So gestaltet M+E die Zukunft 4.0

Was bringt uns Industrie 4.0? Vor allem Chancen und Vorteile für Betriebe und Beschäftigte. Welche das sind und welche Herausforderungen wir auf dem Weg in die digitale Zukunft bestehen müssen – das steht in dieser Ausgabe der M+E-Zeitung.

Unsere Branche lebt von Wandel und Modernisierung: Technologische Schübe machten das Arbeitsleben einfacher. Umsatz und Produktivität wuchsen, was mehr Jobs und höhere Einkommen brachte. Auch die vierte industrielle Revolution hat gut begonnen: Schon heute ist jeder sechste M+E-­Betrieb stark digitalisiert, zeigt der M+E­-Strukturbericht von IW Consult. Und die Vorreiterfirmen trugen zum aktuellen Höchststand von vier Millionen M+E-­Mitarbeitern besonders bei.

Fachkräfte sind gefragt bei M+E. Wichtig ist allerdings, dass sich die Belegschaften fit halten für die Arbeitswelt 4.0. Dafür tun die Unternehmen viel, belegt eine bundesweite Bitkomumfrage: Mehr als die Hälfte der Industriebetriebe will binnen Jahresfrist Mitarbeiter für Industrie 4.0 schulen – je nach betrieblichen Anforderungen und zusätzlich zu anderen Qualifizierungen.

Es gibt aber Hindernisse auf dem Weg in die Zukunft. Ein Beispiel ist das veraltete Arbeitszeitrecht. Was Ruhezeiten und Höchstarbeitszeiten angeht, passt es nicht zu Internet und Homeoffice. EU­-Regelungen bieten Betrieben und Beschäftigten mehr Möglichkeiten. Oder der Ausbau des Glasfasernetzes: Da hinkt Deutschland weit hinter anderen Industrieländern her. Außerdem nimmt die von der Politik geplante Begrenzung der befristeten Beschäftigung den Unternehmen wichtige Flexibilität. Der HESSENMETALL­Vorstandsvorsitzende Wolf Matthias Mang sagt: „Neueinstellungen würden weiter erschwert – und das gerade jetzt, da sich das wirtschaftliche Klima deutlich verschlechtert.“

Industrie 4.0 gelingt nur, wenn wir an einem Strang ziehen: Betriebe, Beschäftigte, Tarifpartner und Politik. Die bisherigen Erfolge zeigen: Es lohnt sich für alle.


 

Infografik - So verändert uns Industrie 4.0:



Beispiel Rowenta: Der Kobot heißt hier „Barbie“

Industrie 4.0 hilft dabei, dass Rowenta ein klassisches Haushaltsgerät noch immer in Deutschand herstellen kann:  Zu Besuch in Europas modernster Fabrik für Bügeleisen, wo Mensch und Maschine einträchtig zusammenarbeiten.

Groß und sehr beeindruckend prangt die Kunststoffspritzgussanlage mitten in der Halle. Sie ist das Herzstück der vollautomatischen Produktion, in der hier bei Rowenta rund um die Uhr hochwertige Bügeleisen hergestellt werden.

„Dank Automatisierung und der ständigen Optimierung von Prozessen bis hin zu einem ausgefeilten Schichtsystem ist es uns sogar gelungen, Bauteile, die bislang in Fernost hergestellt wurden, hierher zurückzuholen“, erklärt Produktionsleiter Matthias Vögler.

Das Unternehmen, das seit 1957 in Erbach produziert, gehört zur französischen Groupe SEB, dem Weltmarktführer für Haushaltskleingeräte. Der Standort gilt als das modernste Bügeleisenwerk Europas. Knapp 200 Mitarbeiter stellen hier jedes Jahr an die 1,5 Millionen der praktischen Haushaltshelfer her.

Den ersten Roboter installierte Rowenta bereits in den 1980er Jahren. 2016 kamen kollaborierende Roboter, kurz Kobots, hinzu. Sie können ohne Einhausung gefahrlos direkt neben und mit den Menschen arbeiten. Vögler erklärt: „Sie sind bezahlbarer geworden und bringen uns einen Riesenschritt voran.“

Karin Stellwag arbeitet seit über 35 Jahren in der Sohlenfertigung und freut sich über die Entlastung durch einen Kobot – den alle in der Abteilung wegen seiner pinkfarbenen Lackierung liebevoll Barbie nennen: „Dank ihr kann jetzt jeder in der Schicht wieder alle Arbeiten erledigen, selbst wenn man durch Rückenprobleme oder Ähnliches etwas eingeschränkt ist“, sagt Stellwag. „Weniger körperliche Belastung der Mitarbeiter bedeutet weniger Fehlzeiten und hilft uns, wirtschaftlicher zu produzieren“, betont Vögler.

Big Data ebnet Weg zum individuellen Bügeleisen Der Produktionsleiter ist bekennender Fan der Industrie 4.0. Künstliche Intelligenz soll ihm nun helfen, die neue 6­Komponenten­Kunststoffspritzgussanlage noch besser zu steuern: „Wir arbeiten an einem System, das die große Menge an Informationen rund um diesen Produktionsprozess systematisch erfasst und auswertet, von der Dosierung und dem Zustand der verschiedenen Kunststoffe bis zur Temperatur und Füllung in den einzelnen Werkzeugbereichen. So können wir den Produktionsprozess weiter optimieren.“

Ist das geschafft, steht schon die nächste Herausforderung vor der Tür: Auch Bügeleisen werden künftig individueller. Rowenta stellt sich auf die Einstück­Produktion ein, damit Kunden ihr Bügeleisen via Internet schon bald selbst zusammenstellen und ordern können. „Die Digitalisierung beschert ungeahnte Möglichkeiten“, sagt Vögler. „Und wir sind mittendrin.“


 

 

Ansprechpartner
Ulrich Kirsch

Dr. Ulrich Kirsch
Geschäftsführer Kommunikation und Presse