Ausbildung in Zeiten von Corona: Interview mit Carsten Brust (Ausbildungsleiter der Opel Automobile GmbH)

Die Entwicklungen rund um die Corona-Pandemie haben auch die Ausbildungsabläufe in den HESSEN­METALL-Mitgliedsunternehmen stark beeinflusst. Carsten Brust, Ausbildungsleiter der Firma Opel, hat uns Einblicke gewährt. In seinem Team betreuen 31 Ausbilderinnen und Ausbilder 209 Auszubildende und 55 dual Studierende.

HM: Herr Brust, die Corona-Pandemie hat von heute auf morgen unser Privatleben, aber auch die Abläufe in Unter­nehmen völlig auf den Kopf gestellt. Vor welchen Herausforderungen standen Sie als Ausbildungsleiter plötzlich im März dieses Jahres?

Carsten Brust: Natürlich ging es in erster Linie darum, unsere Mitarbeiter zu schützen. Denn ihre Gesundheit ist unsere Priorität. Und so haben wir auch gehandelt. Nachdem deutlich wurde, dass das Corona-Virus sich großflächig ausbreitet und nachdem auch die Berufsschulen das Homeschooling eingeführt haben, haben wir am 17. März entschieden, die Berufsausbildung vorübergehend zu schließen und alle Auszubildenden in das mobile Lernen zu senden. Das war auch für uns eine völlig neue Situation.

HM: Wie haben Sie und Ihr Team die Auszubildenden in dieser Zeit betreut?

Carsten Brust: Das bereits erwähnte mobile Lernen basiert auf der Betriebsvereinbarung zum mobilen Arbeiten des Unter­nehmens. Die Ausbilder haben dabei mit ihren Auszubildenden jeweils das Vorgehen abgestimmt. Das ist sehr vielfältig. Zum Teil läuft es per E-Mail, zum Teil per Videokonferenzen. Die kaufmännischen Auszubildenden sind dabei ganz normal an ihre Versetzungsstelle angegliedert.

HM: Vor nicht allzu langer Zeit haben einige Ihrer Auszubildenden an dem Projekt DIGITALazubi des Bildungswerks der Hessischen Wirtschaft teilgenommen. Einer Ihrer Ausbilder lässt sich zudem zum Trainer schulen, um das Projekt künftig auch im Unter­nehmen umsetzen zu können. Welches Ziel hatte das Projekt und konnten Sie in der jetzigen Phase davon schon profitieren?

Carsten Brust: Das Ziel hinter der Zusatzqualifikation ist es, Auszubildenden grundlegende Kompetenzen zu vermitteln, um die berufliche Handlungsfähigkeit in der digitalisierten Arbeitswelt zu fördern. So schreibt es das Bildungswerk Hessen. Im Grunde wurde den Auszubildenden gezeigt, wie man berufs- und auch firmenübergreifend Projekte durchführen kann. Dabei wurden viele Hilfsmittel, wie Programme für Videokonferenzen, Präsentationen, Planung usw. gezeigt. Auch Sicherheit im Internet war ein Thema. Das hat uns in der Situation geholfen, mobiles Lernen im Rahmen von DIGITALazubi tatsächlich digital durchzuführen.

HM: Wie steht es Ihrer Meinung nach um die Digitalisierung in der Ausbildung im Allgemeinen?

Carsten Brust: Die Digitalisierung steckt an vielen Stellen noch in den Kinderschuhen. Neben hohen Investitionskosten sind verbindliche Abläufe und Prozesse zu erarbeiten und mit dem Sozialpartner zu vereinbaren. Das nimmt eine gewisse Zeit in Anspruch.  

HM: Ein Teil Ihrer Auszubildenden sind nun wieder zurück im Werk. Einige von ihnen werden in wenigen Wochen in ihre Abschlussprüfungen gehen. Geben Sie uns einen Einblick, wie der Ausbildungsalltag heute (Anm. d. Redaktion: 28.05.2020) aussieht.

Carsten Brust: Wir sind seit einiger Zeit zur Vorbereitung auf die Sommerprüfung mit etwas mehr als 50 Auszubildenden wieder zurück im Werk. Es gelten strenge Gesundheitsmaßnahmen wie z.B. das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes, ein grundsätzlicher Abstand von min. 1,5 m und das regelmäßige Reinigen und Desinfizieren von Arbeitsplatz und Werkzeug. Die Arbeitsplätze wurden dafür räumlich entzerrt bzw. gesperrt, um den Mindestabstand einhalten zu können. Auch die Laufwege im Gebäude und den Treppenhäusern wurden neu eingerichtet, z.B. mit Einbahnstraßenregelungen. Aktuell arbeiten wir daran, weitere Auszubildende wieder ins Werk zu holen.

HM: In wenigen Monaten beginnt das neue Ausbildungsjahr. Hat die Corona-Pandemie den Bewerbungs- und Einstellungsprozess beeinflusst und wie viele junge Menschen beginnen im Herbst eine Ausbildung oder ein duales Studium bei Opel?

Carsten Brust: Da der Bewerbungsprozess schon seit Juli letzten Jahres läuft, haben wir keine Auswirkungen durch Corona. Insgesamt beginnen am 1. September dieses Jahres 120 junge Menschen ihre Ausbildung bzw. ihr Duales Studium bei Opel in Rüsselsheim.  

HM: Im Sommer werden die ersten Bewerbungen für den Ausbildungsbeginn 2021 bei Ihnen eingehen. Können Sie schon etwas zu den Einstellungszahlen im kommenden Jahr sagen?

Carsten Brust: Auch für das Jahr 2021 haben wir 120 Ausbildungs- und Duale Studienplätze geplant und werden in wenigen Wochen mit den Ausschreibungen und Einstellungen dafür beginnen.

HM: Abschließend haben Sie nun die Möglichkeit, für ein Berufsbild zu werben, das bei den jungen Menschen nur wenig im Fokus steht, aber gute Berufsaussichten bietet.

Carsten Brust: Da entscheide ich mich für den Zerspanungsmechaniker. Diesem Beruf haftet scheinbar noch immer das Vorurteil von Arbeiten unter Lärm, Dreck und Öl an. Dabei ist es meiner Meinung nach mittlerweile schon fast ein IT-Beruf, in dem Programmierkenntnisse und räumliches Vorstellungsvermögen die Hauptrolle spielen. Auch die Einsatzgebiete nach Abschluss der Berufsausbildung sind sehr vielfältig, angefangen vom Design und dem Prototypenbau über die Produkt- und Anlagenentwicklung bis hin zur Instandhaltung und Produktion.