HESSENMETALL kritisiert pauschale Vorwürfe der IG Metall zum Aktionstag Automobil am 21. September. Wangemann fordert Standortreformen und gemeinsame Verantwortung
Frankfurt am Main. Der Arbeitgeberverband HESSENMETALL weist die pauschalen Schuldzuweisungen der IG Metall an die Unternehmensleitungen der Automobilindustrie zurück. Vor dem bundesweiten Aktionstag der Gewerkschaft am 21. September fordert der Arbeitgeberverband eine sachliche Auseinandersetzung über die Ursachen der Krise und die Zukunft der Arbeitsplätze. „Die Sorgen der Beschäftigten um ihre Zukunft nehmen wir sehr ernst. Gleichzeitig müssen wir die Herausforderungen, vor denen unsere Industrie steht, realistisch betrachten. Dabei helfen pauschale Schuldzuweisungen nicht weiter. Entscheidend ist, gemeinsam die Voraussetzungen zu schaffen, damit Deutschland als Standort auch zukünftig wettbewerbsfähig und erfolgreich bleiben kann. Nur wenn wir an einem Strang ziehen, können wir langfristig Beschäftigung und industrielle Wertschöpfung sichern“, sagt Ralph Wangemann, HESSENMETALL-Verhandlungsführer.
Nach einer Auswertung von Gesamtmetall auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamtes waren im April 2026 in der deutschen Metall- und Elektroindustrie fast 320.000 Menschen weniger beschäftigt als 2019. Die Industrie steht unter dem Druck hoher Standortkosten, schwacher Nachfrage und eines tiefgreifenden technologischen Wandels. Geopolitische Konflikte und Handelsbarrieren verschärfen die Lage. Hinzu kommt die Konkurrenz aus China, die technologisch aufgeholt hat. Für die dortige Wertschöpfungskette batterieelektrischer Fahrzeuge hat die EU-Kommission zudem eine unfaire staatliche Subventionierung festgestellt.
„Unternehmen haben die Aufgabe, strategische Weichen zu stellen, attraktive Produkte zu entwickeln, die Kunden überzeugen und ihre Prozesse kontinuierlich effizienter zu gestalten. Daran misst sich ihr Erfolg und ihre Wettbewerbsfähigkeit. Innovation, wirtschaftliche Stärke und Investitionen in die Zukunft sind dabei untrennbar miteinander verbunden. Denn nur Unternehmen, die nachhaltig erfolgreich wirtschaften, können die finanziellen Mittel für die Technologien, Produkte und Standorte von morgen bereitstellen“, sagte Wangemann.
Die Automobilindustrie gehört weiterhin zu den wichtigsten Innovationsträgern Deutschlands. Nach Angaben des Deutschen Patent- und Markenamts kamen 2025 die zehn Unternehmen mit den meisten Patentanmeldungen aus dem Kreis der Automobilhersteller und Zulieferer. Gemeinsam standen sie für rund 30 Prozent sämtlicher Anmeldungen. Auch die von HESSENMETALL und HessenChemie beauftragte Industriestudie zeigt, wie eng Hessens Forschung mit der Industrie verflochten ist: Industrielle Drittmittel tragen ganz wesentlich zur Leistungsfähigkeit der Forschungslandschaft bei.
„Nicht jedes Unternehmen hat dieselben Wettbewerbsprobleme. Aber selbst erfolgreiche Unternehmen leiden unter den Nachteilen des Standorts Deutschland. Hohe Steuern, steigende Sozialabgaben, im internationalen Vergleich zu hohe Energiekosten und Bürokratie lassen sich nicht durch ein besseres Produkt beseitigen. Hier muss die Bundespolitik endlich wirksam entlasten und Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum umsetzen“, forderte Wangemann. Zugleich seien die Unternehmen und Tarifpartner gefordert, Produktivität, Arbeitskosten und betriebliche Flexibilität zusammenzubringen, um die globale Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen.
Das im April vereinbarte Industriepaket des Landes Hessen greift zentrale Aufgaben auf, darunter schnellere Genehmigungen, bessere Infrastruktur und die Förderung von Innovationen. Im Industrietrialog arbeiten Landesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften einschließlich der IG Metall zusammen. Entscheidend sei nun die Umsetzung.
„Gerade in aufgeheizten Zeiten brauchen wir auf beiden Seiten rhetorische Abrüstung und klare Köpfe. Die IG Metall gestaltet über ihre Vertreter in Aufsichtsräten und über die betriebliche Mitbestimmung die Zukunft der Unternehmen mit. Dazu passt keine pauschale Abwertung der Unternehmensleitungen. In Hessen zeigen wir gemeinsam, dass Sozialpartnerschaft konkrete Lösungen voranbringen kann. Daran sollten wir anknüpfen, um industrielle Wertschöpfung und Arbeitsplätze hier zu halten“, sagt der HESSENMETALL-Verhandlungsführer Ralph Wangemann.