CEO im Interview: Tobias Althaus & Christian Gerke, Peikko Deutschland GmbH, Waldeck

„Die Industrie muss sich neu erfinden: Wir müssen uns aktuellen Themen wie Digitalisierung, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft widmen und Änderungen vornehmen, um zukunftsfähig zu sein.“

Das Interview-Format "Fragen an den Geschäftsführer/CEO des Monats" hat zum Ziel, Geschäftsführer mit ihren Unter­nehmen vorzustellen. Auf sieben Fragen werden Antworten auf wesentliche Einstellungen und Meinungen gegeben; persönlich, authentisch und unterhaltsam. An der Reihe, die sich im Abstand von zwei Monaten fortsetzt, können alle AGV-Mitglieder teilnehmen.

Seit wann besteht Ihr Unter­nehmen, wie viele Beschäftigte haben Sie, und was bietet das Unter­nehmen?
Peikko wurde 1965 im finnischen Lahti gegründet und beschäftigt weltweit über 1800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Unter­nehmen hat in 34 Ländern Tochtergesellschaften und 11 Produktionsstandorte in Europa, Asien und im Nahen Osten. Die Peikko Deutschland GmbH wurde 1997 gegründet und war das erste Tochterunternehmen der Peikko Group außerhalb Finnlands. Am Standort beschäftigen wir rund 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Der deutsche Firmensitz ist im nordhessischen Waldeck, ganz in der Nähe vom schönen Edersee und dem Nationalpark Kellerwald.

Peikko stellt Befestigungstechnik, Verbundkonstruktionen und Slim-Floor (Flachdecken) Systeme für den Fertigteil- und Ortbetonbau her. Die Schraubverbindung für Stahlbetonfertigteilstützen und der DELTABEAM® Verbundträger gehören zu den Schlüsselprodukten unseres Unter­nehmens. Neben der Produktion vieler Standard-Produkte und Sonderanfertigungen nach Kundenanforderungen dient der Standort in Waldeck auch als Umschlaglager (HUB) von Waren, welche in anderen Peikko Standorten hergestellt werden.

Den Wandel zu mehr Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit hat mittlerweile auch die als konservativ geltende Bauwirtschaft eingeholt. Einige unserer Neu- und Weiterentwicklungen zielen genau in diese Richtung. Dazu zählen Lösungen, die z. B. das Recyceln von ganzen Gebäuden bzw. Gebäudeteilen ermöglichen (Circular Economy) oder die intelligente Kombination von klassischen Baustoffen in “Hybriden Konstruktionen“.

Wie sind Sie zum Geschäftsführer geworden? Wie war Ihr bisheriger Werdegang?
Tobias Althaus: Mein Einstieg bei Peikko war im Februar 2000 als Vertriebsingenieur. Als erster Außendienstler für Peikko in Deutschland war die Herausforderung groß, innovative skandinavische Produktlösungen in der eher konservativen deutschen Bauindustrie zu platzieren. Nachdem wir Fuß fassten und die Produkte am Markt etablieren konnten, habe ich die Ausarbeitung der technischen Lösungen übernommen. Nach und nach wuchs die Belegschaft und ich durfte in Mitte der 2000er die Leitung des technischen Büros übernehmen. Mit zunehmendem Wachstum des Unter­nehmens wurde mir 2008 die Leitung des Qualitätswesens parallel zur technischen Leitung übertragen. Noch im selben Jahr konnten wir die DIN EN ISO 9001 als Qualitätsnorm für unser Unter­nehmen einführen. Im Frühjahr 2015 wurde Herrn Gerke und mir die gemeinsame Geschäftsleitung der Peikko Deutschland GmbH übertragen. Dabei obliegt mir die technische Geschäftsführung. Ich bin für das Technische Büro, die Produktion, Forschung und Entwicklung, Supply Chain, IT und das Qualitätswesen verantwortlich.

Christian Gerke: Mein Start bei Peikko war im Februar 2001. Eingestellt wurde ich als Mitarbeiter im technischen Vertrieb. Da das Unter­nehmen in Deutschland – damals noch als Start-Up – lediglich eine Hand voll Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigte, war das Aufgabenfeld weit gefasst und nicht nur auf den Vertrieb beschränkt. Mit anhaltendem Wachstum wurde das Team schnell größer und Abteilungsstrukturen wurden geschaffen. Mitte der 2000er übernahm ich die Vertriebsleitung und habe den Aufbau der Peikko Organisationen in Italien und Österreich mit unterstützt. Im Jahr 2013 wurde eine lokale Marketingabteilung geschaffen, welche mir ebenfalls unterstellt ist. Während Herr Althaus die technische Geschäftsführung innehat, bin ich der kaufmännische Geschäftsführer. Mein Bereich umfasst den Vertrieb, das Marketing, das Personalwesen, sowie Finanzen und Controlling. Seit 2016 leite ich auch als Area Director die Peikko-Gesellschaften der gesamten DACH-Region.

Im Jahr 2016 wurden Herr Althaus und ich zudem in das erweiterte Managementteam der finnischen Peikko Gruppe berufen.

Was schätzen Sie daran, Geschäftsführer zu sein?
Tobias Althaus: In meinen nun knapp 21 Jahren bei Peikko war kein Tag wie der andere, die Zeichen stehen auf Wachstum und Entwicklung. Ich habe viel lernen dürfen und die Chance erhalten, das Erlernte weitergeben zu können. Als Geschäftsführer haben wir die Chance, ein Team zusammen zu stellen, um das Unter­nehmen zu entwickeln. Mit einem aktiven Team Ziele zu erreichen ist toll. Aber auch jeden Tag Neues zu lernen, von jüngeren oder älteren Kolleginnen und Kollegen, Anforderungen des Konzerns oder von Kunden mit dem Team zu kommunizieren und umzusetzen, macht die Position aus.

Christian Gerke: Besonders schätze ich, aktiv an der Unter­nehmensentwicklung teilzuhaben und zu sehen, wie getroffene Entscheidungen Früchte tragen. Aber auch die Vielfältigkeit der Aufgaben, tägliche neue Herausforderungen und der Umgang mit Menschen sind ein Antrieb für mich.

Wie viel Freizeit haben Sie und was machen Sie damit?
Tobias Althaus: Die Freizeit beschränkt sich auf das Wochenende, vornehmlich auf den Sonntag. In meiner Freizeit betreibe ich gerne Ausdauersport (Laufen, Schwimmen und Radfahren) und habe noch Zeit für die Familie. Ich lese gerne und unterstütze auch das ein oder andere soziale Projekt.  

Christian Gerke: Das ist schwer zu beantworten. Nicht an der Arbeit zu sein bedeutet nicht gleich frei zu haben, man nimmt auch mal gerne Arbeit mit nach Hause. Trotzdem bleibt freie Zeit übrig, diese verbringe ich in erster Linie mit meiner Familie. Ich laufe gerne, fahre Fahrrad und Ski und bin in der örtlichen Feuerwehr aktiv. Sobald es der Virus wieder zulässt, steht das Reisen natürlich auch auf der Aktivitätenliste.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?
Auch in Krisenzeiten fällt es uns schwer, gut ausgebildete Fachkräfte und Interessierte für eine Ausbildung im gewerblichen Bereich zu finden. Der demografische Wandel und die Abwanderung junger Leute in Metropolregionen verschlimmern die Situation. Organisationen wie das Network Waldeck-Frankenberg, die sich zum Ziel gesetzt haben, junge Talente mit Unter­nehmen in der Region zu vernetzen, sind ein gutes Beispiel, wie auch ländliche Regionen sich als attraktive Arbeitsmärkte etablieren können.

Auch der Ausbau eines flächendeckenden Highspeed-Internets kommt gerade in den ländlichen Regionen immer noch zu langsam voran. Hier ist klar die Politik gefordert, den Fortschritt entsprechend zu fördern.

Warum sind Sie Mitglied im Arbeitgeberverband geworden, und was schätzen Sie besonders am AGV?
Mitglied im AGV sind wir geworden, weil wir dadurch einen starken Partner bei der Durchsetzung unserer Arbeitgeberinteressen in arbeitsrechtlichen Angelegenheiten zur Seite haben. Sehr hilfreich und nützlich ist die proaktive Versorgung mit arbeitsrechtlichen Informationen, was gerade in Krisenzeiten eine wichtige Unterstützung ist. Der AGV bietet uns darüber hinaus eine Plattform zur Weiterbildung und der Möglichkeit zum Austausch mit anderen Unter­nehmen.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach den Unternehmergeist bei Jugendlichen wecken?
In erster Linie sind die Schulen und Berufsschulen gefordert, frühzeitig den Unternehmergeist bei Jugendlichen zu wecken. Das kann z. B. spielerisch mit Unter­nehmenssimulationen und Planspielen, aber auch durch mehr Kooperation mit ortsansässigen Unter­nehmen geschehen. Zudem sollten Karrierewege im Handwerk für Jugendliche schon in der Schule attraktiv dargestellt werden.

Die Unter­nehmen, Verbände und Handwerkskammern tragen aber auch eine große Verantwortung. Die Jugendlichen müssen mit den richtigen Inhalten dort abgeholt werden, wo sie den Großteil ihrer Freizeit verbringen – im digitalen Raum.

Vielen Dank!

Das Interview führte Frauke Syring, Referentin Presse, Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, HESSEN­METALL Nordhessen.

Näheres zum Unter­nehmen Peikko Deutschland

Frauke Syring

Referentin der Pressestelle Kassel

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