Fünf Fragen an Joachim Jungbluth

Abschied nach jahrzehntelanger beruflicher Tätigkeit

Joachim, am 31.12.2023 geht Deine Zeit bei HESSENMETALL offiziell zu Ende. Nach 40 Jahren im Einsatz für HESSENMETALL Offenbach und Osthessen bzw. für dessen Mitgliedsunternehmen – insbesondere nach 17 Jahren als Geschäftsführer – kannst Du Dich noch an Deinen ersten Arbeitstag erinnern?

Ja, das war der 01.11.1983. Das weiß ich unter anderem noch so genau, weil ich zuerst dachte, dass es dann erst am 02.11. los geht. Ich habe zu der Zeit in Rheinland-Pfalz gewohnt und da ist Allerheiligen ja ein Feiertag. Am 01.11.1983 hatte ich dann schon am ersten Arbeitstag einen Gerichtstermin. Es war der Gütetermin in einem Kündigungsschutzverfahren und ich hatte die Freigabe einen Vergleich zu schließen mit einer Abfindung von max. DM 7.500,00.

 

Was würdest Du sagen, waren die größten Herausforderungen, die Dir während Deiner Zeit im Verband begegnet sind?

Dazu gehört auf jeden Fall gleich die erste Tarifrunde, die ich miterlebt habe, mit langen Streiks direkt im Frühjahr 1984 zur Einführung der 35-Stunden-Woche. Aber auch die Veränderungen und Anpassungen während der Zeit der Wiedervereinigung gehören dazu. Hier habe ich die Einführung der arbeitsrechtlichen und Verbandsstrukturen im Frühjahr 1990 in Thüringen mitbegleitet.  Ansonsten haben mich über alle vier Jahrzehnte hinweg zum Beispiel die großen Personalabbaumaßnahmen unserer Mitgliedsunternehmen beschäftigt sowie andauernde strukturelle Veränderungen, wie etwa der Rückgang inhabergeführter (Familien-) Unternehmen in der Mitgliedschaft der Bezirksgruppe.

Und worin siehst Du Deine größten Erfolge?

Meine größten Erfolge liegen ganz eindeutig in der sehr erfolgreichen juristischen Begleitung meiner Mitgliedsunternehmen in diesen Zeiten. Ich war ihr direkter Ansprechpartner bei allen Fragen rund um den Abschluß von Interessenausgleichen und Sozialplänen und im Rahmen betrieblicher Tarifverhandlungen – zuletzt auch im Rahmen von Verhandlungen mit der IG Metall zum Abschluss von Tarifsozialplänen. Hierbei waren wir in der Bezirksgruppe auch Vorreiter für ganz Hessen und ich konnte meine Erfahrungen an die Kolleginnen und Kollegen weitergeben, die entsprechende Verhandlungen nach mir geführt haben. Mir war es generell immer ein Bedürfnis, mich dafür einzusetzen, dass meine Mitgliedsunternehmen zu ihrem Recht kommen und für sie die bestmöglichen Verhandlungsergebnisse zu erzielen. Das Verhandeln an vorderster Front war und ist dabei meine Leidenschaft! Das hat mich immer motiviert. Die vorderste Front war in diesem Zusammenhang für mich deshalb nie die Tätigkeit als Lobbymann an der Champagnerfront, sondern die des Kommandeurs in der juristischen Auseinandersetzung! Das hat mich erfüllt und das werde ich auch am meisten vermissen.


Was macht Deine Arbeit heute aus, wenn Du im Vergleich auf die Vergangenheit zurückblickst?

Es war eine spannende und turbulente Zeit. Ich denke meine Arbeit im Verband wurde vor allem von rasantem technischem Fortschritt geprägt. Vom Telefax bis KI habe ich alles erlebt und natürlich auch die Konsequenzen, die der Wandel vom Anlogen zum Digitalen mit sich gebracht hat – positiv wie negativ. Inhaltlich sehe ich da vor allem die Entwicklung vom ausschließlichen Vertreter und Berater auf juristischer Ebene hin zum umfassenden Interessenvertreter. Früher war der Fokus eher nach innen gerichtet. Heute ist er mit einer enorm erweiterten Bandbreite an Aufgaben eher nach außen gerichtet und hat einen stärkeren Managementcharakter. In allen Phasen bin ich gut damit gefahren, dass man sich immer in allen Fragen zum täglichen Arbeitsleben an mich wenden konnte und ich die passenden Lösungen anbieten oder beschaffen konnte. Auf mich und mein Wort war und ist immer Verlass und darauf bin ich stolz!

Das kannst Du auch sein. Nach so einer langen – und wie Du sagst – erfüllenden, spannenden und turbulenten Zeit – was wirst Du im Ruhestand als Erstes machen?

Wenn die Gesundheit es zulässt, mehr reisen als bisher, vor allem zusammen mit meiner Frau. Und deutlich mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.

Talisa Dean

Leiterin PR & Bildung
Offenbach und Osthessen

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