Zweite Tarifverhandlung M+E MITTE

Wangemann: Die Arbeitgeber haben ein konstruktives und der Situation angemessenes Angebot vorgelegt, um den Standort zu stärken

Hanau und Frankfurt am Main. Die vier Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland haben der IG Metall heute in der zweiten Tarifverhandlung das deutschlandweit gleichlautende Angebot mit einer Laufzeit bis mindestens zum 31. Dezember 2028 unterbreitet.

Das Angebot sieht eine Einmalzahlung in Höhe von 1 Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im Juli 2027 vor. Im Juli 2028 sollen die Entgelte um 1,3 Prozent erhöht werden. Die Einmalzahlung soll nach den Regeln der Automatischen Differenzierung an die wirtschaftliche Lage im Unternehmen angepasst werden können. Zugleich fordern die Verbände, die bewährte Automatische Differenzierung dauerhaft fortzuschreiben und auszuweiten.
Das Angebot erfolgt in der Erwartung der Einführung eines neuen betrieblichen Instruments zur Sicherung von Investitionen, Standorten und Beschäftigung. Es ist weiterhin verknüpft mit dem Wunsch, Gespräche über die Senkung der hohen Krankenstände und zur beschleunigten Einführung von KI zu führen.

Ralph Wangemann, Verhandlungsführer von M+E MITTE: „Wir Arbeitgeber haben aufgrund der extrem schwierigen Lage der M+E-Industrie zu einem frühen Verhandlungszeitpunkt ein Angebot vorgelegt. Aus dem noch laufenden Tarifvertrag haben die Beschäftigten seit dem 1. April 2026 schon eine Entgelterhöhung von 3,1 Prozent erhalten. Vor diesem Hintergrund ist das Angebot angesichts der sich stetig verschlechternden wirtschaftlichen Lage und mit zunehmend sichtbarer werdenden Folgen für die Beschäftigung konstruktiv und angemessen. Auf dieser Basis wollen wir mit der Gewerkschaft rasch zu einer Einigung kommen, um Planungssicherheit für unsere Unternehmen zu erlangen.“

Wangemann erläuterte weiter: „Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Lage prekär ist und die Aussichten nicht besser werden. Nur 24 Prozent der Unternehmen gehen davon aus, dass sich die Lage in den kommenden sechs Monaten bessert, 76 Prozent hingegen erwarten keine Veränderung oder sogar eine weitere Verschlechterung. Die Produktion in der M+E-Industrie liegt weiter 15 Prozent unterhalb des Vorkrisenniveaus von 2018. Wir befinden uns im dritten Rezessionsjahr in Folge und damit steckt unsere Industrie in der längsten Krise seit Gründung der Bundesrepublik. Der Standort leidet unter einer ganzen Reihe struktureller Schwächen und anders als die IG Metall behauptet, sind hohe Arbeitskosten ein gewichtiger Teil des Problems. Die IG Metall betreibt Augenwischerei, wenn sie behauptet, dass die Arbeitskosten in der Automobilindustrie durchschnittlich nur knapp 11% betragen. Dabei berücksichtigt sie zum Einen nur die Automotive-Industrie, obwohl wir hier für die gesamte M+E-Industrie verhandeln. Und sie ermittelt diese Quote anhand des Umsatzes, aus dem die Unternehmen jedoch erst alle bezogenen Vorleistungen bezahlen müssen. Und auch diese verteuern sich durch Entgeltsteigerungen entlang der Wertschöpfungskette. Tatsächlich müssen die Unternehmen damit im Durchschnitt 80% ihrer Wertschöpfung für Personalkosten aufwenden. Kostensteigerungen durch Tariferhöhungen wirken sich damit deutlich gravierender auf die Unternehmen aus als die IG Metall glauben machen will und erhöhen den Druck auf weiteren Personalabbau erheblich.“

„Allein in den letzten zehn Jahren sind die Lohnstückkosten am M+E-Standort Deutschland um über 25 Prozent gestiegen. Viele Unternehmen haben angesichts des starken Wettbewerbsdrucks und der Voraussetzungen am Heimatstandort gar keine andere Wahl als ganz oder teilweise im Ausland zu produzieren und zu investieren. Mit einem Kompromiss, der Unternehmen und Mitarbeitern hilft und unseren Standort stärkt, können wir als Tarifparteien dazu beitragen, den Teufelskreis aus zu hohen Standortkosten, sinkenden Investitionen und weiter abnehmender Wettbewerbsfähigkeit zu durchbrechen,“ so Wangemann abschließend.

Die Verhandlungsgemeinschaft M+E MITTE
M+E MITTE spricht und handelt in Tarifverhandlungen für die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie Hessens (HESSENMETALL), der Pfalz (PFALZMETALL), Rheinland-Rheinhessens (vem.die arbeitgeber) und des Saarlandes (ME Saar). In den drei Bundesländern umfasst die M+E-Industrie rund 1.400 Unternehmen mit rund 360.000 Beschäftigten. M+E MITTE verhandelt mit der IG Metall Bezirksleitung Mitte.

Ralph Wangemann
Ralph Wangemann ist Geschäftsführer Human Resources und Arbeitsdirektor der Opel Automobile GmbH, Personalchef von Stellantis in Deutschland und Verhandlungsführer der Metall- und Elektro- Unternehmen im Tarifbezirk M+E MITTE (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland).

Porträt von Patrick Schulze
Patrick Schulze

Geschäftsführer Kommunikation