe in Waltenhofen/Oberallgäu
- Eigene Webagentur.
- Deutsches Forschungszentrum für KI in Berlin
- 2017 Gründung meshcloud mit Dr. Jörg Gottschlich und Johannes Rudolph
Interview: Maja Becker-Mohr // Fotos: Gerd Scheffler