M+E ZEITUNG 3/2018

Betriebe top – Standort schwächelt

Anhaltendes Wachstum, steigende Beschäftigung: Die Metall- und Elektro-Industrie ist seit zehn Jahren auf Erfolgskurs. Alles bestens also? Leider nicht, zeigt der aktuelle M+E-Strukturbericht. Denn im Ländervergleich rutschte der Standort Deutschland deutlich ab, weil viele Wettbewerber immer besser werden. Hinzu kommt: Die Konjunkturaussichten haben sich deutlich eingetrübt.

Für fast kein anderes Land ist die M+E-Industrie so wichtig wie für Deutschland: Unterm Strich sorgt sie für rund ein Siebtel der gesamten Wirtschaftsleistung hierzulande. Diesen Wert toppt weltweit nur Südkorea. Das zeigt der M+E-Strukturbericht 2018 von IW Consult aus Köln.

Auch die Kassen von Bund, Ländern und Gemeinden sprudeln kräftig dank der M+E-Industrie: Alles in allem stemmt sie etwa ein Fünftel aller Steuereinnahmen in Deutschland und 28 Prozent der Sozialbeiträge.

Umso bedenklicher ist es, dass Deutschland im internationalen Vergleich der M+EStandorte zuletzt um fünf Plätze zurückfiel – so heftig wie kein anderes Land. Der Strukturbericht zeigt, warum: Viele Wettbewerber machen nämlich mächtig Druck. Sie sind bei den Arbeitskosten günstiger und verbessern sich stark beispielsweise in Sachen Bildung, Digitalisierung und Verkehrswege.

Hierzulande aber bewegt sich zu wenig, warnt Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger: „Unsere Wettbewerbsfähigkeit hat abgenommen. Das ist ein deutliches Signal an die Politik: Wir müssen auch für den Industriestandort Deutschland wieder etwas tun.“ Die Zeit dafür drängt zusehends. Schließlich soll die Konjunktur 2019 spürbar abflauen, erwarten fast alle Wirtschaftsexperten. Das Institut der deutschen Wirtschaft beispielsweise rechnet für kommendes Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von nur noch 1,2 Prozent in Deutschland.

Schon zuletzt schwächelte vor allem die weltweite Nachfrage nach Maschinen, Anlagen und weiteren Investitionsgütern. Zudem verzögert sich die Zulassung und Produktion von Neuwagen, weil diese ein neues Prüfverfahren durchlaufen müssen. International bremsen auch weiterhin der drohende Handelskonflikt, den die USA befeuern, und der Brexit die Konjunktur.

Da ist es gut zu wissen, dass M+E Deutschlands innovations- und investitionsstärkster Industriezweig ist: Die Betriebe tun alles, um auch in Zukunft erfolgreich zu sein.

Die Metall- und Elektro-Industrie macht ihrem Ruf als größter Industriezweig alle Ehre: Sie sorgt für Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland, stärkt gerade auch ländliche Regionen. Ein Thema macht M+E allerdings nachhaltig zu schaffen – der Kostennachteil im internationalen Wettbewerb. Das zeigt der aktuelle M+E-Strukturbericht. Kernergebnisse im Überblick.

Standort-Entscheidungen: Ausbau im Ausland geht weiter

Deutschland fällt zurück

Schon seit Mitte der 90er-Jahre bauen die M+E-Unternehmen ihre Standorte im Ausland aus, vor allem in Osteuropa.

So sichern sie sich neue Märkte und ihre Wettbewerbsfähigkeit – dank preisgünstiger Zulieferungen von dort. Letzteres ist sogar Hauptgrund für Auslandsinvestitionen.

Die Maschinen- und Anlagenparks jenseits der Landesgrenzen haben inzwischen einen Wert von rund 233 Milliarden Euro (2016, jüngste Angaben). Das ist rund sechsmal mehr als vor 20 Jahren. Hierzulande investieren die M+E Betriebe zwar viele Milliarden mehr – allerdings vorrangig für den Erhalt und die Modernisierung bestehender Fertigungsstraßen und Büros.

Auf der Hand liegt: Wird Deutschland auch bei den Kosten wettbewerbsfähiger, ist es auch wieder attraktiver für Neu- und Ausbauten.

Beschäftigung: M+E stärkt das gesamte Land

M+E stärkt das gesamte Land

Hätten Sie es gewusst? Die meisten Betriebe der Metall- und Elektro-Industrie sind nicht etwa in Großstädten zu Hause – hier befindet sich nur ein Viertel aller M+E-Arbeitsplätze. Die große Mehrheit entfällt vielmehr auf die Speckgürtel rund um die Ballungsräume und auf ländliche Regionen. Das zeigt der M+EStrukturbericht 2018 der IW Consult.

In Baden-Württemberg zum Beispiel hat M+E fast überall erhebliche Bedeutung für die regionalen Arbeitsmärkte. Besonders hervor sticht etwa der Landkreis Tuttlingen mit seiner starken Medizintechnik. Sehr stark ist die Branche auch in Bayern, insbesondere für die vom Fahrzeugbau geprägten Kreise Dingolfing-Landau und Ingolstadt.

In NRW gehören die M+E Betriebe im Sauerland und im Bergischen Land zu den wichtigsten Arbeitgebern – darunter viele kleine und mittelständische metallerzeugende Betriebe und Automobilzulieferer. Und im Saarland ist vor allem die Automobilindustrie im Saarpfalz-Kreis und im Landkreis Saarlouis wichtiger Beschäftigungs-Motor.

Bundesweit die größte Bedeutung für den Arbeitsmarkt vor Ort hat M+E allerdings in Wolfsburg und Umgebung. Hier sind über die Hälfte aller Arbeitnehmer direkt bei M+E beschäftigt, vor allem in der Automobilindustrie.

Diese Region trug auch entscheidend dazu bei, dass Niedersachsen in den Jahren 2011 bis 2017 bundesweit das stärkste Plus an M+E-Arbeitsplätzen aufwies (+15,4 Prozent). Auch in Sachsen stieg die M+E-Beschäftigung weit überdurchschnittlich; besonders voran ging es hier in Leipzig, im Kreis Zwickau und im Landkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge.

Die Bilanz beeindruckt: Regionen mit starker M+E-Industrie stehen wirtschaftlich meist top da. Hier werden mit die höchsten Einkommen gezahlt und die Arbeitslosigkeit ist besonders gering.

Arbeitskosten: Die große Schwachstelle

Gut ausgebildete Beschäftigte, moderne Maschinenparks, Hightech-Erzeugnisse, politische Stabilität – dafür und für vieles mehr erhält der Standort Deutschland gute Noten im M+E-Strukturbericht 2018.

In einem ganz entscheidenden Punkt jedoch fällt das Land zurück: bei den Arbeitskosten. Sie liegen für M+E aktuell im Schnitt bei 43,10 Euro pro Stunde. Fast alle internationalen Wettbewerber stehen besser da. Das Kosten-Problem hat sich Jahr für Jahr weiter zugespitzt: Um fast 20 Prozent sind die M+E-Arbeitskosten allein in den Jahren 2011 bis 2017 gestiegen – während die Produktivität nur um knapp 2 Prozent zulegte.

Einen solchen Verlust an Konkurrenzkraft musste kein anderer europäischer Wettbewerber hinnehmen. Und hier liegt auch der Hauptgrund dafür, dass Deutschland im internationalen Vergleich der M+E-Standorte um fünf Plätze zurückfiel – heftiger traf es keinen Wettbewerber (Grafik).

Qualifizierung: Könner haben beste Chancen

Über 4 Millionen Beschäftigte hat die M+E-Industrie – und es könnten noch viel mehr sein: 337.900 unbesetzte Stellen gibt es im MINT-Bereich (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik).

Für die Entwicklung und Fertigung technologisch anspruchsvoller Maschinen und Anlagen gesucht sind vor allem gut ausgebildete Fachkräfte – und junge Menschen, die hier als Azubis in die Zukunft starten
wollen.

Heute haben zwei von drei M+E-Mitarbeitern eine abgeschlossene Berufsausbildung, sind Meister oder Techniker. Ihr Anteil an allen M+E-Beschäftigten stieg seit dem Jahr 2000 um fast 4 Prozent – während sich der ohnehin geringe Teil Ungelernter beinahe halbierte.

Besonders rasant voran ging es vor allem bei Ingenieuren: Jeder sechste M+E-Mitarbeiter hat inzwischen einen akademischen Abschluss.

 
Der M+E-Strukturbericht 2018 als pdf-Datei

Ansprechpartner
Ulrich Kirsch

Dr. Ulrich Kirsch
Geschäftsführer Kommunikation und Presse