Wir kämpfen jeden Tag um die Spitzenposition

Chef-Interview -  Wolfgang Weiß von Hedrich über die Chancen der Vakuum-Technologie
 

Wirtschaftszeitung Aktiv vom 15. Januar 2022

Ehringshausen. Die Hedrich Group, ansässig im hessischen Ehringshausen, ist ein Spezialist im Bau von Vakuumanlagen. Gut 230 Menschen arbeiten derzeit weltweit für das Unter­nehmen, das nach eigenen Angaben mit seinen Maschinen global führend ist: Zum Beispiel, wenn es um die Verarbeitung von Isoliermedien unter Vakuum-Bedingungen geht oder auch um Anlagen, die bei der Herstellung von Rotorblättern für Windkraftanlagen zum Einsatz kommen. aktiv sprach mit Geschäftsführer Wolfgang Weiß über die Faszination der Vakuumtechnologie und die damit verbundenen Chancen.

Vakuumtechnologie – da kann man sich ja erstmal nicht viel drunter vorstellen. Was ist für Sie das Faszinierende daran? 

Manchmal ist weniger eben wirklich mehr! Keine Aussage passt besser zum Vakuum, also zum luftleeren Raum, und zur Qualität der Produkte, die unter Vakuum-Bedingungen gefertigt werden. Gerade wenn es um Elektrizität im Mittel- oder Hochspannungsbereich geht, müssen die mit Gießharz oder Öl isolierten Bauteile möglichst frei von Lufteinschlüssen, Fehlstellen oder auch Feuchtigkeit sein: um mögliche Kurzschlüsse auszuschließen. Und genau das gelingt eben unter Vakuum. Auf den Bau von Vakuumanlagen für solche Anwendungen hat sich Hedrich spezialisiert und in dieser Sparte sind wir auch der Weltmarktführer.

Beachtlich. Wie kommt man in eine so starke Marktposition?

Indem man sich ganz auf die Kunden einstellt, sehr gute Leistung bringt und mit offenen Augen durch die Welt geht. Man muss stets sehen, was der Markt in Zukunft brauchen könnte oder wo sich neue Geschäftsfelder auftun. Wir sind Experte und Komplettanbieter für die Verarbeitung von Isoliermedien unter Vakuum zur Optimierung nichtleitender Eigenschaften im Bereich Gießharz- Öl-Papier- sowie Silikonanwendungen. Unsere Exportquote liegt bei circa 80 Prozent, wir haben ein zweites produzierendes Werk in China sowie 30 Vertretungen weltweit, damit sind wir immer nah am Kunden. Die Zentrale hier in Ehringshausen ist zugleich auch das Technologiezentrum, in dem wir an neuen Anwendungen arbeiten. Das Thema Digitalisierung ist dabei ein wesentlicher Erfolgsfaktor.

Was gibt es denn so alles an neuen Anwendungen?

In der E-Mobilität sind wir schon lange mit dabei, weil wir wissen wie wir mit Elektrizität sicher umgehen. Bauteile für Elektromotoren und den E-Antriebsstrang müssen absolute Sicherheit garantieren und extremen Belastungen standhalten, sehr hohen Temperaturen zum Beispiel. Bei der Produktion von entscheidender Bedeutung ist deshalb eine fehlerfreie Isolation bzw. Imprägnierung der einzelnen Komponenten. Neben dem Vakuumverguss haben wir deshalb auch ein neues Träufelimprägnierungs-Verfahren entwickelt, womit wir gerade erst wieder einen wichtigen Auftrag von einem der Markführer im Bereich E-Mobilität erhalten haben. Auch für die erneuerbaren Energien werden unsere Anlagen gebraucht. Für die Herstellung von Windkraft-Rotorblättern haben wir eine vollautomatisch arbeitende Vakuum-Infusionsanlage entwickelt, die für höchste Qualität des Verbundwerkstoffes sorgt. Generell gilt: Unsere Kunden fordern Lösungen, die sich konkret an ihren individuellen Anforderungen orientieren. Hedrich-Produkte sind deshalb wie ein Maßanzug, genau auf den Bedarf des einzelnen Kunden zugeschnitten.

Hedrich ist ein „Hessen-Champion 2021“. Was bedeutet das für Sie?

Auf diesen Preis ist das ganze Team unglaublich stolz. Er ist Wertschätzung für das ungeheure Engagement, das hier jeder an den Tag legt. Abgesehen davon lässt uns dieser Titel regional aufleuchten und macht uns, wie aktuelle Bewerbungszahlen zeigen, offensichtlich noch attraktiver. Die Auszeichnung hilft uns also auch ganz praktisch.

Wo gibt es denn Probleme, von der Covid-Pandemie mal abgesehen?

Die derzeit bestehenden Lieferengpässe für notwendige Materialien für die Produktion unserer Produkte speziell im Elektrobereich, die steigenden Materialpreise und nicht zuletzt der Fachkräftemangel. Andererseits spielen uns die Energiewende und ihre ehrgeizigen Ziele auch in die Karten. Alternative Energien, E-Mobilität, selbstfahrende Fahrzeuge, Industrie 4.0: Der Energiebedarf wird unwillkürlich ansteigen, und auf diesen wachsenden Marktfeldern sind wir stark.

Hört sich nach Selbstläufer an ...

Ganz so leicht ist es nicht, denn wir haben gute Mitspieler auf der ganzen Welt. Wo viel Nachfrage ist, ist immer auch viel Konkurrenz. Also müssen wir uns weiter jeden Tag sehr engagieren, um neue Trends und Technologien rechtzeitig zu erkennen und damit unsere Kunden auch in Zukunft begeistern zu können.

Ein Blick voraus: Wo sehen Sie Hedrich in zehn Jahren?

Es gehört zu den Stärken von Hedrich technologische Trends genau zu beobachten und analysieren. Dabei ist es unser Ziel auf voraussichtliche Entwicklungen frühzeitig unsere Innovationen auszurichten.

Das war unser Erfolgsrezept und wird es auch bleiben. Konkret: Hedrich wird in 10 Jahren noch globaler aufgestellt sein, deutlich energieeffizientere Prozesslösungen
anbieten und immer wieder unsere Kunden mit neuen Ideen für die Applikationen der Energieerzeugung, Energieverteilung- und Anwendung überraschen

Warum sind Sie Mitglied bei HESSEN­METALL?

Während unserer langjährigen Mitglied­schaft konnten wir schon des Öfteren auf die juristische Beratung des Verbandes in arbeitsrechtlichen Fragestellungen zurückgreifen. Diese Unterstützung schätzen wir sehr.
Als Mitglied unterstützen wir den starken Verband HESSEN­METALL bei der politischen Vertretung der Interessen der Metallindustrie und des Maschinenbaus auf Regional- und Bundesebene. Besonders nützlich ist zudem die permanente Bereitstellung von Informationen zu aktuellen Themen. Von Corona-Maßnahmen über arbeitsorganisatorische Optimierung bis hin zur personalwirtschaftlichen Beratung.

Zur Person: Wolfgang Weiß

  • Geboren 1964 in Plattling (Bayern).
  • Studium Wirtschaftsingenieurwesen und Maschinenbau an Hochschulen in Regensburg und München.
  • 1989 Berufsstart bei Audi in Ingolstadt.
  • Verschiedene Management-Positionen unter anderem bei Rittal in Herborn, Austria Haustechnik in Rottenmann und Brück in Saarbrücken.
  • Seit 2020 CEO der Hedrich Group.

Text: Maja Becker-Mohr