Zeit für Lösungen

In der Tarifrunde 2021 für die Metall- und Elektro-Industrie (M+E) stehen die Unter­nehmen vor besonderen Herausforderungen: Nach Rezession und Corona-Krise hat sich die wirtschaftliche Erholung seit dem historischen Tief im April 2020 verlangsamt. Die M+E-Produktion liegt noch rund 14 Prozent unter Vorkrisenstand von Ende 2018. Vor allem durch den Einsatz teurer Kurzarbeit konnten die Betriebe den Stellenverlust jedoch auf zuletzt -2,5 Prozent begrenzen.

Aber wie lange reicht die Kraft noch? Die meisten Unter­nehmen werden für eine Rückkehr zum Normalniveau mindestens bis 2022 brauchen oder können noch gar nicht absehen, bis wann das der Fall sein wird. Und selbst dann steht fest: Das waren mindestens drei verlorene Jahre, die nun beim Strukturwandel fehlen.

Der Weg zu einer schnellen Einigung steht offen. Es ist nicht die Zeit für Streiks.

Klar ist: Es ist jetzt Zeit für Lösungen in dieser Tarifrunde – nicht für Streiks. Deshalb haben die M+E-Arbeitgeber einen Vorschlag zu einer schnellen Tarifeinigung gemacht, der Zuversicht inmitten der Krise gibt: Er unterstützt die Betriebe dabei, Jobs zu sichern und die Umbrüche durch Strukturwandel und Digitalisierung zu meistern. Für die Mitarbeiter bedeutet der Vorschlag verlässliche Planbarkeit. Mehr dazu in dieser Ausgabe.

Interview „Warnstreiks schaffen keine Aufträge“


Die Arbeitgeber verhandeln seit Mitte Dezember mit der IG Metall. Die hat bereits Aktionstage und Warnstreiks angekündigt – zu Recht, wenn es nicht vorangeht, oder?

Nur Wachstum ermöglicht Entgeltwachs­tum. 2021 gibt es nichts zu verteilen. Für jeden Beschäftigten sind uns im ersten Jahr der Pandemie bereits 38.000 Euro Umsatz verloren gegangen. Das tut weh, weil trotz Kurzarbeit die meisten Kosten weiterge­laufen und neue hinzugekommen sind. Echtes Wachstum auf dem Niveau von vor der Rezession 2018 erwarten viele erst Ende 2022 oder 2023, manche sogar noch später. Warnstreiks schaffen keine Aufträge.

Was bieten die Arbeitgeber denn an?

Wir bieten für das kommende Jahr mehr Entgelt an. Dies lässt den Unter­nehmen Zeit, um dem negativen Geschäftstrend entgegenzuwirken. Da die Situation in den Mitglieds unternehmen sehr unterschiedlich ist, wollen wir eine automatische Differen­zierung. Wir sprechen auch über Struktur­wandel und Beschäftigung. Erst wenn
wir das Gesamtpaket kennen, können wir konkret über Geld reden.

Sie haben demnach kein Verständnis für die Warnstreiks …

Jetzt ist Zeit für Lösungen. Die finden wir am Verhandlungstisch, nicht auf der Straße. Unsere Vorschläge zeigen einen Weg auf, wie uns in dieser Tarifrunde zügig eine gute Lösung in den Verhandlungen gelingen kann. Jetzt ist es an der Gewerkschaft, konstruktiv mit unseren Vorschlägen umzugehen, statt mit Warnstreiks zu drohen.

Worauf es jetzt ankommt

In der Tarifrunde 2021 haben die Arbeitgeber der Metall- und Elektro-Industrie (M+E) einen Weg zu einem schnellen Tarifabschluss in unsicheren Zeiten aufgezeigt. Klar ist: Alle Beteiligten müssen ihren Beitrag dazu leisten, aus der Krise herauszukommen. Wie es für Betriebe und Beschäftigte vorangehen kann.

Es gibt viel aufzuholen

Die wirtschaftliche Lage bei M+E bleibt schwierig. Aktuelle Daten zur Branchenkonjunktur: