Hohe Ausbildungsbereitschaft in Mittelhessen, aber zu wenige geeignete Ausbildungsinteressierte – Herausforderungen insbesondere bei Lernmethoden sowie Basiskenntnissen
Die mittelhessische Metall-, Elektro- und IT-Industrie hält trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen an der Ausbildung ihres Fachkräftenachwuchses fest. Gleichzeitig bleibt es für viele Betriebe schwierig, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden – das zeigt die diesjährige Ausbildungsumfrage des Arbeitgeberverbands HESSENMETALL.
Die Duale Ausbildung bleibt für die Fachkräftesicherung eine zentrale Säule: In Mittelhessen übernehmen 69 Prozent der befragten Unternehmen ihre Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss. Für das Ausbildungsjahr 2027/2028 planen fast ⅔ der Betriebe mit gleich vielen Ausbildungsplätzen. Die Unternehmen wollen also weiterhin ausbilden, doch geeignete Ausbildungsinteressierte sind knapp. Als größte Herausforderung nennen rund 78 Prozent der mittelhessischen Betriebe die Schwierigkeit, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden. 58 Prozent sehen zudem eine mangelnde berufliche Orientierung bei Jugendlichen als zentrales Problem.
„Viele junge Menschen haben noch kein klares Bild davon, welche Anforderungen eine Ausbildung in der Metall-, Elektro- und IT-Industrie stellt und welche Chancen sie bietet“, erklärt Sascha Drechsel, Geschäftsführer von HESSENMETALL Mittelhessen. „Umso wichtiger ist es, die berufliche Orientierung zu stärken und Jugendliche frühzeitig mit den Erwartungen einer Ausbildung vertraut zu machen.“
Die Betriebe suchen weiterhin intensiv, 56 Prozent der befragten Unternehmen konnten ihre Ausbildungsplätze für das kommende Ausbildungsjahr 2026/2027 bislang nicht vollständig besetzen. Von diesen Betrieben sind mehr als die Hälfte weiterhin auf der Suche nach geeigneten Interessierten. Deutlich wird auch der Nachholbedarf bei den Kompetenzen der Ausbildungsanfängerinnen und Ausbildungsanfänger. In Mittelhessen nennen rund 78 Prozent der Unternehmen Defizite bei lernmethodischen Kompetenzen wie Selbstorganisation und Lernstrategien. Etwa ⅔ sehen Nachholbedarf bei schulischen Basiskenntnissen. Gefolgt von 58 Prozent, die Defizite beim Arbeits- und Sozialverhalten nennen – zum Beispiel bei Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit oder Teamfähigkeit.
Verbesserungsbedarf sehen die Unternehmen außerdem bei den Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Ausbildung. Besonders wichtig sind aus ihrer Sicht die Förderung von Sozial- und Arbeitsverhalten, eine bessere personelle und technische Ausstattung der Berufsschulen sowie die stärkere Berücksichtigung von Vorkenntnissen und Grundkompetenzen. „Die Ergebnisse machen deutlich, dass Ausbildung heute weit mehr erfordert als die Vermittlung von Fachwissen. Gefragt sind gemeinsame Anstrengungen von Schule, Familie und Wirtschaft, um junge Menschen besser auf die Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten", ergänzt Sebastian Höhn, Referent Fachkräftesicherung und Berufliche Bildung bei HESSENMETALL Mittelhessen.