Ausbildung­sumfrage 2026

Hohe Ausbildungs­bereitschaft, zu wenige geeignete Ausbildungs­interessierte // Herausforderungen insbesondere beim Arbeits- und Sozialverhalten

Frankfurt am Main. Die hessische Metall-, Elektro- und IT-Industrie hält trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen an der Ausbildung ihres Fachkräftenachwuchses fest. Gleichzeitig wird es für die Betriebe immer schwerer, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden. Das zeigt die diesjährige Ausbildungsumfrage des Arbeitgeberverbands HESSENMETALL.

Die Duale Ausbildung bleibt für die Fachkräftesicherung zentrale Säule: 85 Prozent der befragten Unternehmen übernehmen ihre Auszubildenden nach erfolgreichem Abschluss. Für das Ausbildungsjahr 2027/2028 plant über drei Viertel der Betriebe mit unverändert vielen Ausbildungsplätzen.

Die Unternehmen wollen also ausbilden, doch sind passende Ausbildungsinteressierte knapp: Als größte Herausforderung nennen 76 Prozent der Betriebe die Gewinnung geeigneter Bewerberinnen und Bewerber. 58 Prozent sehen zudem eine mangelnde berufliche Orientierung bei Jugendlichen als zentrales Problem. Viele junge Menschen wissen nicht, welche Anforderungen eine Ausbildung in der Metall-, Elektro- und IT-Industrie stellt und welche Chancen sie bietet.

„Die Ausbildungsbereitschaft unserer Unternehmen ist ungebrochen hoch, aber die Lücke zwischen den Anforderungen der Betriebe und den Voraussetzungen vieler Schulabgängerinnen und Schulabgänger wird immer größer“, erklärte HESSENMETALL-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert. „Wenn Ausbildungsinteressierte keine Plätze bekommen, liegt das oft nicht an fehlenden Angeboten, sondern an fehlenden Grundlagen oder falschen Vorstellungen von Berufen. Hier müssen wir dringend gegensteuern.“

Die Betriebe suchen weiterhin intensiv: 42 Prozent der befragten Unternehmen konnten ihre Ausbildungsplätze für das beginnende Ausbildungsjahr bislang nicht vollständig besetzen. 61 Prozent dieser Betriebe sind weiter auf der Suche nach geeigneten Interessierten und bereit, auch nach dem offiziellen Ausbildungsbeginn noch einzustellen. Viele Ausbildungsplätze bleiben damit vorerst unbesetzt, obwohl gute Karrierechancen in der M+E+IT-Industrie bestehen.

Deutlich wird auch der Nachholbedarf bei den Kompetenzen der Ausbildungsanfängerinnen und Ausbildungsanfänger. 72 Prozent der Unternehmen nennen Defizite beim Arbeits- und Sozialverhalten als Herausforderung für die Ausbildung. Jeweils 70 Prozent sehen zudem fehlende schulische Basiskenntnisse sowie Schwächen bei lernmethodischen Kompetenzen wie Selbstorganisation und Lernstrategien.

Die Betriebe erwarten stärkere Unterstützung durch das Bildungssystem. Verbesserungsbedarf sehen sie insbesondere bei den Rahmenbedingungen für erfolgreiche Ausbildung. Aus ihrer Sicht sind eine stärkere Förderung von Arbeits- und Sozialverhalten, die konsequente Vermittlung von Grundkompetenzen und eine bessere personelle sowie technische Ausstattung der Berufsschulen besonders wichtig.

„Unsere Unternehmen wollen ausbilden, und sie bieten gut bezahlte, zukunftssichere Berufe in der Metall-, Elektro- und IT-Industrie“, betonte Pollert. „Die Fachkräftesicherung entscheidet sich aber nicht erst im Betrieb, sondern bereits in Familien, Kitas und Klassenzimmern. Wir brauchen gesellschaftlich einen klaren Fokus auf Lesen, Schreiben, Rechnen sowie auf digitale Basiskompetenzen, außerdem eine gute berufliche Orientierung sowie einen Willen zur Leistung, damit junge Menschen erfolgreich in Ausbildung, Beruf und Karriere starten können.“

Jonas Fidler

Leiter Bildung