Wachstumskapital für Technologieunternehmen nimmt Fahrt auf
Neue Technologien erfolgreich in den Markt zu bringen, erfordert geeignete Finanzierung, starke Partner und verlässliche Rahmenbedingungen. Gerade bei kapitalintensiven Technologien ist die Wachstums- und Skalierungsphase entscheidend. Mit der im Juli 2026 beschlossenen Startup- und Scale-up-Strategie setzt die Bundesregierung neue Impulse für junge und etablierte Technologieunternehmen. Besonders relevant sind zusätzliche Finanzierungsangebote für KI, Robotik, DeepTech sowie Sicherheits- und Verteidigungs-technologien.- Nachfolgend stellen wir Ihnen ausgewählte Förderprogramme, Finanzierungsinstrumente und Unterstützungsangebote vor.
Aktuelles aus Hessen
PIUS-Invest – letzte Förderrunde gestartet
Passend zu unserem Schwerpunktthema Kreislaufwirtschaft aus dem Juli-Newsletter ist PIUS-Invest in die letzte Förderrunde gestartet.
Im Mittelpunkt stehen:
Investitionen zur Verbesserung der Energie- und Ressourceneffizienz, zur Etablierung geschlossener Stoffkreisläufe entlang der gesamten Prozesskette sowie zum Einsatz innovativer und ressourcenschonender Fertigungstechnologien.
Gefördert werden:
kleine und mittlere Unternehmen (KMU) der gewerblichen Wirtschaft mit Betriebsstätte in Hessen, die Prozess- oder Organisationsinnovationen umsetzen und dabei eine messbare Verbesserung der CO₂-Bilanz erreichen. Die Förderung erfolgt als nicht rückzahlbarer Zuschuss von bis zu 30 % der förderfähigen Ausgaben, maximal 500.000 Euro je Vorhaben. PIUS-Invest kann zudem mit dem HessenFonds Innovationskredit kombiniert und so durch eine Kreditfinanzierung ergänzt werden.
Frist:
Anträge können bis zum 30. Dezember 2026 bei der WIBank eingereicht werden.
F&E-Förderung Hessen – zusätzliche Mittel für Technologievorhaben
Aufgrund der hohen Nachfrage wurde die hessische Zuschussförderung für Forschungs- und Entwicklungsprojekte in Unternehmen um einen einstelligen Millionenbetrag aufgestockt.
Im Mittelpunkt stehen:
einzelbetriebliche Forschungs- und Entwicklungsvorhaben der industriellen Forschung und experimentellen Entwicklung.
Gefördert werden:
kleine und mittlere Unternehmen sowie Small Mid-Caps mit Sitz in Hessen und weniger als 500 Beschäftigten.
Frist:
Die aktuelle Förderperiode endet bereits 2027. Unternehmen mit konkreten Projektideen sollten daher frühzeitig eine Antragstellung prüfen. Das Förderteam der HA Hessen Agentur bietet hierzu eine kostenfreie Beratung an.
GROW! – Das Supportsystem für innovative Startups in Hessen
Mit GROW! bietet der Science Park Kassel ein neues Unterstützungsangebot für innovative Startups in der Start- und Wachstumsphase. Dabei handelt es sich nicht um ein klassisches Zuschussprogramm, sondern um ein begleitendes Angebot für junge Unternehmen.
Im Mittelpunkt stehen:
Coaching, Mentoring, Workshops, Peer-Learning und Vernetzung mit dem Ziel, Startups bei ihrer weiteren Unternehmensentwicklung, ihrem Wachstum und der Skalierung ihres Geschäftsmodells zu unterstützen.
Unterstützt werden:
innovative Startups in der Start- und Wachstumsphase. GROW! ergänzt damit die bestehenden Förder- und Unterstützungsangebote für junge Unternehmen in Hessen.
Aktuelles zur Startup- und Scale-up-Strategie des Bundes
Bund und KfW stellen in den kommenden zehn Jahren weitere 1,5 Mrd. Euro für Startups, Scale-ups und den Mittelstand bereit. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Ausbau des Zukunftsfonds und der Wachstumsfinanzierung technologieorientierter Unternehmen. Scale-up Direct ermöglicht Direktinvestments von 10 bis 50 Mio. Euro; insgesamt stehen bis 2030 rund 1 Mrd. Euro zur Verfügung. Tech-Fondsinvest erhält zusätzlich rund 770 Mio. Euro. Mit WIN 400 stehen bis 2029 weitere 400 Mio. Euro für innovative VC-Fonds bereit, unter anderem für DeepTech sowie Sicherheits- und Verteidigungstechnologien. Wichtig: Nicht alle Instrumente sind direkt zugänglich. Insbesondere Tech-Fondsinvest und WIN 400 stellen Kapital über VC-Fonds bereit. Hier erhalten Sie eine Übersicht zur Einordnung der Förderinstrumente.
WIN 400 – Wachstumskapital für Zukunftstechnologien
Mit WIN 400 ist ein neuer Baustein des Deutschlandfonds gestartet. KfW Capital stellt bis 2029 bis zu 400 Mio. Euro für innovative Fonds und Finanzierungskonzepte bereit.
Im Mittelpunkt stehen:
unter anderem DeepTech sowie Sicherheits- und Verteidigungstechnologien. Daneben werden Fonds für Secondary-Transaktionen sowie für Unternehmensnachfolge und Transformation im Mittelstand adressiert.
Finanziert werden:
VC-Fonds, die das Kapital anschließend in geeignete Unternehmen investieren. Für Startups, Scale-ups und Mittelständler ist WIN 400 daher mittelbar über die beteiligten Fonds zugänglich; eine direkte Antragstellung bei KfW Capital ist nicht vorgesehen.
Aktueller Stand:
WIN 400 ist im Juli 2026 gestartet.
Weitere aktuelle Bundesförderung
SPRIN-D Challenge „Next Frontier Robotics“
Mit der Challenge „Next Frontier Robotics“ sucht SPRIN-D technologische Durchbrüche für eine neue Generation leistungsfähiger Mehrzweckroboter. Mögliche Einsatzfelder reichen von der industriellen Produktion und Logistik bis zum Bauwesen. Im Mittelpunkt stehen sowohl vollständige Robotersysteme als auch innovative Hardwarekomponenten, beispielsweise Greifer, Sensoren oder Gelenke. Gesucht werden technologische Ansätze, die einen deutlichen Entwicklungssprung gegenüber bestehenden Lösungen ermöglichen.
Gefördert werden:
innovative Teams und Unternehmen im Rahmen einer insgesamt 36-monatigen Challenge. Über individuelle Festpreisverträge können bis zu 7,2 Mio. Euro je Team zur Verfügung gestellt werden.
Frist:
Bewerbungen sind bis zum 22. Oktober 2026, 18:00 Uhr möglich.
Industrielle KI für deutsche Schlüsselbranchen
Mit der neuen Fördermaßnahme „Industrielle, domänenspezifische KI“ unterstützt das BMFTR große Transfer-Leitprojekte, die spezialisierte KI-Systeme entwickeln, in industrielle Wertschöpfungsketten integrieren und unter realen Bedingungen erproben. Ziel ist es, innovative KI-Technologien in die industrielle Anwendung und Skalierung zu überführen.
Im Mittelpunkt stehen:
die Entwicklung und Erprobung domänenspezifischer KI-Lösungen für deutsche Schlüsselbranchen, darunter insbesondere die industrielle Fertigung und der Maschinenbau.
Gefördert werden:
industrienahe Verbundprojekte mit einer Gesamtzuwendung von in der Regel 10 bis 20 Mio. Euro je Konsortium. Die erste Förderphase läuft bis zu drei Jahre; nach einer Meilenstein-Evaluierung kann sich eine zweite Phase von bis zu zwei Jahren für Skalierung und Transfer anschließen.
Frist:
Projektskizzen können bis zum 1. November 2026 eingereicht werden.
ZIM – Antragsstopp besteht weiterhin
Der seit dem 7. Juli 2026 geltende Antragsstopp im Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) besteht weiterhin. Für laufende Projekte bietet ZIM inzwischen wieder kostenfreie Webinare an, unter anderem zur Projektkostenabrechnung und zur AGVO. Weitere Webinare zur Antragstellung sollen folgen, sobald diese wieder möglich ist.
Aktuelles zu Defense & Dual Use
Cybersicherheit, sichere Kommunikation und technologische Souveränität gewinnen für Unternehmen weiter an Bedeutung. Drei aktuelle Förderrichtlinien setzen hier unterschiedliche Schwerpunkte.
Souveräne Innovationsökosysteme für Cybersicherheit und Kommunikationstechnologien
Mit der neuen Förderung sollen Innovationen in den Bereichen Cybersicherheit und Kommunikationstechnologien weiterentwickelt und in Richtung einer späteren Marktanwendung geführt werden.
Im Mittelpunkt stehen:
technologische Innovationen für Cybersicherheit und Kommunikation, bei denen bereits vorhandene Forschungsergebnisse gemeinsam mit wissenschaftlichen Partnern zu Demonstratoren und marktnahen Anwendungen weiterentwickelt werden.
Gefördert werden:
ausschließlich Verbundprojekte mit mindestens einem Unternehmen – vom Startup bis zum Großunternehmen – und mindestens einer Hochschule oder Forschungseinrichtung. Die Koordination des Verbundes soll bei einem Unternehmen liegen.
Frist:
Projektskizzen können bis zum 15. Oktober 2026 eingereicht werden.
Sicher in die digitale Zukunft
Mit der Förderrichtlinie „Sicher in die digitale Zukunft“ unterstützt das BMFTR Forschungsprojekte, die technische Cybersicherheit mit einer hohen Benutzerfreundlichkeit verbinden.
Im Mittelpunkt stehen:
sichere und zugleich anwenderfreundliche IT-Systeme. Dabei soll technische Cybersicherheitsforschung mit Erkenntnissen aus Disziplinen wie Psychologie sowie Sozial- und Kommunikationswissenschaften verknüpft werden.
Gefördert werden:
Forschungs- und Entwicklungsvorhaben, an denen sich Unternehmen gemeinsam mit wissenschaftlichen Forschungspartnern beteiligen können.
Frist:
Projektskizzen können bis zum 15. Oktober 2026 eingereicht werden.
Galileo PRS – sichere Satellitennavigation für Dual Use
Mit der Galileo-PRS-Förderrichtlinie unterstützt der Bund Forschungs- und Entwicklungsvorhaben rund um den besonders geschützten Public Regulated Service (PRS) des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo. Ausdrücklich adressiert wird dabei die zukünftige zivile und militärische Nutzung.
Im Mittelpunkt stehen:
Forschungs- und Entwicklungsvorhaben. Ziel ist es, Technologien und Anwendungen für die zukünftige zivile und militärische Nutzung (Dual Use) weiterzuentwickeln, beispielsweise zur Entwicklung von PRS-Empfängern und -Komponenten, Antennen, Schutztechnologien gegen Störungen und Manipulationen sowie PRS-basierten Anwendungen und Demonstratoren.
Gefördert werden:
Einzel- und Verbundprojekte, Unternehmen erhalten in der Regel einen Zuschuss von bis zu 50 % der förderfähigen Projektkosten; für KMU können höhere Förderquoten möglich sein.
Für Unternehmen aus den Bereichen Elektronik, Sensorik, Kommunikation und Navigation bietet das Programm interessante Anknüpfungspunkte für sicherheitskritische und Dual-Use-Anwendungen.
Frist:
Projektskizzen können bis zum 30. Juni 2027 eingereicht werden.
EUDIS Business Accelerator – neuer Call im Oktober
Der EUDIS Business Accelerator richtet sich an Startups und Scale-ups, die innovative Technologien für den europäischen Verteidigungssektor entwickeln und ihr Geschäftsmodell weiter skalieren möchten.
Im Mittelpunkt stehen:
innovative Defense- und Dual-Use-Technologien sowie die Weiterentwicklung marktfähiger Lösungen für den europäischen Verteidigungsmarkt. Neben der Unternehmensentwicklung spielen der Zugang zum europäischen Defense-Ökosystem, Mentoring und die Vernetzung mit relevanten Partnern und Investoren eine wichtige Rolle.
Gefördert werden:
ausgewählte Startups und Scaleu-ps mit innovativen und skalierbaren Lösungen für den europäischen Defense-Bereich. Der Accelerator verbindet die Weiterentwicklung des Geschäftsmodells mit Coaching, Mentoring und Vernetzungsmöglichkeiten.
Nächster Förderaufruf:
Der nächste Call des EUDIS Business Accelerator öffnet Anfang Oktober 2026.
Veranstaltungstipp
EVF Dialog 2026 – Vernetzung rund um den Europäischen Verteidigungsfonds
Am 5. November 2026 lädt die Nationale Kontaktstelle für den Europäischen Verteidigungsfonds zum EVF Dialog nach Köln ein. Die Veranstaltung bringt Unternehmen, Forschung und BMVg zusammen und bietet Informationen, Erfahrungsaustausch und Vernetzungsmöglichkeiten rund um den EVF. KMU und Startups können sich im Rahmen einer Pitch-Session präsentieren, Forschungseinrichtungen ihre Projektideen vorstellen. Auf dem Programm stehen zudem Themen wie Dual Use und die Weiterentwicklung von Projekten nach einer EVF-Förderung.
5. November 2026, 9:30–17:30 Uhr, Köln
Weitere Informationen: Programm | Anmeldung
Ausblick
Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass Wachstum und Skalierung, Künstliche Intelligenz, Robotik sowie technologische Souveränität stärker in den Mittelpunkt der Förderpolitik rücken. Gleichzeitig gewinnen Kooperationen zwischen Startups, etablierten Unternehmen und Forschungseinrichtungen weiter an Bedeutung.
Für einen Überblick stelle ich Ihnen wie gewohnt eine aktualisierte Excel-Übersicht mit Förderprogrammen in den Bereichen Digitalisierung, Forschung und Entwicklung, Energieeffizienz und Startups zur Verfügung. Änderungen sind rot markiert, alle Programme sind mit den jeweiligen Websites verlinkt. Zusätzlich gibt es eine separate Übersicht mit spezifischen Förderprogrammen für den Bereich Defense und Dual Use. Ich halte Sie selbstverständlich auch künftig über neue Förderprogramme und aktuelle Entwicklungen auf Bundes-, Landes- und europäischer Ebene auf dem Laufenden.