CEO-Interview mit Andreas und Carina Peiker

Carina und Andreas Peiker

 

Wirtschaftszeitung Aktiv vom 09. April 2022

 

Generationen-Interview: Andreas und Carina Peiker über die Unter­nehmen der Familie Peiker

Bad Homburg. Kommunikation und wie sie sich immer wieder verbessern lässt: Vor allem darum geht es bei peiker in Bad Homburg. Und das seit über 75 Jahren. aktiv sprach mit Andreas Peiker, Vorsitzender der Geschäftsführung der peiker Holding, über seine Begeisterung für neue Ideen und Technologien, die seine Tochter Carina Peiker mit ihm teilt.

 

Herr Peiker, mit Ihrer Tochter Carina steht die vierte Generation Peiker bereit, um das Unter­nehmen weiterzuführen. Wie fühlt man sich da?

Andreas Peiker: Super, ich bin unglaublich glücklich. Vergangenes Jahr wurde ich 70 Jahre alt. Mein Großvater und mein Vater haben peiker 1946 gemeinsam gegründet, ich habe das Unter­nehmen weiter ausgebaut. 2015 habe ich nach dem Verkauf der Automobilsparte neu mit der peiker Holding und dem Unter­nehmensverbund „Unter­nehmen der Familie Peiker“ angefangen, wozu heute 250 Beschäftigte zählen. Und nun ist die nächste Generation dabei. Mein Sohn Felix gehört schon länger zum Marketingteam der peiker CEE hier in Bad Homburg, Carina unterstützt in der Geschäftsleitung der peiker Holding, und man wird sehen, ob auch meine beiden jüngeren Kinder hier ihre berufliche Zukunft finden. Dass es als Familienunternehmen weitergeht, ist für mich ein grandioses Gefühl.

Frau Peiker, wie kam es, dass Sie bei peiker einsteigen wollten?

Carina Peiker: Das war ein schleichender Prozess. Ursprünglich hatte ich andere Ideen. Aber die Firma begleitet mich, seit ich denken kann. Das Unter­nehmen war immer Teil der Gespräche bei uns zu Hause. Manches Gerät haben wir selbst getestet, ehe es auf den Markt kam. Zum Beispiel CEECOACH, ein Kommunikationssystem, mit dem Trainer und Schüler oder auch ganze Gruppen via Headset gut miteinander kommunizieren können. Es wird im Leistungs- und im Freizeit­sport genutzt, aber auch von Familien, etwa bei einer Radtour.

 

Peiker_Fahrrad_und_Ski

 

Dank solcher Entwicklungen wurde für Sie die Firma interessanter?

Carina Peiker: Ja. Irgendwann beschäftigte ich mich intensiver damit, begleitete meinen Vater zu Meetings, stellte Fragen und hörte zu. Alle zum Unter­nehmensverbund gehörenden Unter­nehmen der Familie Peiker  haben eigene, sehr kompetente Geschäftsführer. Auch der Beirat der Holding ist hochkarätig besetzt und begleitet alle Entscheidungen. Aber es ist uns wichtig, dass nach wie vor ein Mitglied der Familie mitentscheidet, wenn es um die Zukunft von peiker geht.

Rückblickend hatte peiker viele Höhen und Tiefen zu meistern?

Andreas Peiker: Ja, das gehört aber zum Unternehmertum dazu. Wir erbringen in vielen Bereichen Spitzenleistung und sind zum Beispiel der Weltmarktführer von Spezialmikrofonen für die Bahn, weil die unempfindlich sind gegen den Eisenstaub, der durch den Schienenabrieb entsteht. Beim Thema Autotelefon – den Bereich habe ich verkauft – waren wir Marktführer und entwickelten viele Produkte, die bahnbrechend waren, etwa die weltweit erste Bluetooth-Freisprecheinrichtung.

Warum haben Sie dann die Automobilsparte 2015 verkauft?

Andreas Peiker: Als Tesla 2008 mit dem ersten elektrischen Serienfahrzeug auf den Markt kam, war mir klar, dass das die Auto-Industrie auf den Kopf stellen würde und den anstehenden Umbruch nur Konzerne überstehen würden. Also habe ich schweren Herzens verkauft und mich dann auf kompakte Funkgeräte für Spezialanwendungen konzentriert und in andere passende Unter­nehmen investiert.

 

Notarzt Peiker

Wie sieht die Peiker-Zukunft aus?

Carina Peiker: Cloud-Lösungen, komplexe Spracherkennungssysteme und Künstliche Intelligenz (KI) sind auch bei uns Themen, zum  Beispiel für die Weiterentwicklung unserer Funktechnik für Behörden und Rettungskräfte. FTI, ein Unter­nehmen der Familie Peiker in Brandenburg hat AVA entwickelt, den Ambulance Video Assistant. Das cloudbasierte System überträgt Audio-, Video- und Vitaldaten, damit sich Notärzte per Live-Stream entweder stationär von einem Telenotarzt Arbeitsplatz oder mobil während der Anfahrt zum Unfallort remote zuschalten können. FTI Engineering Network in Brandenburg ist außerdem spezialisiert auf videobasierte Sicherheitssysteme und Flugzeugumrüstungen in der Luftfahrt. Mit unserem Unter­nehmensnetzwerk haben wir aber noch viel mehr zu bieten. So gehen wir auch für Polizei und Feuerwehren neue Wege bei der Übertragungstechnik und sorgen im Einzelhandel für eine effizientere Kommunikation, die auch anzeigt, welche Regale leer sind. Ich bin mir sicher: Die Ideen gehen uns nicht aus.    

Reittraining Peiker

Sie beide eint auch die Liebe zu Pferden und zum Reitsport. Welche Rolle spielt das für die Unter­nehmen?

Andreas Peiker: Mein Vater entfachte bei mir die Leidenschaft für das Reiten und ich konnte meine Begeisterung an meine Kinder weitergeben. Zum Unter­nehmensverbund gehört schon lange die Fünf-Sterne-Reitanlage Hofgut Liederbach. Auf 15 Hektar bietet sie optimale Trainings- und Ausbildungsmöglichkeiten. Sie ist aber auch unser Trainings- und Testzentrum für technische Produktentwicklungen im Bereich Reitsport der peiker CEE. Dort haben wir das schon angesprochene Kommunikationssystem CEECOACH getestet und weiterentwickelt. Auch CEECALM ist hier im Einsatz, ein akustisches Beruhigungsgerät für Pferde. Und es sind weitere Geräte in der Entwicklung, zum Beispiel zur Überwachung der Vitalfunktionen und der Leistungsfähigkeit von Pferden im Training.

Warum sind Sie Mitglied bei HESSEN­METALL?

Andreas Peiker:   Schon mein Vater wurde mit peiker Mitglied bei HESSEN­METALL. Bis heute schätzen wir als Unter­nehmen die kompetente und sehr realitätsbezogene Beratung bei arbeitsrechtlichen aber zum Beispiel auch arbeitswissenschaftlichen Fragen. Zudem ist der Verband eine hervorragende Plattform, um andere Unternehmer zu treffen und sich über aktuelle Themen auszutauschen. Für mich war mein langjähriges ehrenamtliches Engagement als Mitglied des Vorstands der Bezirksgruppe Rhein-Main-Taunus in vielerlei Hinsicht ein Gewinn.