MINT Report

Der Bericht wird vom Institut der Deutschen Wirtschaft halbjährlich im Auftrag von Gesamtmetall, BDA, BDI und der Nationalen Initiative "MINT Zukunft schaffen" erstellt. Der von der Corona-Pandemie verursachte konjunkturelle Einbruch, der sich auch auf die Nachfrage nach MINT-Fachkräften auswirkte, ist demnach überwunden. Die so genannte MINT-Lücke öffnet sich wieder, besonders stark in den akademischen Berufen. Besorgniserregend ist die Nachwuchssituation. Die Corona-Krise hat zu erheblichen Lernlücken und verringerten Ausbildungs- und Studienanfängerzahlen geführt. Viele Experten befürchten zudem höhere Abbruchraten insbesondere an den Hochschulen.

Wesentliche Ergebnisse des aktuellen Reports aus dem Frühjahr 2021 sind:

  • In den akademischen MINT-Berufen liegt die Lücke Ende April 2021 bei 72.000 und damit mit 91 % relativ nah am April-Durchschnittswert von 2014 bis 2019 (78.900). Der größte Engpass zeigt sich mit einer Lücke zwischen Arbeitsplatz-Angebot und -Nachfrage von 48.600 in den Energie- und Elektroberufen, in den Bauberufen von 31.000 und in den IT-Berufen von 29.000.
  • Während die Beschäftigung in den MINT-Facharbeiterberufen vom vierten Quartal 2012 bis zum dritten Quartal September 2020 um 4,0 % anstieg, nahm die Zahl der beschäftigten IT-Fachkräfte um 59,2 % zu. Bei den Spezialistenberufen (Meister/Techniker) betrugen die Zuwächse 11,5 % für die MINT-Berufe insgesamt und 15,5 % für die IT-Spezialisten. Bei den akademischen Berufen war der Zuwachs in den IT-Expertenberufen mit 91,6 % deutlich höher als bei den MINT-Experten insgesamt (+36,1 %).
  • Für die Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte sind aus Sicht der Unter­nehmen in den kommenden fünf Jahren vor allem MINT-Experten von besondere Bedeutung. So erwarten 19 % der Unter­nehmen speziell zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien und Produkte einen zusätzlichen Bedarf an Ingenieuren und Umweltingenieuren und 15 % einen steigenden Bedarf an sonstigen MINT-Experten. Einen steigenden Bedarf an IT-Experten erwarten sogar rund 32 % der Unter­nehmen.
  • In den kommenden Jahren werden jährlich über 62.200 MINT-Akademikerinnen und MINT-Akademiker aus Altersgründen aus dem Arbeitsmarkt ausscheiden. Der jährliche demografische Ersatzbedarf wird in den kommenden zehn Jahren um 13.000 auf 75.200 zunehmen. Das jährliche Neuangebot an beruflich qualifizierten MINT-Facharbeitern wird in den kommenden Jahren deutlich unter dem demografischen Ersatzbedarf liegen.
  • Der Anteil der MINT-Beschäftigten im Alter ab 55 Jahren an allen MINT-Beschäftigten ist in den letzten Jahren bundesweit kontinuierlich gestiegen. Auch während der Corona-Krise von Ende März 2020 bis Ende September 2020 ist der Anteil trotz der konjunkturellen Krise weiter gestiegen.
  • Der Anteil der Frauen in MINT-Berufen hat sich zwischen Ende 2012 und Ende September 2020 von 13,8 % auf 15,4 % erhöht. Auch während der Corona-Krise ist der Frauenanteil an den Beschäftigten weiter gestiegen.
  • Das MINT-Beschäftigungswachstum von ausländischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern war im Zeitraum vom vierten Quartal 2012 bis zum dritten Quartal 2020 überproportional hoch. So ist die Beschäftigung von Deutschen in MINT-Facharbeiterberufen in diesem Zeitraum konstant geblieben, unter Ausländern nahm die Beschäftigung in MINT-Facharbeiterberufen um 5,3 % zu.
  • Auch wenn es bei Ausstattung und Nutzung digitaler Tools erste Fortschritte gibt, zeigen Untersuchungen von Anfang 2021, dass die Lernzeiten der Schülerinnen und Schüler weiterhin deutlich hinter den Phasen des Präsenzunterrichts zurückliegen und ein Teil von ihnen kaum über Videokonferenzen Unterricht erhält. Überträgt man die ersten empirischen Untersuchungen zu den Auswirkungen der Corona-bedingten Schulschließungen auf die MINT-Kompetenz, so könnte ohne kompensierende Maßnahmen in den Schulen ein Rückgang bei den PISA-Kompetenzen auf das Niveau von 2000 (PISA-Schock) erfolgen und die seit dem erreichten Fortschritte würden wieder verloren gehen. Dies würde langfristig die MINT-Fachkräftesicherung belasten. Da gerade Kinder mit bereits vorhandenen Lernschwierigkeiten besonders durch die Schulschließungen belastet wurden, dürfte es gravierende Probleme bei der Sicherung der Ausbildungsreife der Schulabsolventen geben.
  • Das MINT-Fachkräfteangebot dürfte zusätzlich sinken, wenn die mit der Corona-Krise verbundenen schwierigeren Studienbedingungen zu steigenden Abbrecherquoten führen sollten. Befragungen des DZHW im Sommer 2020 belegen, dass etwa jeder zehnte befragte Studierende einschätzt, ohne zusätzliche Förderung das Studium (eher) nicht fortsetzen zu können. Im Sommersemester 2020 nahm zudem im Vergleich zum Vorjahr die Anzahl an Bildungsausländern, die zum Studium nach Deutschland kommen, um 29 % ab. Da in den MINT-Fächern ein besonders hoher Anteil der Studierenden Bildungsausländer sind, ist in der Folge die Anzahl der Studierenden im ersten Hochschulsemester in den MITN-Fächern stark zurückgegangen.

Den aktuellen MINT-Report finden Sie >> hier im Service-Portal sowie auch die beiden vorherigen MINT-Reporte.