Die Wasserprofis

Ausgetüftelte Anlagen zur Behandlung und Aufbereitung von Wasser und Abwasser des Familienunternehmens Almawatech helfen der Industrie, den Wasserverbrauch zu senken

Seit 25 Jahren steht ALMAWATECH in Babenhausen für die Behandlung und Aufbereitung von industriellen Prozess- und Abwässern. aktiv  sprach mit Firmengründer Gottlieb Hupfer und seiner Tochter Johanna Hüther über das kostbare Gut, ohne das viele Industrieprozesse gar nicht funktionieren würden – und über Unternehmertum, das auch nach Erreichen des Rentenalters oft nicht endet.

Gottlieb Hupfer und seine Tochter Johanna Hüther

Wirtschaftszeitung Aktiv vom 22. Juni 2024

Herr Hupfer, was zeichnet Wasserprofis wie Sie und Ihr Team aus?

Dass sie nicht nur über Wasser als ein kostbares Gut reden, sondern auch ganz genau wissen, was zu tun ist, um es zu schützen und wirklich gut damit umzugehen. Genau das tun wir hier bei ALMAWATECH und wir geben unser Knowhow weiter, damit Industriebetriebe das richtige Werkzeug haben, um eben gut mit Wasser umzugehen.

Und was heißt das genau?

Hüther: Wir planen, entwickeln und bauen Anlagen für die Aufbereitung und Behandlung von Wasser für die Industrie. Unsere Kunden stellen Zulieferteile her, produzieren Medikamente, Lacke, Kosmetik, Lebensmittel und vieles mehr. Für die dafür notwendigen Prozesse wird Wasser gebraucht. Das wird dann nach der Entnahme aus einem Fluss oder dem Boden gereinigt und nach Bedarf aufbereitet, ehe es in Systeme eingespeist wird. Auch die Abwässer, die in der Produktion entstehen, werden aufbereitet, erneut verwendet oder sauber in den Fluss zurückgeleitet. Jede Anlage wird individuell geplant, denn ein Metallbearbeiter produziert anderes Abwasser als etwa eine Molkerei. Oft gibt es auch weitere Anlagen im Werk, zum Beispiel ein kleines Kraftwerk, das eigenes Prozesswasser braucht. Für all diese unterschiedlichen Prozesse liefern wir auch maßgeschneiderte Chemieprodukte zur Reinigung und Aufbereitung. Auf Wunsch führen wir auch die regelmäßige Wartung der Anlagen durch gemäß Wasserhaushaltsgesetz, kurz WHG.

Mitarbeiter von der Firma ALMAWATECH an Bildschirmen

Und auch bei Abfällen können Sie helfen?

Hupfer: Wenn man sie innerhalb eines Werkes noch sinnvoll nutzen kann, ja. Ein Beispiel dafür ist Molke, die in wirklich großen Mengen in Molkereien anfällt. Deshalb kann man dort eine Biogasanlage integrieren, die über das Vergären der Molke dann für das Werk Energie gewinnt.  Auch solche Anlagen können wir entwickeln und planen. Es ist ideal, wenn man einen Kunden über ein komplettes Werk hinweg betreut. Als kleineres Unternehmen haben wir kurze Wege im Team, sind sehr flexibel und schnell. Heute telefoniere ich mit einem Kunden und morgen starten wir hier schon sein Entwicklungsprojekt. Durch die enge Kooperation mit Hochschulen sind wir dabei auch stark in der Forschung.

Ist der Fachkräftemangel für Sie ein Problem?

Hüther: Nein. Junge Ingenieure bleiben, weil sie hier ihre Bachelor- oder Masterarbeit gemacht haben und begeistert sind vom Betrieb, den Aufgabenstellungen, unserer Kundennähe und wohl auch davon, wie wir hier miteinander umgehen, nämlich respektvoll und sehr offen. Gemeinsame Mittagessen sind hier fast schon Kult. Junge müssen noch lernen und Erfahrung sammeln, deshalb sind Ältere im Team so wichtig, die natürlich auch von den Jungen viel lernen können.  Wir stellen gerne Quereinsteiger und Ältere ein, auch über 60-Jährige.

Hupfer: Ich bin inzwischen 71 und liebe meine Arbeit nach wie vor sehr - auch wenn ich kürzertrete. Ein starres Renteneintrittsalter halte ich für grundfalsch. Klar, in manchen Berufen, etwa am Bau, setzen die nachlassenden Kräfte Grenzen. Andere sind aber fit und würden in ihrem Beruf gerne länger arbeiten. Viele verzichten jedoch darauf, weil aufgrund der höheren Steuer kaum mehr Geld dazu käme. Es ist demotivierend, wenn sich Leistung nicht lohnt.

Mitarbeiter von der Firma ALMAWATECH in Babenhausen

Wie wichtig ist für Sie die Digitalisierung?

Hupfer: Ohne Digitalisierung könnten wir die Arbeit einstellen. Alles geht schon in der Planung und dann im Betrieb über Smartphones, QR-Codes und mehr. Wir arbeiten über eine Cloud und können so auf Anlagen für Wartungen oder bei Störungen zugreifen, wenn das der Kunde erlaubt. Aber leider ist Abwasser nun mal schmutzig, also verstopfen Siebe und verdrecken Messsonden, so dass sie falsche Werte liefern. Da sich der Dreck nicht von der Leitwarte aus wegschaffen lässt, muss jemand vor Ort anpacken - auch im digitalen Zeitalter.

Spielt auch Künstliche Intelligenz eine Rolle?

Hüther: Über kurz oder lang wird KI auch unsere Arbeit erleichtern. Aber es wird nie so weit gehen, dass der Kunde seine Ideen und Wünsche eingibt und die KI ihm dann eine fertige Anlagenplanung nebst individueller Konstruktion ausspuckt. Das wird auch in Zukunft sicher nur der Mensch können. Aber er wird dafür gute, KI-basierte Hilfsmittel bekommen. Etwa durch den Aufbau einer Art Expertendatenbank, in der über eine Stichwortsuche sofort klar ist, wie Stoffe wie etwa Essigsäure oder Phosphorsäure behandelt werden müssen. Eine KI könnte auch bei der Erstellung von dreidimensionalen Plänen helfen, denn das ist aktuell noch ein sehr aufwändiger Prozess. Aber ich befürchtete, dass unsere Ingenieure die gewonnene Zeit für die zunehmende Bürokratie und den Dokumentationspflichten insbesondere beim Thema Nachhaltigkeit brauchen werden. Während neue Technologien unser Leben auf der einen Seite erleichtern, wird unsere Arbeit durch Auflagen und neue Gesetze auf EU- wie Bundesebene leider immer anspruchsvoller und mühsamer.

Wo sehen Sie aktuell die größte Herausforderung für Ihr Unternehmen?

Wir sind aktuell sehr gut ausgelastet und müssen uns nun ranhalten, um die Auftragsflut gut zu bewältigen. Zudem müssen wir weiterwachsen. Dabei geht es nicht um mehr Gewinn, sondern darum, den Betrieb „frisch“ zu halten.  Wenn sie nicht wachsen, können sie als Unternehmen keine neuen Mitarbeiter einstellen. Aber die bringen frischen Wind, neues Wissen und neue Ideen und tun so dem ganzen Betrieb gut.

Mitarbeiter und Firmengründer Gottlieb Hupfer (rechts)

Frau Hüther, war es für Sie immer der Plan, bei ALMAWATECH mit einzusteigen?

Nein, aber Wasser und Abwasser waren mir immer vertraut, da mein Vater auch zuhause über seine Arbeit sprach. Und ich habe sehr früh begriffen, was für ein schützenswertes Gut es ist. Als er dann fragte, ob ich bei AP System Engineering einsteigen möchte, musste ich nicht lange überlegen. Ich lerne gern und finde mich leicht in neue Themen ein. Wir beide verstehen uns sehr gut und haben ein tolles Team mit hochkarätigen Spezialisten nicht nur im Technikbereich, auf das ich mich verlassen kann.

Herr Hupfer, wollten Sie denn immer Unternehmer werden?

Ebenfalls: Nein. Nicht alles lässt sich planen. Manche Dinge ergeben sich einfach. Nach meiner Mechanikerausbildung habe ich an der Abendschule mein Abitur nachgeholt und dann Maschinebau sowie Wirtschaftsingenieurwesen studiert. In meiner ersten Stelle als Ingenieur ging es um chemische Produkte, unter anderem auch zur Aufbereitung von Wasser. Darüber lernte ich den Schweizer Gründer der EnviroChemie kennen, wechselte zu ihm in die Schweiz und baute dann gemeinsam mit ihm die deutsche Niederlassung auf, heute EnviroChemie in Roßdorf bei Darmstadt. Er stieg später aus und ich wurde einer der Gesellschafter des Unternehmens, das sich unter meiner Leitung über die Jahre zu einem international tätigen Anlagenbauer entwickelte. Nach 40 Jahren schied ich dann mit 62 Jahren aus, verkaufte meine Anteile an den neuen Mehrheitsgesellschafter und behielt das Tochterunternehmen AP System Engineering. Ich hatte kurz sogar damit geliebäugelt, ganz aufzuhören und mich nur noch meinem Hobby, der Schafzucht zu widmen. Aber irgendwie brauchte ich doch mehr.


Gottlieb Hupfer:

  • geboren 1954 in Stetten am Hochrhein
  • Mechanikerausbildung, Abendschule, Studium Maschinenbau- und Wirtschaft in Konstanz und Offenburg
  • 1982 Berufseinstieg, 1984 Wechsel zu EnviroChemie
  • 1988 bis 2016 CEO der EnviroChemie
  • 1999 Gründung der AP System Engineering
  • 2018 Umfirmierung zu ALMAWATECH

Johanna Hüther:

  • geboren 1989 in Dieburg
  • Studium Kulturwissenschaften in Freiburg und Wirtschaftsgeographie in Tübingen
  • 2016 Einstieg bei AP System Engineering, heute ALMAWATECH.
  • Seit 2020 Mitglied der Geschäftsleitung von ALMAWATECH

Interview: Maja Becker-Mohr

Fotos: Gerd Scheffler

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