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BEITRAG Mai 2026 (von Susanne Kienhorn)

Europa investiert verstärkt in Sicherheit und Verteidigung – und eröffnet damit neue Fördermöglichkeiten für Unternehmen in Hessen

Die sicherheitspolitische Zeitenwende hat die europäische und nationale Förderlandschaft in Bewegung versetzt. Ob Defense, Dual-Use oder zivile Sicherheit: In keinem anderen Themenfeld sind in den letzten Monaten so viele Mittel mobilisiert worden, wie in diesem.
Beim Online-Förderimpuls von HESSENMETALL am 20. Mai 2026 gab es einen systematischen Überblick zu dem beachtlichen Angebot – von der Bundes- und Landesebene bis hin zur EU-Förderung. In diesem Newsletter fassen wir die wichtigsten Programme und Initiativen für Sie zusammen. Zusätzlich stellen wir HESSENMETALL-Mitgliedsunternehmen die Präsentation der Veranstaltung zum Download bereit, über die Sie weiterführende und detaillierte Informationen erhalten.

Zunächst eine aktuelle Information aus Hessen

DIGI-Zuschuss

Die Bewerbung ist ab sofort möglich. Auslosungen finden jeweils montags statt.

Fördermittel Hessen - Landesebene

Hessen baut seine Defense- und Security-Tech-Förderung gezielt aus. Besonders interessant für KMU und Startups: der Dual-Use-Förderaufruf im Rahmen von Distr@l sowie das CESAH-Inkubationsprogramm direkt am ESA-Standort Darmstadt.

Distr@l – Dual-Use-Förderaufruf Hessen – wurde verlängert

Distr@l fördert digitale Innovationsprojekte mit Dual-Use-Bezug – von KI und Robotik über Sensorik bis zu Kommunikationssystemen. Ein Dual-Use-Nachweis (empfohlen: 2 Letters of Intent) sowie die Zusammenarbeit mit einer Hochschule werden ausdrücklich empfohlen.

  • Förderquote bis zu 50 %, maximal 500.000 EUR pro Projekt
  • Zielgruppe: KMU und Startups

CESAH / ESA BIC Hessen

Das ESA Business Incubation Center Hessen (CESAH) in Darmstadt unterstützt technologieorientierte Startups mit Fokus auf Raumfahrt und Dual-Use – 60.000 EUR Förderung ohne Rückzahlung und direkter Zugang zum europaweiten ESA-BIC-Netzwerk.

  • Themen: Drohnen, PNT, ISR, kritische Infrastrukturen (KRITIS)
  • Bis zu 10 Startups pro Jahrgang; inkl. Mentoring & Investorenkontakte

HA Hessen Agentur – F&E-Vorhaben & LOEWE

Für größere Unternehmen (bis 499 bzw. 1.000 Mitarbeitende) bieten die Programme der Hessen Agentur, F&E Vorhaben in Unternehmen und das LOEWE-Forschungsprogramm technologie- und branchenoffene Förderung.

F&E Vorhaben in Unternehmen

Das hessische Förderprogramm für FuE-Vorhaben unterstützt Unternehmen bei der Entwicklung innovativer Produkte, Verfahren und Technologien zur Stärkung ihrer Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit.

LOEWE-Forschungsprogramm

Das LOEWE-Programm Hessen fördert exzellente Forschungs- und Innovationsvorhaben von Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen zur Stärkung des Wissenschafts- und Technologiestandorts Hessen.

Fördermittel Bund – Defense & Dual-Use

Auf Bundesebene hat die Zeitenwende eine neue Dynamik in der Förderung von sicherheitsnahen Technologien ausgelöst. Neben dem 100-Mrd.-Sondervermögen Bundeswehr werden weitere Fördermöglichkeiten erschlossen und es entstehen Förderzugänge für Unternehmen jeder Größe.

ZIM & Forschungszulage

Dual-Use-Innovationen finden zunehmend auch in branchen- und technologieoffenen Förderformaten passende Finanzierungsmöglichkeiten.

ZIM – Zentrales Innovationsprogramm Mittelstand

Das ZIM bleibt das wichtigste deutsche Förderprogramm für technologische F&E-Projekte von KMU und ist branchen- und technologieoffen und daher für Dual-Use-Vorhaben attraktiv.

Forschungszulage

Die steuerliche Forschungszulage erstattet 25 - 35 % der F&E-Lohnkosten – ohne thematischen Fokus (branchen- und technologieoffen), also auch für Dual-Use nutzbar.

Cyberagentur & InnoZBw

Mit der Cyberagentur und InnoZBw stehen Unternehmen aktuell zwei unterschiedliche, aber komplementäre Innovationsformate im Sicherheits- und Verteidigungsbereich offen.

Cyberagentur

Die Cyberagentur fördert disruptive Schlüsseltechnologien mit hohem Innovationspotenzial – insbesondere in frühen Entwicklungsphasen und mit Fokus auf die Sicherheits- und
Verteidigungsfähigkeit Deutschlands.

InnoZBw

InnoZBw unterstützt Unternehmen bei der schnellen Erprobung innovativer Technologien für die Bundeswehr – durch Pilotierungen und Praxistests unter realen Einsatzbedingungen. Besonders KMU und Startups erhalten direkten Zugang zur Bundeswehr als potenziellem Anwender.

dtec.bw & Wehrtechnische Forschung des BMVg

Mit dtec.bw und der wehrtechnischen Forschung des BMVg werden gezielt Forschungs- und Entwicklungsprojekte an der Schnittstelle von Wissenschaft, Sicherheit und Verteidigung gefördert – insbesondere in Zukunfts- und Schlüsseltechnologien mit hohem Innovationspotenzial.

dtec.bw

dtec.bw ist das Forschungs- und Innovationsprogramm der Universitäten der Bundeswehr in München und Hamburg. Gefördert werden insbesondere Zukunftstechnologien an der Schnittstelle von Wissenschaft, Sicherheit und Digitalisierung. Für Unternehmen bieten sich attraktive Kooperationsmöglichkeiten mit den Hochschulen in gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekten.

Wehrtechnische Forschung des BMVg

Die wehrtechnische Forschung des BMVg bildet die Grundlage für die Ausrüstung der Bundeswehr und zielt darauf ab, Fähigkeitslücken durch moderne Technologie zu schließen. Sie umfasst Forschung, Entwicklung und Erprobung (F&E), oft unter Einbeziehung von Künstlicher Intelligenz, Quantentechnologien und unbemannten Systemen.

Space Innovation Hub & Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw)

Mit dem Space Innovation Hub und dem Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw) fördert die Bundeswehr die Zusammenarbeit mit innovativen Technologieunternehmen und Startups.

Space Innovation Hub

Der Space Innovation Hub vernetzt New-Space-Startups, Industrie und Investoren und unterstützt den Zugang zu Kapital und Venture-Capital-Finanzierungen.

Cyber Innovation Hub der Bundeswehr (CIHBw)

Der Cyber Innovation Hub der Bundeswehr vernetzt sich mit Startups, um innovative Technologien schnell in sicherheits- und verteidigungsrelevante Anwendungen zu überführen.

EU-Förderprogramme – Defense & Zivile Sicherheit

Auf EU-Ebene ist in den letzten Jahren ein komplexes Fördersystem entstanden, das von der reinen Grundlagenforschung bis hin zu konkreten Industrieinvestitionen reicht. Ein wichtiger Hinweis: Alle genannten Programme stehen auch KMU offen.

European Defence Fund (EDF) – ca. 1 Mrd. EUR im aktuellen Call

Der EDF ist das größte europäische F&E-Programm für Verteidigungstechnologie. Der aktuelle Call 2026 umfasst rund 30 thematische Schwerpunkte – von KI-gestützter Lagebildgebung über Cyber bis zu Hyperschall-Abwehr.

  • Forschungsfenster: bis zu 100 % direkte Förderung der förderfähigen Kosten + 25 %
    Pauschale
  • Entwicklungsfenster: 20–80 % Kofinanzierung, Boni für KMU-Beteiligung
  • Basisvoraussetzung: mind. 3 Einrichtungen aus 3 EU-Ländern (+ Norwegen)
  • Frist Arbeitsprogramm 2026: 29. September 2026
  • Wichtig: BMVg-Unterstützung im Entwicklungsfenster bis 24. Juni 2026 einholen!

Erstberatung: Deutsche Kontaktstelle EDF (NKS EVF)

European Defence Innovation Scheme (EUDIS) – Nächste Frist: 30. Mai 2026

EUDIS ist das Sprungbrett für Dual-Use-Startups und -Scaleups. Als eines der wenigen Programme ermöglicht es eine Antragstellung als Einzelunternehmen – kein Konsortium erforderlich.

  • 120.000 EUR Seed Funding bei Erreichung vereinbarter Meilensteine
  • Zusätzliche Förderung und Investoren-Matchmaking für die besten Startups
  • Unterstützung: Mentoring, Boot-Camps, Testumgebungen, IP-Beratung
  • Nächste Frist: 30. Mai 2026 (danach voraussichtlich Oktober 2026)

Antragstellung: EUDIS Business Accelerator

European Defence Industry Programme (EDIP) – 700 Mio. EUR

EDIP fördert marktnahe Industrieinvestitionen: Kapazitätserweiterungen, Industrialisierung von Prototypen und die Stärkung europäischer Lieferketten (Halbleiter, Elektronik, Treibladungen). Derzeit sind 4 Calls geöffnet (Fristen 06/2026 – 02/2027).

  • Basis-Förderquote: 35–50 % der förderfähigen Investitionskosten
  • KMU-Bonus: erhöhte Förderquoten für Konsortien mit starker KMU-Beteiligung

Mehr Informationen: EDIP – Forging Europe's Defense

Horizon Europe / Cluster 3 – Zivile Sicherheit für die Gesellschaft

Horizon Europe Cluster 3 fördert strikt zivile Sicherheitsforschung mit rund 1,6 Mrd. EUR bis 2027. Sechs strategische Themenbereiche: Verbrechensbekämpfung, Grenzmanagement, Infrastruktur-Resilienz, Cybersicherheit, Katastrophenschutz und Sicherheits-Innovation.

  • Förderquote bis zu 100 % für Forschungsprojekte, 70 % für Innovationsprojekte
  • 3-Partner-Regel: mind. 3 unabhängige Partner aus 3 EU-Ländern

Nationale Kontaktstelle: NKS Zivile Sicherheit (BMFTR)

Tipp: Der Schlüssel in der Antragstellung – Dual-Use richtig
positionieren

Ein zentraler Hinweis der Veranstaltung: Die meisten erfolgreichen deutschen Defense-Projekte laufen nicht unter dem Label 'Militärförderung', sondern unter strategisch platzierten Begriffen, die sowohl zivile als auch militärische Anwendungen adressieren. Unternehmen, die ihre Technologien in diesem Vokabular beschreiben können, haben deutlich bessere Chancen in der Förderbeantragung – unabhängig davon, ob das Endprodukt primär zivil oder militärisch ausgerichtet ist.

Für einen Überblick stelle ich Ihnen wie gewohnt eine aktualisierte Excel-Übersicht mit Förderprogrammen in den Bereichen Digitalisierung, Forschung und Entwicklung, Energieeffizienz und Startups zur Verfügung. Änderungen sind rot markiert, alle Programme sind mit den jeweiligen Websites verlinkt. Zusätzlich gibt es eine separate Übersicht mit spezifischen Förderprogrammen für den Bereich Defense und Dual-Use.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihren Fördervorhaben!

Ihre
Susanne Kienhorn

Susanne Kienhorn
Kienhorn Beratung & Coaching

Tel. 0661 – 968 931 30
Mobil 0171 – 123 24 59
E-Mail:
www.kienhorn.de

Porträt von Katja Farfan
Katja Farfan

Leiterin Digitales, Technologietransfer und Startups

Melanie Schöyen

Referentin Digitales, Technologietransfer und Startups