Herr Vogel, was blockiert aus Ihrer Sicht die Digitalisierung in den Unternehmen?
Unfreiwilliges Unwissen, Angst, auch Bequemlichkeit. Oft ist es das gute alte „Es läuft doch alles!“. Sich mit neuen Prozessen oder Systemen zu beschäftigen, ist immer unbequem. Softwareanbieter, die nicht die Sprache der Kunden sprechen und sich nur schwer in deren Prozesse eindenken können sowie neue Begriffe und Definitionen schüren die Unsicherheit weiter. Und dann soll man dafür auch noch viel Geld ausgeben. Ein neuer Drucker ist dann leichter gekauft als ein DMS, für das man erst einmal alle analogen Prozesse analysieren muss. Dabei spart eine effiziente Verwaltung wirklich viel Zeit und damit auch Geld. Abgesehen davon sind manchmal auch Gesetzesänderungen bzw. Auflagen durch den Gesetzgeber zu beachten und umzusetzen, was ebenfalls viele nicht wissen. So sind wir aktuell vermehrt in Webinaren und auf Veranstaltungen unterwegs, um beispielsweise über das kommende Thema „E-Rechnung“, das ab Januar 2025 in Kraft tritt, zu informieren. Hier herrscht noch ganz viel Unsicherheit gerade bei den KMUs. Klar hat man mal davon gehört, dass es da eine Gesetzesänderung geben soll, doch was diese im Alltag wirklich bedeutet und wie man damit umgeht, ist oft noch gänzlich unbekannt. Auch hier klären wir über die rechtlichen Aspekte auf, geben Lösungsansätze an die Hand und bieten Unterstützung bei der konkreten Umsetzung. Übrigens gibt es unter Umständen sogar Fördermittel, die man für die Umsetzung seiner Digitalisierungsstrategie nutzen kann.
Und die Arbeit wird einfacher und effizienter?
Letztlich schon. Wir haben Kunden, die sich anfangs schon schwer taten und jetzt sehr happy sind, dass sie sich für ein DMS entschieden haben. Sie haben sich die Zeit genommen, damit wir unsere Software an ihre Prozesse im Betrieb anpassen konnten. Und jetzt läuft’s wirklich! Wir sehen Digitalisierung eben in erster Linie als Chance für die Unternehmen, schneller, moderner, effizienter zu werden. Und dafür sind wir auf vielen Veranstaltungen, betreiben Marketing und klären auf. Natürlich können sich die Firmen auch selbst am Markt einen Drucker oder eine Software kaufen und einrichten. Aber ist es nicht viel besser und effizienter, Profis an der Seite zu haben, die sich mit der Analyse der Prozesse, mit der passgenauen Einrichtung der Hard- oder Software und nicht zuletzt auch mit der Schulung und Einbindung der Mitarbeitenden auskennen? Die Digitalisierung ist einfach unser Herzensprojekt, das wir seit Jahren selbst im Unternehmen leben und von dem wir überzeugt sind. Und, ganz im Ernst: Wenn wir einem Unternehmen geholfen haben, schneller zu werden und den Büroalltag einfacher zu gestalten, sind wir glücklich!
Frau Vogel, wo sehen Sie aktuell die größten Herausforderungen?
Seit der Corona-Pandemie und dem Stau im Suezkanal Anfang 2021 durch die Havarie eines Containerschiffes von Evergreen sind wir bis heute immer wieder von Lieferengpässen betroffen. Wir versuchen stets, Engpässe aus eigenen Mitteln zu überbrücken, etwa mit Leihgeräten aus unserem Gebrauchtlager, aber insgesamt sind die Lieferengpässe wirklich immer wieder große Herausforderungen. Eine andere Herausforderung sind träge Entscheidungsfindungen. Viele Unternehmen möchten schon effizienter arbeiten, tun sich aber dennoch schwer mit neuen Technologien und der Umstellung von Prozessen. Hier sind noch viel Aufklärung und Unterstützung notwendig. Bei kleinen Betrieben ist es oft ein Generationenproblem, bei großen sind es Budgetrestriktionen oder einfach Managemententscheidungen, die einen Umbruch hemmen. Eine Transformation ist immer auch eine Frage des Budgets, deshalb würden wir uns bessere Fördermöglíchkeiten seitens der Politik für das Land Hessen wünschen.
Herr Vogel, warum ist die die VOGEL Unternehmensgruppe Mitglied bei Hessenmetall?
Hessenmetall ist für uns ein Verband von Menschen mit absoluter Motivation, etwas voranzubringen. Mit Neugier auf neue Geschäftsfelder, mit einer tollen Struktur und guten Möglichkeiten, uns als Unternehmen dort einzubringen. Alles ist unterlegt mit einer großen Herzlichkeit, gepaart mit fast unheimlicher Professionalität. Das alles hat uns sofort begeistert, und wir freuen uns sehr, dass wir Teil dessen sein dürfen.
Zu den Personen:
- Patrick Vogel, geboren 1981 in Darmstadt.
- Nach Zivildienst BWL-Studium an der Goethe-Universität in Frankfurt.
- 2008 Berufseinstieg bei KPMG.
- 2010 Einstieg ins Familienunternehmen VOGEL-Gruppe.
- Seit 2014 Geschäftsführer.
- Alexandra Vogel, geboren 1980 in Frankfurt.
- Lehramtsstudium, danach BWL an der Goethe-Uni.
- 2004 Investmentbanking bei der Dresdner Bank.
- 2019 Einstieg in der VOGEL-Gruppe, heute Teil der Geschäftsleitung.
Interview: Maja Becker-Mohr
Fotos: Gerd Scheffler