Frankfurter Vakuumabend

HESSEN­METALL Rhein-Main-Taunus und Frankfurt UAS informieren über unterschätzte Technik

Die Bezirksgruppen Rhein-Main-Taunus und Mittelhessen haben gemeinsam mit ihrem Kooperationspartner Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) den ersten Frankfurter Vakuumabend ausgerichtet. Führende Experten aus der Hochschule und der Wirtschaft stellten die vielfältigen Funktionsweisen von Vakuum in der Industrie vor.

„Das Vakuum ist vermutlich einer der am meisten unterschätzten Zustände in der Physik. In vielen Bereichen des Lebens und Arbeitens ist es nicht mehr wegzudenken. Vom vakuumverpackten Kaffee über Reinigungs- und Beschichtungsprozesse bis hin zu Fertigungsaufgaben. Ob in der LED-Lampe, dem Flachbildschirm oder Staubsauger – das Vakuum begleitet uns ständig im Alltag. Vielen sind diese vielfältigen und zwingend notwendigen Anwendungen nicht bekannt. Aus diesem Grund wurde der Vakuumabend ins Leben gerufen, um die vielseitigen Eigenschaften, vor allem in der Industrie, für dieses so wichtige Nichts aufzuzeigen“, sagte Friedrich Avenarius, Geschäftsführer von HESSEN­METALL Rhein-Main-Taunus.

Der Diplom-Physiker Dieter Müller ist Dozent für Anwendungen der Vakuumtechnik an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) und wirkt an der Schule für Vakuumtechnik mit, die von den beiden Hochschulen organisiert wird. Im Jahr 1989 entstand die Idee, eine Weiterbil-dungsmaßnahme für Praktiker aus Industrieunternehmen, Forschungsinstituten und Hochschulen zu schaffen. Der Schwerpunkt sollte weniger auf der Theorie, sondern mehr auf der Schulung an Standardgeräten in Experimentieranlagen liegen.

Schule für Vakuumtechnik ermöglicht praktische Versuche in Frankfurt und Gießen

„Die praktischen Versuche sind die Besonderheit der Vakuumschule. Die Teilnehmer können aus 13 Exponaten in Frankfurt und zehn vergleichbaren Exponaten in Gießen nach ihren individuellen Wünschen wählen. Sie werden in Kleingruppen von einem Betreuer an diesen Anlagen geschult. Die Teilnehmer bedienen die Anlagen selbst und führen Experimente, wie beispielsweise Saugvermögensmessung oder Enddruckbestimmung, eigenständig durch. Sie entscheiden, ob sie die Versuche in Frankfurt oder Gießen durchführen möchten“, erläuterte Müller.

Dr. Volker Zang, Prokurist des Maschinenbauunternehmens Aqseptence Group GmbH, erklärte die Vakuumentwässerung. „Die Vakuumkanalisation ist eine weltweit anerkannte Alternative zur Sammlung und zum Transport von Abwasser. Mittels Vakuum wird das Abwasser von Kommunen und Siedlungen in einem großen Radius von bis zu vier Kilometern gesammelt, zum Beispiel auf der Palmeninsel in Dubai“, so Zang.

Die Aqseptence Group ist ein weltweit führender Anbieter von spezialisierten Produkten, Anlagen und Systemlösungen für die Filtration und Separation sowie für die Wassertechnik. Das global tätige Unter­nehmen hat seinen Hauptsitz in Aarbergen im Rheingau-Taunus-Kreis und beschäftigt rund 1.500 Mitarbeiter auf fünf Kontinenten. Die Unter­nehmensgruppe bietet unter der Marke „Roediger“ innovative Lösungen im Bereich der Vakuumtechnologie für moderne Wasserversorgungssysteme sowie Entsorgungssysteme.

„Für unsere Kunden entwickeln wir nachhaltige Lösungen zur Schonung und Erhaltung der natürlichen Ressource Wasser. Wir sind stolz darauf, weltweit führender Systemlieferant für Vakuumtechnik zu sein. Die Marke Roediger steht für Qualität und nachhaltige Lösungen, unsere Mitarbeiter für Kompetenz und langjährige Erfahrungen im Bereich der Wassertechnologie“, berichtete Zang.

Weltraumteleskop wird mithilfe eines Vakuum-Ofens aus Hessen robuster

Dr. Thomas Metzger, Vertriebsingenieur bei dem Anlagenbauer PVA Industrial Vacuum Systems GmbH, gab einen Einblick in die Rolle des Vakuums bei Hochtemperatur-Ofenprozessen. Die PVA Industrial Vacuum Systems GmbH ist ein Tochterunternehmen der PVA TePla AG. Das Unter­nehmen mit Sitz im mittelhessischen Wettenberg ist führender Hersteller für Vakuumanlagen. Mit mehr als 1.000 Anlagen und über 50 Jahren Erfahrung im Hochtemperaturbereich baut und vermarktet der Betrieb wärmetechnische Prozess-Anlagen sowie Systeme zur Entwicklung, Herstellung und Behandlung hochwertiger Materialien unter hohen Temperaturen.

Die Unter­nehmensgruppe entwickelte 2009 etwa einen Hochtemperatur-Vakuum-Ofen, in dem Segmente für das Herschel-Weltraumteleskop hergestellt wurden. Das Kernstück des Satelliten ist einer der größten jemals für den Weltraum gebauter Spiegel. Aufgrund der extremen Anfor-derungen und Temperaturschwankungen im All fiel die Wahl beim Spiegelmaterial auf Siliziumcarbid, welches bei hohen Temperaturen im Vakuum hergestellt wird. So erhielt der Weltraumspiegel eine enorm widerstandsfähige Struktur.

„Unsere Hochtemperaturwärmebehandlungsanlagen für Prozesstemperaturen von bis zu 2.200 Grad Celsius werden kundenspezifisch projektiert und für die jeweilige Wärmebehandlung so konzipiert, dass sie ein bestmögliches Ergebnis erzielen. Ein besonderes Augenmerk liegt bei diesen Anlagen auf einer robusten Bauweise und einer effizienten Prozessführung. In unserem hauseigenen Labor unterstützen wir die Kunden auch bei individuellen Anlagen- und Anwendungsentwicklungen“, erklärte Metzger.

Physikalischer Versuch mit einer „Vakuum-Kanone“ im Hörsaal

Christian Juhnke Der Diplom-Ingenieur Christian Juhnke, Leiter der Schule für Vakuumtechnik, führte während der Veranstaltung einige physikalische Versuche durch. So zeigte er, mit welcher Geschwindigkeit ein Golfball von einer „Vakuum-Kanone“ beschleunigt werden kann und wie viel Durch-schlagskraft sie besitzt. Der Hauptbestandteil der Kanone ist ein stabiles Rohr. Der vordere Bereich wird mit einer Folie verschlossen. Im hinteren Teil befindet sich der Vakuumanschluss. Nun wird der Ball hineingelegt. Anschließend saugt eine Vakuumpumpe die Luft aus dem Rohr. Danach wird der Golfball durch einströmende Luft so stark beschleunigt, dass er mit voller Wucht einen davor platzierten Karton durchschlägt.

Aniki Radde

Referentin Bildungs- und Öffentlichkeitsarbeit

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