Editorial

Liebe Mitglieder!

Nach unserem HESSENFORUM zur „Zukunft der digitalen Produktion“ bieten wir ein Special: alle Fotos, Videos und Texte // Frühjahrsumfrage: zu eingetrübter Konjunktur und Stellenabbau // Den Ausgang der Europawahl kommentiert unser Vorsitzender Wolf Mang // Letzte Chance: Machen Sie mit beim Wettbewerb Hessen-Champions!

Viel Freude beim Lesen!
 

Special HESSENFORUM: Die smarte Fabrik ist Wirklichkeit!

Mit unserer Frühjahrsumfrage, unserem Erfahrungsaustausch Hessenforum, der SAT 1-Serie und dem IT-Forum haben wir unseren thematischen Jahresschwerpunkt zur digitalen Produktion gesetzt. Dazu ein kurzer Überblick.

Fast jedes fünfte Unternehmen der hessischen Metall- und Elektro-Industrie (M+E) hat schon einzelne oder alle seine Produktionsprozesse digitalisiert. Bei fast jedem zehnten sind die smarte und voll digitalisierte Fabrik mit selbstregulierenden Prozessen in Echtzeit Wirklichkeit oder ein klar definiertes Ziel. Ist das viel oder wenig? Uns erscheint es viel. Denn dazu muss man ja das gesamte Unternehmen stark verändern. Dennoch gibt es noch viel zu tun. Das ist der Befund unserer Frühjahrsumfrage zur digitalen Produktion unter Ihnen, unseren Mitgliedsunternehmen. An der Umfrage, diesmal zur digitalen Produktion, beteiligten sich 142 Betriebe mit knapp 43.600 Beschäftigten.

Auf dem HESSENFORUM betonte Hessenmetall-Vorstandsvorsitzender Wolf Matthias Mang: „Industrie 4.0 bedeutet das Ende der Industrie, wie wir sie kennen - weg von der Massenfertigung hin zu einer personalisierten Maßanfertigung, also einer perfekt an die Bedürfnisse der Kunden angepassten Herstellung von Produkten und Dienstleistungen“. Ziel müsse es sein, die geschlossenen Wertschöpfungsketten in den Unternehmen vollständig in die digitale Welt zu übertragen. „Zwar werden wir keine Konsumentenplattformen wie Google, Amazon oder Alibaba aus dem Boden stampfen, aber wenn wir es schaffen, Geschäftsplattformen zum Beispiel für Smart Building, Smart City, Smart Cars oder Smart Farming zu entwickeln, in denen die Zulieferer gemeinsam Applikationen schmieden, um ihre Kunden erfolgreicher zu machen, dann haben wir gute Chancen, aus Industrie 4.0 Wohlstand 4.0 zu machen.“ Zu schaffen sei dies jedoch nur in einem europäischen digitalen Binnenmarkt mit seinen rund 500 Millionen Menschen und 21 Millionen Unternehmen.

EU Kommissar Günther H. Oettinger: „Es geht um die digitale Souveränität in Europa.“ Digitale Strategien brauchen hohe Nutzerzahlen und viel Geld – und machten deshalb nur auf EU-Ebene Sinn. „Nur in europäischen Forschungsteams können wir mit der Forschung und Entwicklung der vom Pentagon unterstützten Technologien in Kalifornien sowie mit der Dynamik und dem unbedingten Willen Chinas in Wettbewerb treten.“

Allianzen und offene Ökosysteme sind für Jürgen Krämer, Software AG, entscheidend für den Erfolg in der deutschen Industrie. „Wenn Daten das Öl unserer Zeit sind, dann sind Plattformen des Industrial Internet of Things (IIoT) die Raffinerie. IIoT-Plattformen bieten die technologische Basis für eine herstellerübergreifende Vernetzung und die Umsetzung neuer Geschäftsmodelle. Mit ihrer Hilfe bekommt man Zugang sowohl zu Maschinen- als auch Business-Daten, kann durch Analysewerkzeuge Einblicke gewinnen und Effizienzen steigern und schließlich veredelte Daten gezielt bereitstellen und daraus einen finanziellen Nutzen ziehen.“

Thomas Jäger, Vorstandschef von Jäger Direkt in Heppenheim, ist überzeugt: „2025 werden wir die Hälfte unserer Erträge mit Geschäftsmodellen machen, die wir heute noch nicht kennen.“ Das Unternehmen ist mitten im Wandel vom Zulieferer für das Elektrohandwerk zum Komplettanbieter für Smart-Building-Lösungen. Für den Traum einer smarten Elektrofabrik hat die Firma 16 Millionen Euro in die Hand genommen. Für ihn und seine Mitarbeiter steht fest: „Digitalisierung heißt auch ausprobieren, Spaß haben und neugierig darauf sein, Nutzen zu schaffen.“

Um Nutzen zu schaffen, werden Simulationen und Technologien wie künstliche Intelligenz sowie Deep Learning laut Dr. Edgar Dietrich von Hexagon Manufacturing Intelligence in Wetzlar immer mehr an Bedeutung gewinnen:  „Dank Simulationssoftware können wir schon jetzt ein komplettes Getriebe simulieren, ohne überhaupt ein Getriebe zu bauen.“ Durch Simulation könne man eine komplette Produktion ablaufen lassen. Und erst wenn in der digitalen Welt alles reibungslos funktioniert, der digitale Zwilling steht, wird produziert – das ist das Ziel. „Schon jetzt ist unglaublich viel möglich - aber wir haben auch noch unglaublich viel zu tun.“

Dr. Jan Mrosik, COO Digital Industries Siemens AG in Nürnberg, sieht die digitale Transformation als große Chance für die produzierende Industrie. „Um die Potenziale der Digitalisierung größtmöglich zu nutzen, müssen Unternehmen ihre gesamte Wertschöpfungskette betrachten, denn Produkte müssen schneller, flexibler und effizienter hergestellt werden, bei gleichbleibender Qualität und unter Berücksichtigung höchster Sicherheitsanforderungen.“

Schauen Sie gerne mal tiefer in die Beiträge unseres Specials rein, es lohnt sich!

Alle Fotos, alle Videos und alle Texte finden Sie hier im Serviceportal!

Mitgliederversammlung und Konjunktur

Umsätze 2018 um 6 Prozent auf 66 Mrd. € gestiegen // Unternehmen rechnen für 2019 mit deutlicher Verschlechterung und Stellenabbau.“ Mit diesen beiden Schlaglichtern stellte Wolf Mang die Frühjahrsumfrage von HESSENMETALL zur Geschäftslage unter 142 seiner Mitgliedsunternehmen mit knapp 43.600 Beschäftigten auf der Mitgliederversammlung vor.

Die Umsätze der hessischen Metall- und Elektroindustrie haben 2018 mit 66 Milliarden Euro ein Allzeithoch erreicht. Das entspricht einem Plus von 6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch die Zahl der Beschäftigten stieg um 4.400 auf knapp 220.000 Mitarbeiter im Jahresdurchschnitt.

Mit dieser positiven Entwicklung dürfte es jedoch vorerst vorbei sein. Die Stimmung zum Jahresende 2018 war gut, aber unverkennbar eingetrübt – jetzt blicken die M+E-Unternehmen deutlich pessimistischer in die Zukunft und erwarten einen Stellenabbau.

Die M+E-Industrie steht aktuell vor gleich zwei großen Herausforderungen. Einerseits dem Strukturwandel der digitalen Transformation, der vier mobilen Antriebsalternativen und einer starken ‚Verdienstleistung‘ rund um die Industrieprodukte. Andererseits einem rezessionsgefährdeten Abkühlen der Konjunktur. Außerdem kämpfen die Unternehmen mit klaren Nachteilen im Standortwettbewerb: Die Arbeitskosten der deutschen M+E-Industrie liegen im Vergleich 75 Prozent über dem Mittelwert der europäischen Nachbarländer und wichtiger internationaler Konkurrenten wie USA China, Japan und Südkorea. Bei den Kosten für Industriestrom liegt Deutschland um rund ein Viertel höher.

Erste Maßnahmen zur Kostensenkung und zum Arbeitsplatzabbau sind bereits angekündigt – vor allem in der Automobil- und Elektroindustrie. Angesichts der eng vernetzten Wertschöpfungsketten wird die Ausbreitung über die 9 M+E-Branchen nicht lange auf sich warten lassen. Unsere M+E-Unternehmen stehen vor einem schwierigen Jahr 2019: Anlass zur Sorge und mehr noch zur gründlichen Vorbereitung, fasste Mang die Ergebnisse der Frühjahrsumfrage zusammen.

Mehr zur Konjunktur lesen Sie hier


Liebe Mitglieder,

Sie kennen uns lange genug, um zu wissen, dass wir keine Schwarzmaler sind, aber auch keine Vogel-Strauß-Politik betreiben. Sie haben uns so auf das restliche Jahr eingestimmt. Sie haben uns gesagt, dass der Strukturwandel bei Ihnen jetzt so richtig in Gang gekommen ist in der digitalen Produktion.

Sie haben uns signalisiert, dass sich das Wachstum deutlich abschwächt und alle Indikatoren nun ins Minus gedreht haben. Dann bleibt uns Unternehmern ja nichts anderes übrig, als nüchtern diese Verschlechterungsprognose anzugehen und sich für die mageren Jahre zu rüsten, indem wir fokussiert auf Kostenreduktion und Produktivitätssteigerung setzen, um die Investitionen in die Zukunft stemmen zu können.Das alles kann auch nicht ohne Auswirkungen auf die kommende Tarifrunde bleiben. Vielmehr geht es jetzt darum, den Sozialpartner zu überzeugen und an seine Verantwortung zu erinnern, dass unsere Wettbewerbsfähigkeit erfolgsentscheidend ist – auch für die Arbeitnehmer und ihre Arbeitsplätze hier am Standort.  

Was wir uns als Ihr Arbeitgeberverband dazu vorgenommen haben, um Ihnen sowohl beim Strukturwandel als auch im Abschwung zu helfen, erfolgreich zu bleiben, das zeigt Ihnen mein Bericht bei der Mitgliederversammlung.

Zum Bericht geht es hier im Serviceportal

Nach der Europawahl: Wirtschaft stärken!

„Die EU soll durch eine wachstumsfreundliche Politik und bessere Rahmenbedingungen helfen, die europäische Wirtschaft im Wettbewerb mit Amerika und Asien zu stärken. Nur so kann sie in Zeiten mehrfacher sich wechselseitig verstärkender Herausforderungen Arbeitsplätze sichern und ausbauen.

Dazu gehören eine sich eintrübende Konjunktur, ein Strukturwandel durch Digitalisierung, Wirtschaft 4.0 und Künstliche Intelligenz sowie erhebliche geopolitische Unsicherheiten und Protektionismus“, formulierte Wolf Matthias Mang die Erwartung der hessischen Wirtschaft nach der Europawahl.

Sehr erfreulich sei die höhere Wahlbeteiligung. Das Wahlergebnis lasse vermuten, dass insbesondere die jüngere Generation klarere Lösungen und Antworten von der Politik erwarte, wie Klima- und Umweltschutz verbessert und wie Datenschutz mit der digitalen Transformation vereinbart werden könnten.

Die EU kann nur Garant einer sozialen Marktwirtschaft bleiben, wenn sie den Binnenmarkt um Digitales erweitert und diesen kombiniert mit einer offensiven Außenwirtschaftspolitik für offene Märkte nach vorne bringt.

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Bleiben Sie uns gewogen!

Herzliche Grüße
Ihr Dirk Pollert

Ansprechpartner
Dirk Pollert

Dirk Pollert
Hauptgeschäftsführer