Wo sehen Sie aktuell die größte Herausforderung?
Rafaela Echterdiek: Darin, unser Unternehmen gleichzeitig erfolgreich im Heute zu führen und auch konsequent auf die Anforderungen von morgen auszurichten. Unsere Branche ist von hohen Qualitätsanforderungen, zunehmender Regulierung und einem immer stärkeren internationalen Wettbewerb geprägt. Digitalisierung, Automatisierung und neue Technologien verändern gleichzeitig die Art und Weise, wie wir produzieren und Entscheidungen treffen. Wir müssen die richtigen Zukunftsinvestitionen tätigen, Geld ausgeben für moderne Produktionstechnologien, digitale Prozesse, Datenkompetenz und die Weiterentwicklung der Organisation - auch, wenn der Nutzen nicht sofort sichtbar sein wird. Unser Vorteil als Familienunternehmen ist: Wir können langfristig denken. Ziel ist nicht das nächste Quartal, sondern die nächste Generation.
Ricarda Echterdiek: .. Und es ist sicherlich herausfordernd, auch in einem sehr dynamischen und unsicheren Umfeld Ruhe zu bewahren und den Fokus nicht zu verlieren. Man muss dennoch langfristig denken und nicht nur kurzfristig reagieren. Dazu gehört für uns vor allem ein nachhaltiges Wirtschaften. Wir sind überzeugt, dass man auch in wirtschaftlich anspruchsvollen Phasen den Mut zu Investitionen und Zukunftsprojekten behalten muss. Nur so bleibt man langfristig wettbewerbsfähig und kann den hohen Anforderungen unserer Branche gerecht werden.
Ein weiterer zentraler Punkt ist der Transformationsprozess innerhalb der Arbeitswelt. Veränderungen gelingen nur dann erfolgreich, wenn man die Mitarbeiter mitnimmt. Deshalb legen wir großen Wert auf offene Kommunikation und darauf, unsere Teams frühzeitig in Entwicklungen einzubinden und für die notwendige Veränderungsbereitschaft zu sensibilisieren. Gerade in digitalen Themen versuchen wir unsere Mitarbeiter zu schulen und ihnen die Vorzüge der neuen Tools nahe zu bringen.
Und nicht zuletzt ist da die Herausforderung Fachkräftemangel. Wir begegnen diesem Thema mit großer Offenheit gegenüber Fachkräften aus dem Ausland und haben damit sehr positive Erfahrungen gemacht. Vielfalt bereichert unser Unternehmen – fachlich wie menschlich. Gleichzeitig erleben wir bei vielen internationalen Mitarbeitern eine hohe Motivation, Einsatzbereitschaft und große Identifikation mit ihrer Arbeit, was für unser Unternehmen sehr wertvoll ist.
Sind Familienunternehmen ein Auslaufmodell?
Ricarda Echterdiek: „Auslaufmodell? Ganz im Gegenteil. Wer sich das globale Wirtschaftsgeschehen nüchtern anschaut, stellt fest: Familienunternehmen sind in vielen Schlüsselbranchen nicht trotz ihrer Struktur erfolgreich, sondern wegen ihr. Unsere eigene Geschichte zeigt das sehr anschaulich: Über vier Generationen hat sich unser Unternehmen immer wieder neu ausgerichtet – auf veränderte Märkte, neue Technologien, gewandelte Kundenanforderungen. Heute produzieren wir Kunststoffteile für die Medizin- und Pharmabranche. Diese Bereitschaft zur Veränderung ist kein Widerspruch zur Kontinuität eines Familienunternehmens – sie ist Teil davon. Langfristiges Denken bedeutet eben nicht Stillstand, sondern die Fähigkeit, rechtzeitig die richtigen Weichen zu stellen. Dazu kommen die klassischen Stärken: kurze Entscheidungswege, ein tiefes Verantwortungsgefühl gegenüber Kunden, Mitarbeitern und Region – und eine Verlässlichkeit, die über Quartalszyklen hinausgeht. Für Branchen wie unsere, in denen Qualität, Kontinuität und Vertrauen keine Schlagworte sind, sondern handfeste Anforderungen, ist das Familienunternehmen das Modell, das Bestand hat. Davon sind wir hier fest überzeugt.
Rafaela Echterdiek: Wie Ricarda schon sagte: Familienunternehmen sind ein Zukunftsmodell, vielleicht sogar mehr denn je. In einer Zeit, in der viele Märkte von Unsicherheit, geopolitischen Veränderungen und immer kürzeren Innovationszyklen geprägt sind, gewinnen Eigenschaften an Bedeutung, die Familienunternehmen traditionell auszeichnen: langfristiges Denken, Verlässlichkeit und unternehmerische Verantwortung.
Gerade unsere Kunden aus der Medizin- und Pharmabranche suchen Partner, auf die sie sich über viele Jahre verlassen können. Vertrauen entsteht nicht durch kurzfristige Optimierung, sondern durch Kontinuität, Qualität und den Willen, gemeinsam langfristig erfolgreich zu sein. Natürlich müssen sich Familienunternehmen kontinuierlich weiterentwickeln. Tradition allein ist kein Geschäftsmodell. Wer erfolgreich bleiben will, muss neue Technologien und digitale Lösungen aktiv nutzen, Innovationen vorantreiben und Veränderungen gezielt gestalten. Gerade die Fähigkeit, Bewährtes mit neuen Möglichkeiten zu verbinden, entscheidet darüber, ob Unternehmen auch morgen erfolgreich sind. Genau darin liegt aus meiner Sicht die Stärke erfolgreicher Familienunternehmen: Sie verbinden langfristige Werte mit der Fähigkeit zur Veränderung. Wenn beides zusammenkommt, können sie die Herausforderungen der Zukunft nicht nur erfolgreich meistern, sondern die Transformation ihrer Branche aktiv vorantreiben.