„Vom Startup zum Global Player“

Chef-Interview: Niklas Panten, einer der drei Gründer von etalytics in Darmstadt, über intelligente Systeme zum Energiesparen im großen Stil

Das ehemalige Darmstädter Start-up etalytics verbessert industrielle Energiesysteme mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) und digitaler Modelle. Das spart Energie­, reduziert Emissionen und macht Anlagen widerstandsfähiger. Jetzt wurde sogar der IT-Konzern Microsoft darauf aufmerksam.  aktiv sprach mit Dr. Niklas Panten, Gründer und Geschäftsführer von etalytics, über die Erfolgsgeschichte von drei ehemaligen Studenten der Technischen Universität Darmstadt.

Machten sich 2019 auf, um mehr Nachhaltigkeit in energieintensive Betriebe zu bringen: Die etalytics­Gründer Thomas Weber, Niklas Panten und Björn König (von links).

Wirtschaftszeitung Aktiv vom 20. Dezember 2025

etalytics erlebt eine rasante und beeindruckende Erfolgsgeschichte. Wie fühlt man sich da?

Manchmal können wir es selbst nicht fassen und sind sehr beeindruckt, wie sich das alles seit 2019 entwickelt hat. Wir haben aus der TU Darmstadt heraus zu dritt angefangen und nun arbeiten wir für große Rechenzentren sowie Unternehmen der Automobil-, Chemie- und Pharmaindustrie. Wir haben viele Preise gewonnen, die für die Finanzierung in der Startphase wichtig waren. Inzwischen haben wir feste Kunden und nun kam der TechKonzern Microsoft auf uns zu. Über sein Risikokapitalfonds M12 unterstützt er uns nun finanziell beim Aufbau eines Standortes in  den USA.

Was ist das Besondere an etalytics, dass sogar Microsoft auf Sie aufmerksam wurde?

Wir können industrielle Energiesysteme mit KI, digitalen Zwillingen und vorausschauenden Analysen optimieren. So senken unsere Kunden ihre Energiekosten, reduzieren die Emissionen und erhöhen die Resilienz der Anlagen.  Energieintensive Unternehmen können so bis zu 60 Prozent Strom in ihren Prozessen einsparen. Das bedeutet deutlich weniger Kosten und ist zudem ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz.

Regt es Sie auf, wenn Energie verschwendet wird, etwa wenn die Heizung bollert und ein Fenster aufsteht?

Ja! Aber bei uns geht es nicht um Kleinverbraucher und den Energieverbrauch im privaten Bereich oder in einem Büro. Es ist leicht zu verstehen, dass man Energie verschwendet, wenn man im Winter bei offenem Fenster heizt. Industriebetriebe und Rechenzentren sind dagegen sehr komplexe Systeme. Auch da geht es um Heizen, Lüften und Kühlen. Aber es ist schwierig zu erkennen, wo überall in geschlossenen Produktionsprozessen tatsächlich unwissentlich Energie verschwendet wird. Aber genau das kann unsere KI-Plattform etaONE®, die wir entwickelt haben.

 

Das Energy­Intelligence­ Team im Einsatz: Hier unterstützen etalytics-Mitarbeiter Kunden über Online-Calls bei der  Implementierung neuer Systeme

Wie kam die Idee, etalytics zu gründen?

Thomas Weber und ich haben uns an der TU Darmstadt kennengelernt. Im Rahmen unserer Promotion arbeiteten wir in der ETA-Fabrik und bauten sie mit auf. Sie ist ein Technologie- und Anwendungszentrum, in dem Maschinen, Versorgungssysteme und das Gebäude selbst als ein Gesamtsystem gesehen werden. Hier wird dann daran geforscht, wie man Energie und Ressourcen effizienter nutzen kann. Da die ETA-Fabrik eng mit Unternehmen zusammenarbeitet, haben wir schnell begriffen, dass es bei der Energieeffizienz in den Unternehmen großen Beratungsbedarf gibt. Eben weil die Prozesse dort so komplex sind. Also beschlossen wir, KI-basierte Software nicht nur zu entwickeln, sondern auch zu verkaufen. Björn König kannten wir ebenfalls über die TU. Er ist ein genialer Softwarearchitekt und stieg als Gründer mit ein, da er wie wir das Potenzial unserer Plattform erkannte. Uns drei eint unsere Leidenschaft für Deep Tech und nicht zuletzt das Thema Nachhaltigkeit.

Wie sind Sie Sie zum Ingenieurstudium gekommen?

Schon in der Schule hat mich die Logik hinter Mathe und Physik fasziniert und ich habe meine Leistungskurse entsprechend gewählt. Mit 16 habe ich mein erstes Unternehmen gegründet, eine Webdesign-Agentur. Um Technik und Wirtschaft zu verbinden, habe ich nach dem Abitur Wirtschaftsingenieur mit Schwerpunkt Elektrotechnik an der Uni in Kiel studiert. Dort brachte mich dann der Forschungsschwerpunkt Windkraft zum Thema Energie. Da ich wissen wollte, wie man damit effizient umgeht, kam ich als Nordlicht nach Darmstadt. Mit fehlt immer noch das Meer, auch wenn ich mich in Darmstadt sehr wohlfühle.

Hat Sie das Kooperationsangebot von Microsoft in diesem Jahr sehr beeindruckt?

Ja klar, wir alle und eigentlich das ganze Team war davon schon beeindruckt. Andererseits setzen wir aber sehr bewusst auf Investoren, um etalytics voranzubringen. Darunter ist zum Beispiel auch der deutsche Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer. Wir wissen, dass unser Produkt gut ist und in der ganzen Welt gebraucht wird. Und Risikokapitalgeber wie Microsoft M12 oder Carsten Maschmeyer suchen ja nach Investitionsmöglichkeiten mit guten Chancen, damit sich ihr finanzieller Einsatz für sie auch irgendwann rentiert. Das ist für uns schon Druck und ein enormer Antrieb. Für mich persönlich bedeutet das Ganze zudem eine besonders große Umstellung. Schon Anfang 2026 werde ich mit meiner Familie in die Nähe von San Francisco ziehen, um dort persönlich unseren US-Standort aufzubauen.

Bedeutet das, etalytics wird sogar ganz in die USA gehen?

Nein, es wird nur unser erster Standort außerhalb Deutschlands sein. Wir planen außerdem weitere Standort in Deutschland und in Asien. KI-Modelle wie ChatGPT verarbeiten riesige Datenmengen und Informationen und brauchen dazu leistungsstarke Grafikprozessoren. Für die Beantwortung einer einfachen Frage benötigt eine KI zehnmal mehr Strom als eine Suchmaschine wie etwa Google. Man geht derzeit davon aus, dass sich allein der Energiebedarf von Rechenzentren bis 2030 verdoppeln wird. Umso wichtiger ist es, dass man jede Möglichkeit zum Energiesparen nutzt. Wir helfen Rechenzentren dabei und davon sind gerade nicht nur in den USA jede Menge geplant - inklusive eigenem Kraftwerk. Aber von all dem ganz abgesehen hat uns alle drei unser Sommerfest in diesem Jahr sehr beeindruckt und schwer motiviert.

Auch im Vertrieb arbeiten bei etalytics IT­Spe­zialisten, da sie genau erfragen müssen, was ein neuer Kunde braucht

Was war das Besondere am diesjährigen Sommerfest von etalytics?

Wir sind 2019 zu dritt gestartet und zählen inzwischen 67 Beschäftigte aus zwölf Nationen. Fast alle kamen mit ihren Familien zu unserem diesjährigen Sommerfest. Das waren eine ganze Menge Menschen und genau das war uns bis dahin gar nicht so bewusst. Der Blick auf die bunte Gesellschaft hat uns klar gemacht, wieviel Verantwortung wir inzwischen tragen. Weil sie alle sich darauf verlassen, dass etalytics läuft und sie ihr Auskommen haben. Ich bin überzeugt, wir alle werden gemeinsam erstaunliche Dinge erreichen und unsere Träume von einer nachhaltigen Zukunft verwirklichen.

Wie geht es weiter bei etalytics?

Im Moment haben wir hier in Darmstadt knapp 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber Platz für gut 120 Beschäftigte.  Das gibt uns jetzt erst einmal Luft, um entspannt weiter wachsen zu können. Wir achten auf einen guten Mix von Homeoffice und der Arbeit hier vor Ort. Wir können unsere Produkte nur gemeinsam kontinuierlich weiter entwickeln. Dazu braucht es auch ein Wir- und Teamgefühl und das stellt sich schwerer ein, wenn jeder zuhause allein am PC arbeitet. Von Darmstadt aus bedienen wir bereits internationale Märkte mit Installationen u.a. in den Niederlanden, Polen und absehbar Spanien und Großbritannien. Durch die Unterstützung von Microsoft sind wir sehr optimistisch, was den US-Markt angeht. Denn dort werden in unglaublicher Geschwindigkeit neue Rechenzentren gebaut, übrigens aufgrund begrenzter Verfügbarkeit von Leistung am Markt teilweise gleich schon angelegt mit eigenen Kraftwerken. Im September haben wir erste Kontakte in Singapur geknüpft. Auch dort hat man Interesse an unserer Expertise und Lösung, denn der nachhaltige Umgang mit Ressourcen ist dort ebenfalls ein großes Thema. Wie schon gesagt: Wir wollen weiterwachsen und sind recht optimistisch, dass uns das auch dank gutem Produkt und der Nähe zu etlichen Venture Capital Investoren gelingen wird.

Warum wurden Sie Mitglied von HESSENMETALL?

David Kelm, ein Freund von uns und ebenfalls ein Gründer mit einem Start-up der TU Darmstadt, hat uns diese Mitgliedschaft sehr empfohlen. Er hat regelrecht geschwärmt von seinen eigenen, guten Erfahrungen – angefangen bei der Rechtsberatung bis zu den spannenden Netzwerk-Veranstaltungen. Und inzwischen wissen wir aus eigener Anschauung: Er hat nicht übertrieben.

Was wünschen Sie sich mit Blick auf das Neue Jahr?

Dass wir alle gesund bleiben und unsere Projekte gelingen. Dass der Aufbau des US-Standortes ein Erfolg wird für etalytics und auch meine Familie und ich dort gut ankommen. Und – da San Francisco am pazifischen Ozean liegt - vielleicht sogar ein bisschen Zeit für mich übrig bleibt, um dort das Meer zu genießen.

Zur Person:

Dr. Niklas Panten, geboren 1987 in Aachen.

  • 2007 Abitur in Kaltenkirchen, Schleswig-Holstein
  • Ingenieurstudium mit Masterabschluss 2014 an der Chris­tian- Albrechts-Universität Kiel
  • Auslandsaufenthalte in Schanghai und den USA
  • Promotion 2019 an der TU Darmstadt, zuletzt Forschungsleiter der ETA­Fabrik
  • Gründer und CEO von etalytics seit 2019

 

Niklas Panten

 

Interview: Maja Becker-Mohr // Fotos: Gerd Scheffler

Kontakt

etalytics GmbH
Leydheckerstraße 10

64293 Darmstadt

 

  +49 (6151) 3943890

  info@etalytics.com 

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