Digitale Win-win-Gemeinschaft von Produzierenden, IT-Anbietern und Anwendern
„Was der deutsche Mittelstand von Startups lernen kann – und umgekehrt“ erklärte der Gastgeber Dr. Andreas Widl, Vorstandsvorsitzender der SAMSON AG, in einem Impulsvortrag. „Energien müssen gelenkt werden, wenn sie sinnvoll wirken sollen - dieser kluge Satz stammt von einem SAMSON-Mitarbeiter aus dem Jahre 1920 und lässt sich bestens von Industrieventilen auf Startup-Unternehmen übertragen. Startups sind voller Agilität, Kreativität und unternehmerischer Kraft. Aber sie brauchen neben einer Idee und Startkapital ein verkaufsfähiges Produkt und vor allem einen ersten Kunden“, so Widl. Der Kunde wiederum kenne die Anforderungen im Markt besser als jeder andere, er könne damit die Energie und Dynamik des Startups „lenken“. Wenn Startup-Unternehmen mit aufgeschlossenen, neugierigen Traditionsfirmen zusammenarbeiten, ergäben sich in jeder Beziehung ganz bemerkenswerte Synergien.
„Bei HESSENMETALL ist der Wandel zu einer digitalen Win-win-Gemeinschaft von produzierenden Unternehmen, IT-Anbietern und Anwendern in vollem Gange. Jungunternehmen, die branchen- und technologieübergreifende Lösungen einbringen, bereichern zunehmend das Ökosystem unseres Verbandes. Partnerschaften werden zum festen Bestandteil der strategischen Agenda von klassischen Unternehmen der hessischen Metall- und Elektro-Industrie, um Innovationen und neue Geschäftsmodelle zu fördern“, sagte Sebastian Kühnel, Geschäftsführer für Bildung, Digitales und Technologietransfer bei HESSENMETALL.
Das Technologieunternehmen Continental mit mehreren hessischen Standorten arbeitet weltweit mit Startups zusammen. Dabei gilt es, strategisch und operativ relevante Technologien, Geschäftsmodelle und die entsprechenden Startups zu identifizieren, um deren Lösungen auf die Roadmap der Geschäftsbereiche zu bringen. Daraus entstehen dann entsprechende Partnerschaften oder auch Minderheitsbeteiligungen. „Wir sehen dies als eine Art Innovations-Beschleuniger, um neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen“, erläuterte Dr. Chen Zhang von „co-pace“, der Startup-Organisation von Continental.
Was passiert, wenn Mittelstand auf Startup trifft? Das Gießener Unternehmen Johannes Hübner Fabrik elektrischer Maschinen betreibt seit 2017 das Innovationsprojekt „ab Idee ok!“. Im Zuge dessen hat das mittelständische Unternehmen seit Projektstart im Sommer 2017 sieben Startup-Beteiligungen abgeschlossen. Neben Kapital bietet Hübner den jungen Unternehmen Raum zum Arbeiten im eigenen Coworking Space auf dem Gießener Firmengelände. „Durch die räumliche Nähe wird ein beidseitiger Austausch von Netzwerk, Know-how und Firmenkultur gewährleistet“, berichtete Projektleiter Florian Kern.
Vom Musikinstrumentenhersteller zum Innovationspartner für Maschinenschutz – das traditionsreiche Industrieunternehmen Arno Arnold aus Obertshausen investiert seit über 158 Jahren seine Energie darin Produkte zu optimieren, Prozesse neu zu denken und in Ideen zu investieren. „Genau hier möchten wir mit einem Startup ansetzen. Für uns ist die einzige Konstante die Veränderung“, erzählte Geschäftsführerin Isabelle Himbert, die das Familienunternehmen in sechster Generation führt. Mit ihrer Berufserfahrung bei Google und Rocket Internet vereint die Betriebswirtin ihre Erfahrung im Maschinenbau und der Startup-Welt.
Die Schunk Group mit Sitz in Heuchelheim an der Lahn ist ein technologischer Mischkonzern - von der Werkstofftechnik bis zum Anlagenbau. Die über hundertjährige Firmengeschichte stellt den Konzern auch kulturell vor Herausforderungen in der Zusammenarbeit mit Startups. Wenn es aber darum geht neue Technologien ins Unter nehmen zu holen und Impulse zu setzen, ist der nächste Schritt die Investition in junge Startups, wie Alexander Gatej, Global Innovation Manager der Schunk Group, berichtete.
Der Polymerchemiker Dr. Peter Dziezok leitet bei Procter & Gamble in Schwalbach den Bereich „Open Innovation“ in Deutschland und arbeitet mit externen Partnern, darunter Erfindern und Patentinhabern, an den Innovationen für die Herausforderungen der Zukunft. Auch er gab bei dem Netzwerkevent einen Einblick, wie der Konsumgüterhersteller seine Aktivitäten rund um Startups ausweitet.