CEO-Interview mit Dr. Frank Grote

Dr. Frank Grote, Geschäftsführer der FRANK Walz- und Schmiedetechnik GmbH in Hatzfeld-Reddighausen

 

1. April 2020

 

CEO im Interview: Dr. Frank Grote, Geschäftsführer der FRANK Walz- und Schmiedetechnik GmbH, Hatzfeld-Reddighausen

Unser Interview-Format „Fragen an den Geschäftsführer" hat zum Ziel, Geschäftsführer mit ihren Unter­nehmen vorzustellen. Auf sieben Fragen werden Antworten auf wesentliche Einstellungen und Meinungen gegeben; persönlich, authentisch und unterhaltsam. An der Reihe, die sich im Abstand von zwei Monaten fortsetzt, können alle AGV-Mitglieder teilnehmen. Wir setzen die Serie fort mit Dr. Frank Grote. Er ist Geschäftsführer unseres Mitgliedsunternehmens FRANK Walz- und Schmiedetechnik GmbH in Hatzfeld-Reddighausen.

 

Herr Dr. Grote, seit wann besteht Ihr Unter­nehmen, wie viele Beschäftigte haben Sie, und was bietet das Unter­nehmen?

Die Firma FRANK Walz- und Schmiedetechnik wurde bereits 1836 in Reddighausen gegründet und später dann Teil der Frank AG mit Hauptsitz in Dillenburg. Im Rahmen der Insolvenz der Frank AG erfolgte ein Management-Buy-Out dieses ursprünglichen Unter­nehmensteils und die Eigenständigkeit wurde wiederhergestellt. In den darauffolgenden Jahren hat sich Frank zu einer Unter­nehmensgruppe mit sechs Standorten in Deutschland, Ungarn, der Ukraine und Russland weiterentwickelt und beschäftigt heute 350 Mitarbeiter. Den Schwerpunkt der heutigen Tätigkeit bildet die Herstellung von Verschleiß- und Konstruktionsteilen für die Agrartechnik, die weltweit an Maschinenhersteller, aber auch im After Sales Market unter dem Markennamen Frank Original vertrieben werden.

Wie sind Sie zum Geschäftsführer geworden? Wie war Ihr bisheriger Werdegang?

Parallel zu meinem Studium der Werkstoff- und Wirtschaftswissenschaften an der RWTH Aachen habe ich bereits viele Unter­nehmensprojekte an einem An-Institut der Hochschule begleitet sowie die Qualitätssicherung in einem Stahlwerk in Belgien geleitet. Nach Studienabschluss beschloss ich, zunächst als Projektleiter im Bereich Luftfahrt und Automobil in einer anwendungsnahen Forschungseinrichtung vielfältiges Wissen zu erwerben. Dabei habe ich zeitgleich die Möglichkeit genutzt zu promovieren. In dieser Zeit ist bei mir der Wunsch entstanden, Ideen schnell und unbürokratisch umzusetzen. Dieses war meiner Meinung nach nur im Bereich des deutschen Mittelstands möglich. Dem ich mich seitdem verschrieben habe. In der Folge war ich zunächst eine kurze Zeit als Assistent in einer großen Freiformschmiede tätig, bevor ich dort die Geschäftsführung übernahm. Seit Ende 2011 bin ich nunmehr Geschäftsführer der FRANK Walz- und Schmiedetechnik sowie der Frank Gruppe, die ich sukzessive vom europäischen zum globalen Marktführer weiterentwickeln möchte. Dazu ist in der Gruppe ein starker Wandel in Richtung der Automatisierung der Produktion notwendig, die mittlerweile schon weit fortgeschritten ist. Darüber hinaus ist es unser Ansinnen, die von uns gefertigten Bauteile mittels Sensortechnik intelligent zu machen, so dass wir in naher Zukunft mit vermehrt autonomen Anwendungen in der Agrartechnik rechnen können.

Was schätzen Sie daran, Geschäftsführer zu sein?

Von Anbeginn meiner Tätigkeit als Geschäftsführer schätze ich es, Ideen bzw. Visionen in die Realität umzusetzen. Dabei hilft natürlich die Position, Entscheidungen treffen zu können und eine Idee trotz eines unverkennbaren Risikos auszuprobieren sowie zur Prozess- oder Produktreife weiterzuentwickeln. Wie viele aus eigener Erfahrung wissen, gelingt dieses nicht immer, aber auch ein missglückter Versuch hilft, den richtigen Weg einzuschlagen. Diese Freiheit, die ich vor allen Dingen im Mittelstand sehe, bringt mir den Spaß bei der täglichen Arbeit. Darüber hinaus bringt die Position des Geschäftsführers natürlich auch immer eine große Verantwortung für die Mitarbeitenden und deren Familien mit sich. Viel Freude bereitet es dann, wenn sich alle als Team verstehen und wir uns Schritt für Schritt weiterentwickeln und unserer Vision „Wir beackern die Welt“ Stück für Stück näherkommen.

Wie viel Freizeit haben Sie und was machen Sie damit?

Ein entscheidender Faktor bei der Arbeit ist für mich der Spaß an der Sache – egal, ob es sich um Produkte oder Prozesse handelt. Somit mache ich mir über die wöchentliche Arbeitszeit als auch den Wochentag nicht grundsätzlich Gedanken. Gerne nutze ich jedoch die freie Zeit zum Tennis spielen, zum Kochen, Lesen oder für Besuche von Kunstausstellungen und Konzerten.

Welches sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen für unsere Region und haben Sie Lösungsansätze?

Aus meiner Sicht ist das größte Manko der Region - und das gerade im ländlichen Raum, in dem wir beheimatet sind - die Infrastruktur. Damit meine ich nicht nur die verkehrstechnische Anbindung – wir benötigen bis zur nächsten Autobahn mind. 45 Minuten Fahrzeit – nein, auch die Erreichbarkeit des Arbeitsortes mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht gegeben. Das stellt für die Anwerbung von Auszubildenden ein großes Problem dar. Daneben spielt für uns die Anbindung an schnelle Datennetze eine immer größere Rolle: Zum einen ist diese für die Zusammenarbeit der Werke in den unterschiedlichen Ländern wesentlich und zum anderen stellt sie für die Entwicklungspartnerschaft mit unseren Kunden heute und für die Zukunft eine Grundvoraussetzung dar. Des Weiteren ist die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal immens wichtig und ein unumgänglicher Faktor für den Verbleib in der Region. Wir versuchen daher neben der „normalen“ Ausbildung auch über das duale Studium junge Menschen zu qualifizieren und an die Region zu binden.

Warum sind Sie Mitglied im Arbeitgeberverband geworden, und was schätzen Sie besonders am AGV?

Ich sehe die Mitglied­schaft im AGV als tolle Plattform zum Erfahrungsaustausch und zum Netzwerken. In diesem Rahmen treffen sich viele Unternehmer, die mit ähnlichen Problemen konfrontiert sind oder waren, wie man selbst. Damit ergeben sich häufig interessante Lösungsansätze, so dass man das Rad nicht wirklich neu erfinden, sondern vielleicht nur das Profil des Reifens ändern muss, um es bildlich auszudrücken. Des Weiteren spielt natürlich auch die Betreuung und Begleitung in arbeitsrechtlichen Fragen als auch die tarifliche Vertretung eine große Rolle. Gerade in diesen Tagen schätze ich besonders die alltägliche Versorgung mit wichtigen Informationen zum Thema Corona-Virus. Die hiermit verbundenen Herausforderungen sind zum jetzigen Zeitpunkt nur sehr schwer einzuschätzen, aber Themen wie Quarantäne, Kinderbetreuung, Kurzarbeit etc. gilt es in Kombination mit der wirtschaftlichen Lage der Branche täglich neu einzuschätzen. Auch wollen wir unsere Mitarbeiter jederzeit auf einem aktuellen und verlässlichen Stand der Dinge halten und dabei nicht auf teils zweifelhafte Informationen anderer Medien zurückgreifen.

Wie könnte man Ihrer Meinung nach den Unternehmergeist bei Jugendlichen wecken?

In vielen jungen Menschen steckt, so glaube ich, ein Unternehmer. Nur fehlt es meiner Ansicht nach an Anreizen, die diese Selbstständigkeit bereits während der Schulzeit wecken. Es gibt schlicht und ergreifend zu wenige Projekte, um eine solche Kultur in jungen Jahren zu fördern. Mir erscheint dieses in der Jugend so wichtig, da in späteren Jahren dann häufig eine Festanstellung dem sicherlich vorhandenen Risiko vorgezogen wird. Wir brauchen in unserer Gesellschaft hier mehr von der Start-up-Mentalität, die zunächst die Begeisterung und den Spaß an der Sache in den Vordergrund stellt und nicht das Scheitern eines Projektes im Fokus hat. Wichtig wäre mehr Agilität mit dem Denken von „fail fast, stand up, try something new“ – und dieses auch außerhalb von Großstädten.

Vielen Dank, Herr Dr. Grote!

Das Interview führte Frauke Syring, M.A.
Arbeitgeberverband HESSEN­METALL Nordhessen