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Viel flexibler, als man denkt

Warum die Vacuumschmelze wieder auf den Flächentarifvertrag setzt

19.10.2011
Geschäftsführerin Andrea Bauer Hanau. Eine Verschnaufpause täte mal ganz gut. Aber bei einem Unternehmen wie der Vacuumschmelze (VAC) im hessischen Hanau kann die kaufmännische Geschäftsführerin Andrea Bauer davon nur träumen: „Der Markt ist immer in Bewegung – auf das Auf und Ab stets richtig zu reagieren, ist eine der größten Herausforderungen.“ Dabei muss der Flächentarifvertrag, anders als mancher denkt, kein Hindernis sein! Die VAC ist weltweit unterwegs, ein „Global Player“: In über 40 Staaten erwirtschaftete die Firma im Vorjahr gut 350 Millionen Euro Umsatz. Über 1400 der 4 500 Beschäftigten arbeiten am Stammsitz.
Mehr als 750 Patente zeugen von der Innovationskraft bei der Entwicklung magnetischer industrieller Werkstoffe. Die Produkte sind zum Beispiel in der Medizintechnik gefragt, in der Auto- und Luftfahrtindustrie, aber auch bei der Umwandlung von Sonne oder Wind in Strom. Trotzdem ging es 2008 bei der VAC, die damals noch zum Finanzinvestor OEP gehörte, ums Überleben. Bauer, selbst Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin, erinnert sich: Umsatzrückgänge drohten, die Finanzierung des Betriebs zu Geschäftsführerin Andrea Bauergefährden. „Wir hatten ein Kostenproblem und beschlossen den Austritt aus der Tarifbindung, um die bevorstehende Tariferhöhung nicht umsetzen zu müssen.“


Andrea Bauer: „Der Markt
ist immer in Bewegung.“




Rechtzeitig miteinander reden
Für die Belegschaft aber war das Ausmaß der heraufziehenden Krise noch nicht erkennbar – Konflikte mit der IG Metall waren programmiert. Es kam sogar zu Streiks. Am Ende stand ein Ergänzungstarifvertrag, der eine Lösung des Problems ermöglichte. „Bei der nächsten Krise sollten wir uns einfach früher zusammensetzen“, sagt Bauer heute, „und uns konstruktiv auf die Möglichkeiten eines Ergänzungstarifvertrages konzentrieren. Denn im Flächentarifvertrag geht viel mehr, als mancher denkt.“

Während der Krise gab es Kurzarbeit und finanzielle Einbußen für die Mitarbeiter. Aber keine Entlassungen. Mit dem Aufschwung kamen dann Bonuszahlungen – und eine vorgezogene Tariferhöhung. „Wenn ich in guten Zeiten nicht großzügig bin, kann ich in schlechten kaum auf Unterstützung hoffen“, so Bauer. Mitarbeiter VacuumschmelzeKürzlich wurde die VAC an einen strategischen Investor verkauft: die OM Group, die vor allem in Amerika und Asien tätig ist. „Wir passen gut zusammen und können damit etwas entspannter in die Zukunft schauen.“


Glühendes Metall:
Eisenträger, die eingeschmolzen
werden, stehen am Anfang der VAC-Produktion.


 
Doch mit Blick auf das ständige Auf und Ab wünscht sich Bauer auch für die Zukunft eine Flexibilität, wie sie ihr während der Krise der Ergänzungstarifvertrag gab: „Niemand hier will amerikanische Verhältnisse mit ,hire and fire’. Aber in Deutschland sind wir etwa beim Kündigungsrecht am anderen Ende der Fahnenstange – und das ist ein klarer Wettbewerbsnachteil.“ M. BECKER-MOHR










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