CEO-Interview mit Stefan Krug

Stefan Krug von in-Tec

 

Wirtschaftszeitung Aktiv vom 4. Juni 2022

 

Chef-Interview - Stefan Krug von in-Tec über gefragte Hochvoltkabel, Baugruppen und sensible Bauteile

Bensheim. Wer in-Tec in Bensheim besucht, sieht vor allem eins: Orange. Die leuchtende Farbe kennzeichnet Hochvoltkabel, die für die E-Mobilität gebraucht und hier schon seit Jahren konfektioniert werden. Denn das Familienunternehmen gilt als führend, wenn es darum geht, sichere Hochvolt-Verkabelung zur Elektrifizierung von Antrieben zu fertigen. aktiv sprach mit Gründer und Geschäftsführer Stefan Krug über seine täglichen Herausforderungen.

 

Wie haben Sie es geschafft, dass E-Fahrzeughersteller an in-Tec nur schwer vorbeikommen?  

Als die E-Mobilität Thema wurde, waren wir als Systemlieferant von Anfang an mit im Boot und unterstützten die Ingenieure unserer Kunden bei deren Entwicklungsarbeit. Bei einem Hersteller von fahrerlosen Transportsystemen haben wir beispielsweise die komplette Elektrifizierung begleitet. Unsere Auftraggeber profitieren von fachkundiger Beratung und Komplettkonzeption der Hochvolt-Verkabelung. Die Fertigung von Prototypen in einer geringen Menge bis 50 Stück zählt ebenso zu unserem Tagesgeschäft wie die Serienfertigung in großen Stückzahlen. Wir setzen daher auf den Low Volume High Mix. In Kooperation mit dem Kunden entwickeln wir individuelle Lösungen, sollten noch keine Muster zur Verfügung stehen.

Und das macht in-Tec für alle E-Fahrzeuge?

Nein. Bei Pkws sind wir nur noch beim Prototypenbau oder Pilotprojekten dabei - ganz aktuell mit Brennstoffzellen. Deshalb verarbeiten wir hier schon Stecksysteme, bevor diese im Markt etabliert sind. Mich reizt besonders die Entwicklung im Off-Highway-Bereich. Außerhalb des Straßenverkehrs, im Bau, auf Flughäfen oder in der Landwirtschaft sind Maschinen im Einsatz, die Höchstleistungen erbringen müssen. Die mitzuelektrifizieren ist sehr spannend. Auch der maritime Bereich ist ein Zukunftsmarkt, der sich gerade sehr schnell entwickelt. Schon bald wird es auf den Meeren und Seen eine Vielzahl von e-betriebene Schiffen und Boote geben.  Auch für die erste skandinavische E-Fähre haben wir schon Stecker HV- Verkabelungen geliefert. Man ist einfach überall die dicken Dieselwolken leid.

Wie fing bei in-Tec alles an?

Ich liebäugelte schon immer mit der Selbstständigkeit. Als in den 1990ern mein damaliger Arbeitgeber Siemens eine Outsourcing-Kampagne startete, sah ich das sofort als Chance. Siemens in Bensheim – heute der Dentaltechnikspezialist Dentsply Sirona – sicherte uns für fünf Jahre Aufträge zu. Das machte die Entscheidung leichter. Gemeinsam mit einem Kollegen fingen wir 1994 im Nebenerwerb in einer Garage an, Kabel zu konfektionieren. Im Prinzip all die Schläuche und Kabel, die es rund um einen Zahnarztstuhl gibt. Das Material lieferte Siemens. 1996 konzentrierten wir uns ganz auf unser Unter­nehmen, übernahmen auch Beschaffung und Logistik und wuchsen schneller als gedacht durch Baugruppenmontagen, Kabelkonfektionierung und die Fertigung hochwertiger Bauteile für Unter­nehmen der unterschiedlichsten Branchen.

Wie sieht es heute aus?   

Wir haben nun über 100 Mitarbeiter und fünf Azubis. Neben meiner Frau sind auch meine beiden Söhne inzwischen dabei. Dentsply Sirona ist immer noch ein guter Kunde. Allein 2021 haben wir 125.000 Instrumentenschläuche für verschiedene Dentalhersteller hergestellt. Und wir spüren den Erfolg rund um die Hochvoltkabel. 2019 hatte der HV-Bereich einen Umsatzanteil von 4 Prozent, 2021 waren es bereits 28 Prozent bei 150 Kunden. Tendenz steigend. Und wir konnten 30 neue Arbeitsplätze schaffen. 2021 haben wir unser ein Tochterunternehmen, die in-Tec Project & Competence Center GmbH gegründet. Diese entwickelt tragfähige und effiziente Lösungen für die Zukunft. Das in-Tec Project & Competence Center ist Ansprechpartner für Industrieunternehmen, die E-Mobilität- und Medizintechnik-Branche. Man kennt uns als Produktionsunternehmen, aber nur wenige wissen, wieviel Entwicklungs-Knowhow wir haben.


Wo sehen Sie aktuell für in-Tec die größten Herausforderungen?

Es ist immer eine Herausforderung am Ball zu bleiben und Trends rechtzeitig zu erkennen. Man muss deshalb ständig an seinen Themen dranbleiben und ein Gespür für diese Trends entwickeln. Nur wenn man diese erkennt, kann man sich auch früh darauf einstellen. So haben wir schon zu einem Zeitpunkt in die E-Mobilität investiert, als andere sich noch gar nicht vorstellen konnten, welche Chancen sich hier für den Mittelstand ergeben. Daneben wird die Besetzung neuer Stellen immer schwieriger, vor allem wenn man wie bei uns noch viel Handarbeit erforderlich ist. Und nicht zuletzt wird das, was sich Behörden und Verwaltungen so alles einfallen lassen zur wirklich großen Herausforderung. Die Administration wird immer umfangreicher, wie gerade jetzt wieder mit dem neuen Lieferkettengesetz. Wie kann man für E-Mobilität werben und gleichzeitig die Strompreise erhöhen? Wir wissen gerade nicht, wie man alle Ausgaben stemmen soll von steigenden Preisen bei den Zulieferern, für Energie und Logistik bis zu Sonderbelastungen wie die Ausgaben für Corona-Maßnahmen, die uns bisher über 200.000 € gekostet haben. Und dann erhöht die Kommune auch noch die Grund- und Gewerbesteuer.  Mehr Unterstützung durch öffentliche Stellen wäre wünschenswert gewesen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten?

Dann würde ich mir Gesundheit für meine Familie und die ganze Belegschaft wünschen und - weiterhin innovative Partner und Kunden, mit denen wir die Zukunft ein Stück besser machen können. Getreu unserem Motto „Orange is the New Green“

Warum wurden Sie Mitglied von HESSEN­METALL?

Durch eine Empfehlung eines bekannten Unternehmers sind wir auf HESSEN­METALL aufmerksam geworden und kurz darauf bereits beigetreten. Durch HESSEN­METALL sind wir immer up-to-date hinsichtlich unserer Branche und der Region. Wir fühlen uns gut aufgehoben und schätzen das Netzwerk, welches wir durch unsere Mitglied­schaft nun haben, sehr.

 

in-Tec Chef Stefan Krug und Mitarbeiterin

 

Zur Person: Stefan Krug

  • Geboren 1966 im südhesssischen Jugenheim, verheiratet.
  • Ausbildung zum Bauschlosser und zum Schiffsmechaniker.
  • 1989 Siemens, heute Dentsply Sirona in Bensheim. Weiterbildung zum Industriemeister, Teamleiter Panoramaröntgengeräte.
  • 1994 Aufbau der Kabelkonfektionierung im Nebenerwerb.
  • 1996 Gründung von in-Tec in Bensheim