Erste Tarifverhandlung M+E Mitte

Wangemann: Tarifpolitik muss jetzt die Stärkung des Standorts und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit unterstützen

Frankfurt am Main. Heute hat in Frankfurt die erste Tarifverhandlung zwischen der Verhandlungsgemeinschaft der vier Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektroindustrie aus Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland mit der IG Metall Mitte für die noch rund 360.000 Beschäftigen in diesen Tarifgebieten stattgefunden.

Verhandlungsführer Ralph Wangemann: „An der Lage der M+E-Industrie gibt es nichts zu beschönigen und bei ihrer Beurteilung kann es eigentlich keine zwei Meinungen geben. Das dritte Rezessionsjahr in Folge ist absehbar. Damit dauert die derzeitige Krise so lang an wie noch nie. Die Produktion liegt bundesweit weiterhin 15 Prozent unter dem Niveau von 2018. Im selben Zeitraum sind rund 350.000 Arbeitsplätze in der deutschen M+E-Industrie verlorengegangen und jeden Monat verlieren wir deutschlandweit rund 10.000 weitere Arbeitsplätze. Die Auslastung in unserer Industrie ist desolat. Im Durchschnitt sind die technischen Kapazitäten nur zu 79 Prozent genutzt. Das sind insgesamt erschreckende Zahlen und wir müssen inzwischen von De-Industrialisierung sprechen.“

„Vor diesem Hintergrund hat die Gewerkschaft mit 5 Prozent eine Forderung aufgerufen, die aus längst vergangenen, besseren Zeiten stammt. Trotz Produktionseinbruchs, den Herausforderungen des Strukturwandels und geopolitischen Krisen. Wir halten diese Forderung für völlig unrealistisch, sie würde die aktuelle Wettbewerbs- und Investitionskrise unserer Unternehmen noch deutlich weiter verschärfen und gefährdet massiv Beschäftigung. “

Nach Ansicht der vier Arbeitgeberverbände der Verhandlungsgemeinschaft M+E MITTE ist es höchste Zeit, den Standort zu stärken, um wieder wettbewerbsfähiger produzieren zu können und positive Signale für Investitionen zu geben. Ralph Wangemann: „Der Abwärtsspirale in Richtung De-Industrialisierung, in die unser Standort geraten ist, können wir nur durch zügiges Umsteuern entrinnen. Hier sind Wirtschafts- und Tarifpolitik gleichermaßen gefordert. Die Möglichkeiten, die wir als Sozialpartner haben, müssen wir dabei sehr verantwortungsbewusst und zukunftsorientiert nutzen.“

Im Hinblick auf den Fortgang der Verhandlungen sagte Wangemann: „Wir haben in den letzten Jahren, die außerordentlich herausfordernd für unsere Unternehmen waren, in den Tarifrunden Abschlüsse vereinbart, die durchaus auch ein Vorschuss auf bessere Zeiten waren. Wie wir sehen, sind diese leider nicht eingetreten. Deshalb muss es uns jetzt gemeinsam gelingen, in dieser Tarifrunde eine Lösung zu finden, die hilft, dort wo es notwendig ist, die Kosten zu senken und unseren Standort endlich wieder zu stärken.“

Die zweite Tarifverhandlung ist für den 28. Oktober 2026 angesetzt.

Die Verhandlungsgemeinschaft M+E MITTE
M+E MITTE spricht und handelt in Tarifverhandlungen für die Arbeitgeberverbände der Metall- und Elektro-Industrie Hessens (HESSENMETALL), der Pfalz (PFALZMETALL), Rheinland-Rheinhessens (vem.die arbeitgeber) und des Saarlandes (ME Saar). In den drei Bundesländern umfasst die M+E-Industrie rund 1.400 Unternehmen mit rund 360.000 Beschäftigten. M+E MITTE verhandelt mit der IG Metall Bezirksleitung Mitte.

Ralph Wangemann
Ralph Wangemann ist Geschäftsführer Human Resources und Arbeitsdirektor der Opel Automobile GmbH, Personalchef von Stellantis in Deutschland und Ver¬handlungsführer der Metall- und Elektro- Unternehmen im Tarifbezirk M+E MITTE (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland).

Porträt von Patrick Schulze
Patrick Schulze

Geschäftsführer Kommunikation