CEO-Interview mit Jochen Zaun

Jochen Zaun, Geschäftsführer der Georg Sahm GmbH & Co. KG Maschinenfabrik in Eschwege

 

28. September 2020

 

CEO im Interview: Jochen Zaun, Georg Sahm GmbH & Co. KG Maschinenfabrik, Eschwege

Unser Interview-Format „Fragen an den Geschäftsführer" hat zum Ziel, Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer mit ihren Unter­nehmen vorzustellen. Auf sieben Fragen werden Antworten auf wesentliche Einstellungen und Meinungen gegeben; persönlich, authentisch und unterhaltsam. An der Reihe, die sich im Abstand von zwei Monaten fortsetzt, können alle AGV-Mitglieder teilnehmen. Wir setzen die Serie fort mit Jochen Zaun. Er ist Geschäftsführer unseres Mitgliedsunternehmens Georg Sahm GmbH & Co. KG Maschinenfabrik in Eschwege.

 

Herr Zaun, seit wann besteht Ihr Unter­nehmen, wie viele Beschäftigte haben Sie, und was bietet das Unter­nehmen?

Die Firma SAHM besteht in diesem Jahr seit 75 Jahren. Eigentlich wollten wir dieses Jahr unser Jubiläum feiern. Leider mussten wir alle Feierlichkeiten wegen der Corona-Pandemie absagen. Die Gesundheit unserer Gäste sowie unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hat höchste Priorität.
Aktuell beschäftigen wir 227 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Standort Eschwege. Die komplette Wertschöpfung findet hier statt. Um unsere Kundschaft weltweit kompetent zu betreuen, haben wir in Fountain Inn, US-Bundesstaat South Carolina, unsere Schwestergesellschaft American Starlinger-Sahm mit Vertriebs- und Serviceunterstützung sowie unser Servicebüro in Guangzhou, China. Von 1945 bis 2002 war SAHM ein familiengeführtes Unter­nehmen der Familie Sahm. Seit 2002 sind wir Teil der weltweit agierenden Starlinger Gruppe, Wien, Österreich.

SAHM ist Technologieführer im Bereich automatischer Spulmaschinen für Hochleistungsgarne, wie z. B. Karbonfasern, die u. a. in Windrädern, Flugzeugen, Autos und Sportgeräten Anwendung finden sowie das präzise Auf- und Abwickeln von Sicherheitsstreifen, die in Geldscheinen oder Kreditkarten verwendet werden. Wenn Sie das nächste Mal einen Geldschein in der Hand halten, dann sind die Sicherheitsstreifen mit ziemlicher Sicherheit auf SAHM Spulmaschinen aufgespult worden.

Seit 1950 entwickelt, produziert und verkauft SAHM Spulmaschinen für die unterschiedlichsten Materialien in aller Welt. Wir sind der Spultechnik-Spezialist und bieten unserer Kundschaft maßgeschneiderte Spultechniklösungen für ihre Materialien und Anwendungen. Um unserer Kundschaft die bestmögliche Lösung zu bieten, betrachten wir die vor- und nachgelagerten Prozesse der Kundschaft und suchen nach Lösungen für ein optimales Spulenhandling. Letztes Jahr haben wir unser mobiles, vollautomatisches Spulentransportsystem in Kombination mit unserem automatischen Spuler TWINSTAR auf der größten internationalen Messe für Textilmaschinen in Barcelona vorgestellt.

Wie sind Sie zum Geschäftsführer geworden? Wie war Ihr bisheriger Werdegang?

Nach meiner Schulzeit habe ich eine Ausbildung als Maschinenbauer bei einem Sondermaschinenbaubetrieb in Kiebitzreihe Schleswig-Holstein absolviert. Im Anschluss ein Maschinenbaustudium mit Abschluss zum Diplom-Ingenieur. 1993 begann ich als mechanischer Konstrukteur in einem Unter­nehmen in Elmshorn Schleswig-Holstein. Die Firma hatte 25 Beschäftigte und war auf die Automation von Montage- und Fertigungsprozessen spezialisiert. Später übernahm ich dort Projektleitungen und wurde Konstruktionsleiter. Ab 2000 erhielt ich Prokura und war auch für Buchhaltung und Controlling zuständig. 2005 wechselte ich zu SAHM - zunächst als Entwicklungsleiter. Ab Mitte 2007 wurde ich zum Geschäftsführer ernannt.

Was schätzen Sie daran, Geschäftsführer zu sein?

Der Gesellschafter ermöglicht der Firma einen großen eigenen Gestaltungsspielraum. Diesen mit Kolleginnen und Kollegen zu gestalten macht großen Spaß. Prozesse mitzugestalten, das Wachstum der Firma mit zu begleiten und dennoch die Flexibilität zu behalten, die auf den heutigen Märkten notwendig ist, ist eine lohnende und erfüllende Aufgabe. Man lernt schnell, dass man die Welt nicht alleine aus den Angeln heben kann. Wenn aber viele das gleiche Ziel haben, gelingt das schon mal. Kolleginnen und Kollegen und Mitarbeitende dafür zu gewinnen und Teil dessen zu sein, ist wohl der größte und spannendste Teil meiner Arbeit.

Wie viel Freizeit haben Sie und was machen Sie damit?

Innerhalb der Woche können die Arbeitstage schon mal lang werden. An Wochenenden versuche ich den Ausgleich zu finden. Man muss aufpassen, dass man nicht nur auf die rein betrieblichen Belange fokussiert ist und vergisst, dass es vorwiegend um Menschen geht, die einen im Privaten begleiten wie auch die Menschen, mit denen man zusammen arbeitet. Um dann an den Wochenenden abzuschalten, trifft man sich mit Familie und Freunden. Als sportlichen Ausgleich Kitesurfe ich und fahre Rad. Besonders das Kitesurfen macht dabei den Kopf von allem frei. Dieser Sport verbindet mich auch mit meiner Heimat Schleswig-Holstein, wo es ausreichend Wind und Wasser gibt.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?

Es gibt verschiedene Herausforderungen, mit denen ein Unter­nehmen in Eschwege zu kämpfen hat. Der nächste Flughafen für Langstreckenflüge ist Frankfurt. Unsere internationale Kundschaft und auch unsere Beschäftigten, die zu den Kundinnen und Kunden reisen, haben eine lange Anreise. Dies ist nicht zu ändern. Allerdings punkten wir mit einer wunderbaren Landschaft, die unsere internationale Kundschaft immer wieder begeistert.

Der Fachkräftemangel in der Region macht auch uns zu schaffen. Seit vielen Jahren haben wir eine hohe Ausbildungsquote. Um junge, engagierte Menschen für unser Unter­nehmen zu begeistern, gehen wir auf Ausbildungsmessen oder veranstalten Inhouse-Messen, wie den „Tag der Ausbildung“, wo sich unsere zukünftigen Azubis und deren Eltern das Unter­nehmen ansehen und über die Berufe informieren können.

Wir bieten jungen Menschen, die sich in ihrer Ausbildung auszeichnen, sehr gute Perspektiven für ihr zukünftiges Berufsleben bei SAHM. Wir stellen aber auch immer wieder fest, dass die so gewonnenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sich mit dem Unter­nehmen identifizieren und gemeinsam mit dem Unter­nehmen wachsen.

Warum sind Sie Mitglied im Arbeitgeberverband geworden, und was schätzen Sie besonders am AGV?

Die fachliche Betreuung und Beratung durch den AGV ist sehr gut und wird in den Bereichen Arbeitsrecht und Personalmanagement von uns wahrgenommen. Wir fühlen uns in den Bereichen gut vertreten und schätzen die Kompetenz, die stete Erreichbarkeit und die dadurch erreichten Ergebnisse der jeweiligen Projekte und Arbeiten. Zudem werden wir umfassend mit nützlichen Informationen versorgt, die bereits das eine oder andere hausinterne Projekt initiiert haben.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach den Unternehmergeist bei Jugendlichen wecken?

Fördern, fordern und zeigen, dass Verantwortung Spaß machen kann. Fehler auch zulassen. Die Angst nehmen auch mal neue Wege zu gehen und ihnen dabei eine langfristige Perspektive in einem Unter­nehmen zu geben, das Aufstiegschancen bietet.

Vielen Dank, Herr Zaun!

Das Interview führte Frauke Syring, M.A.
Arbeitgeberverband HESSEN­METALL Nordhessen