Bildung ist der Schlüssel zur Freiheit

Chefin-Interview - Désirée Derin-Holzapfel  von friedola 1888 engagiert sich fürs BWHW

Wirtschaftszeitung Aktiv vom 2. Juli 2022

Meinhard-Frieda/Bad Nauheim.
Von Tischdecke und Yogamatte bis zum Kunstleder für Nutz- und Schienenfahrzeuge: friedola 1888 ist mit gut 250 Mitarbeitern ein führender Anbieter von Schäumen, Folien und beschichteten Trägerbahnen aus Kunststoff, die in allen erdenklichen Branchen zum Einsatz kommen.  aktiv sprach mit Désirée Derin-Holzapfel, Geschäftsführerin des 1888 im nordhessischen Frieda gegründeten Unter­nehmens, über ihr Engagement als Unternehmerin in der fünften Generation.
 
Wollten Sie schon immer Unternehmerin werden?  

Ja, das war für mich gar keine Frage, zumal ich als Kind natürlich auf einer Wachstuchtischdecke von friedola gemalt und gebastelt habe. Später bekam ich dann mit, dass man ein Unter­nehmen gestalten muss, damit es eine Zukunft hat. Nur so wird man der Verantwortung gerecht, die man für den Betrieb und die Beschäftigten trägt. Meine Ausbildung habe ich deshalb gezielt darauf ausgerichtet, in die Firma einmal als fünfte Generation einzusteigen.

Was fasziniert Sie an friedola?  

Das große Spektrum der Produkte rund um die textile Beschichtung und die Fähigkeit, uns seit der Gründung 1888 immer wieder auf Neues einzustellen. Heute sind wir der führende Qualitätsanbieter von kunststoffbasierten Produkten. Wir fertigen Folien für Pools, Yogamatten, Kunstrasen, Drainage und Dämmschichten für Golfabschlagsmatten oder Antirutschmatten für die Ladungssicherung. Auch bei technischen Textilien sind wir stark und produzieren zum Beispiel individuelle Folien, die man bei Beton-Gießverfahren braucht, im Fahrzeugbau oder bei der Sanierung von Kanälen. Wir reagieren auf Trends und entwickeln auf Kundenwunsch auch ganz Individuelles.

Haben Sie dafür ein Beispiel?  

Mit unseren recycelten Outdoorteppichen treffen wir gerade gut den Zeitgeist und natürlich auch mit unserem Nachhaltigkeitskonzept. Alle Produkte werden ausschließlich nach strengen sozial- und umweltverträglichen Auflagen gefertigt und entsprechend zertifiziert. Mit diesen grünen Siegeln und dem „Made in Germany“ punkten wir zunehmend, nicht zuletzt in den USA, unserem größten Absatzmarkt für Yogamatten.

Im Ehrenamt sind Sie Vorstandsvorsitzende des Bildungswerks der hessischen Wirtschaft. Warum?  

Wie friedola ist auch das Bildungswerk gut darin, Trends zu erkennen und schnell darauf zu reagieren. Aber davon unabhängig ist Bildung, auch berufliche Bildung, für die Gesellschaft, wie auch für die Unter­nehmen und jeden Einzelnen, eine der zentralen Zukunftsfragen. Sie ist deshalb so wichtig, damit wir konkurrenzfähig bleiben. Und auch für jeden Einzelnen, damit er einen passenden Platz im Berufsleben und damit einen wichtigen Schlüssel zur Zufriedenheit und gesellschaftlichen Teilhabe, vielleicht sogar zum eigenen Glück findet. Genau hierfür leistet das Bildungswerk einen wichtigen Beitrag. Und deshalb trage auch ich hier gerne meinen Teil bei und bringe meine praktischen Erfahrungen insbesondere bei der Gestaltung von Firmenangeboten mit ein.

Haben Sie selbst schon Seminare besucht? Nutzen Ihre Beschäftigten die Angebote des BWHW?

Natürlich nutzen wir als Unter­nehmen das breite Seminarangebot, etwa zur Weiterentwicklung eigener Kompetenzen und nicht zuletzt auch zur Unterstützung unserer Auszubildenden. Das BWHW hat sehr viele Außenstellen, unter anderem auch eine in Eschwege und damit ganz in unserer Nähe. Das macht Vieles einfacher. Ich selbst bin jedes Jahr auch gerne bei den Veranstaltungen der dazugehörigen Landesarbeitsgemeinschaft SCHULEWIRTSCHAFT Hessen. Ich bin deren Sprecherin der Wirtschaft.

Was fasziniert Sie am BWHW?  

Dazu kann ich mehr sagen als Sie Platz haben. Letztlich ist es eine dynamische Organisation mit bodenständiger Tradition, wie ich das auch aus unserem Unter­nehmen kenne. Zu meinen derzeitigen Lieblingsseminaren gehört der Crashkurs zur Gestaltung der digitalen Transformation in Unter­nehmen. So etwas brauchen wir gerade jetzt. Mich begeistert die Vielfalt des Angebots, die Innovationsfähigkeit der Mitarbeitenden und damit die Anpassungsfähigkeit und Leistungsfähigkeit des BWHW.

Wieviel Wandel musste und muss das Bildungswerk meistern? Wie wandelte sich zum Beispiel das Angebot?

Wurden vor 50 Jahren vor allem Beschäftigte der Unter­nehmen geschult, traten im Laufe der Jahrzehnte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen, wie z.B. berufliche Orientierung oder ausbildungsbegleitende Hilfen, stärker in den Vordergrund. Über die Zeit gleich geblieben sind praxisnahe Angebote in und mit Betrieben im ersten Arbeitsmarkt. Freilich muss das Bildungswerk stets auf der Höhe der Zeit agieren, um Beschäftigte, wie auch Unter­nehmen selbst, in Fragen des technologischen Wandels unterstützen zu können. Neben solchen inhaltlichen Aspekten wandelten sich aber auch die Angebotsformate. Zu den Seminaren in Präsenzform wurde das Online-Angebot massiv ausgebaut. So nehmen Beschäftigte jetzt auch aus dem Büro oder dem Home-Office an den Seminaren teil. Und auftragsärmere Zeiten oder Kurzarbeit werden damit für notwendige Fortbildungen nutzbar.

Wie sieht die Zukunft des Bildungswerks aus?  

Es soll auch künftig die erste Adresse für Unter­nehmen und öffentliche Auftraggeber sein. Deshalb muss es weiterhin agil sein und wie ein Seismograph erkennen, was Unter­nehmen, deren Beschäftigte oder jene, die es werden wollen, jetzt und künftig benötigen. Dazu gehört, die neuen Möglichkeiten der Digitalisierung zu nutzen, ohne die weiterhin gefragten Präsenzangebote zu schmälern. Letztlich gelingt das alles nur durch das Interesse am Menschen.

Wo sehen Sie die größte Herausforderung für die Zukunft - für Sie persönlich, für das Bildungswerk oder auch für die Gesellschaft?

Wir müssen dem Wandel standhalten, indem wir ihm offen begegnen. Das gilt für die Gesellschaft ebenso wie für das BWHW und auch für mich persönlich. Wenn wir es schaffen, den Wandel sogar mitzuprägen, schaffen wir Gestaltungsspielraum - sei es für den technischen Wandel oder den Klimawandel. Doch bei alldem wollen wir verantwortungsvoll jene im Blick behalten, die das alles ermöglichen: unsere Mitarbeitenden, unsere Familien und auch uns selbst. Sie sind, wie das Bildungswerk, auch in Zukunft ein bedeutender Teil unserer Gesellschaft.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten bei einer guten Fee?

Dann würde ich mir mehr Bildung wünschen. Ich würde mir wünschen, dass man Bildung auch in den entlegensten Winkel der Welt bringen könnte. Denn sie ist der Schlüssel zur Wertschätzung von Frieden und Freiheit.          

Zur Person:

Désirée Derin-Holzapfel

  • Geboren 1971 in Eschwege.
  • Betriebswirtschaftsstudium – Schwerpunkt Finanzen – mit Bachelor- und MBA-Abschluss in den USA.
  • 1996 - Messe München, später B. Braun Melsungen.
  • Seit 2004; Geschäftsführerin von friedola Living und seit 2016 Geschäftsführerin von friedola 1888 in Frieda