Herausforderungen für den Standort

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Strukturwandel fordert Metall- und Elektro-Industrie heraus

Die Metall- und Elektro-Industrie (M+E) in Deutschland steht zurzeit gut da. Zum Glück – denn sie hat in den nächsten Jahren einen Strukturwandel mit zwei ungewöhnlich großen Herausforderungen zu meistern.Der Umbau der Produktion hin zu digitalisierten, „intelligenten“ Fabriken (Industrie 4.0) und die sukzessive Marktdurchdringung der Automobilindustrie mit neuen Antrieben wie z. B. der Elektromobilität, die uns noch jahrelang beschäftigen wird , erfordern erhebliche Investitionen.

Wo diese Investitionen hinfließen – und wo damit in Zukunft die Produktion stattfindet – ist aber keineswegs sicher. Schon heute müssen wir feststellen, dass Investitionen vor allem in ausländische Standorte erfolgen. Und anders als noch vor 20 Jahren sind diese Standorte längst da, so dass Unternehmen viel schneller als früher auf ungünstige Bedingungen am Standort Deutschland reagieren können. Dabei geht es um die Arbeitskosten, die viel schneller steigen als bei den Wettbewerbern, aber auch um die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen.

Wir haben alle Chancen, aus den Umbrüchen gestärkt hervorzugehen. Aber das gelingt nur, wenn sich Unternehmen und Belegschaften diesen Herausforderungen auch stellen, sich auf gewaltige Veränderungen einstellen, die digitale Transformation aktiv steuern und durch beschleunigte Innovation neue Produktivitätsvorsprünge herausarbeiten.

Acht Gründe, warum wir uns auf dem Erreichten nicht ausruhen dürfen:

Der Fachkräftemangel

Der Fachkräftemangel

Dass Produkte Made in Germany trotz der hohen Kosten in der Welt gefragt sind, ist nicht zuletzt ein ganz wesentlich ein Verdienst der Arbeitnehmer: Gut qualifizierte Fachkräfte zählen bislang zu den besonderen Stärken des Standorts.

Doch der wachsende Fachkräftemangel gerade in den MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) ist inzwischen für viele M+E-Unternehmen das größte Problem.

Jeder siebte Betrieb muss wegen Arbeitskräftemangel Einschränkungen der Produktion hinnehmen. Und jeder zehnte Ausbildungsplatz bleibt inzwischen mangels geeigneter Bewerber unbesetzt.

Durch die  bundesweit koodinierte Nachwuchsgewinnung insbesondere für die MINT-Berufe steuert die M+E Industrie auch in Hessen erfolgreich dagegen. Unsere M+E-InfoTrucks haben im letzten Jahr wieder eine positive Resonanz erfahren. 

Fast ein Viertel weniger Fachkräfte bis 2030

Nach dem „IHK-Fachkräftereport 2017“ wird es im Zeitraum zwischen 2017 und 2030 in Hessen insgesamt einen Rückgang des Angebotspotentials um 23,4 Prozent geben. Die demografische Entwicklung lässt das Fachkräfteangebot von 2,1 Mio. Fachkräfte bis 2030 auf 1,6 Mio. schrumpfen.

Bereits aktuell besteht ein Fachkräfteengpass insbesondere bei den Technikern; künftig ist damit zu rechnen, dass auch bei den Kaufleuten eine Engpass-Situation auftreten wird. Derzeit (2017) liegen die M+E-Industrie-relevanten Engpass-Berufsgruppen vor allem bei der Rohstoffgewinnung und -aufbereitung (mittlere und hohe Qualifikationsstufen), Maschinenbau und Betriebstechnik (Hohe Qualifikationsstufen) sowie technische Forschungs- und Entwicklungs-, Konstruktions- und Produktionssteuerungsberufe (hohe Qualifikationsstufen).

Nach der Fachkräftebedarfsanalyse der Statistischen Landesämter und IHK-Arbeitsgemeinschaften überstieg die Nachfrage nach Fachkräften das Angebot an Fachkräften in unserer Industrie in Hessen um 56.000, in Rheinland-Pfalz um 11.000, für das Saarland fehlen entsprechende Daten. Beispielsweise ist in den für unsere Industrie relevanten Berufsgruppen „Spezialisten (Niveau: Meister- oder Technikerausbildung oder vergleichbar) für Mechatronik und Automatisierung“ in Rheinland-Pfalz schon ein Fachkräftemangel zu konstatieren, in Hessen gibt es Anzeichen für einen entsprechenden Engpass, ebenso verhält es sich für „Experten (Niveau: mind. vierjährige Hochschulausbildung oder vergleichbar) in den Bereichen Softwareentwicklung und Programmierung“ (siehe Grafik oben).


Die Überlegungen der IG Metall, die Arbeitszeit durch die Option einer 28-Stunden-Woche weiter zu verkürzen, würden die Fachkräftelücke noch vergrößern und auch den Standort Hessen massiv gefährden. Die Unternehmen brauchen ein ausreichendes Arbeitszeitvolumen, denn Arbeit muss erledigt werden, wenn es die Kunden fordern. Und klar ist auch: Arbeit darf nicht noch teurer werden.

Zum Fachkräftemangel deutschlandweit

Die M+E-Industrie beschäftigt aktuell in Deutschland mehr als 3,9 Millionen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und dazu noch einmal etwa 1,8 Millionen in den ausländischen Werken und Betriebsstätten.

Als führende Exportbranche und als Innovationsmotor der Wirtschaft ist die M+E-Industrie auf die ausreichende Ausstattung mit hoch qualifizierten Fachkräften angewiesen. Heute sind etwa 16 Prozent der Mitarbeiter akademisch ausgebildet – die Hälfte von ihnen Ingenieure – und etwa 63 Prozent sind in den einschlägigen Berufen qualifizierte Fachkräfte.

Die M+E-Unternehmen haben im Jahr 2017 mehr als 70.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich eingestellt und sie werden auch in diesem Jahr zusätzliche Fachkräfte brauchen, denn wir rechnen – genauso wie Sie von der IG Metall – mit einer weiter steigenden Produktion.

Die Möglichkeiten, die benötigten Kräfte vom Arbeitsmarkt zu bekommen, sind sehr beschränkt. Die Schere zwischen der Zahl der offenen Stellen und der Zahl der Arbeitslosen in den Metall- und Elektroberufen öffnet sich immer weiter.



Dabei muss man bedenken, dass die Zahl der tatsächlichen offenen Stellen etwa doppelt so hoch liegt wie die der gemeldeten, weil die Unternehmen den Agenturen für Arbeit nur einen Teil ihrer Stellenangebote weitergeben. Tatsächlich kommen deshalb auf 100 Arbeitslose in den M+E-Facharbeiterberufen 265 offene Stellen (oder: für 100 offene Stellen stehen nur noch knapp 37 Arbeitslose zur Verfügung).

Daher gehört der Fachkräftemangel schon jetzt zu den drängendsten Problemen in vielen M+E-Unternehmen und erweist sich mehr und mehr als Wachstumsbremse:

  • In vielen Regionen zählen unsere Ingenieur- und Facharbeiterberufe zu den anerkannten und von der Bundesagentur für Arbeit ausgewiesenen Engpassberufen.

Von 21 Berufen, in denen laut Agentur „ein bundesweiter Fachkräftemangel erkennbar ist“, kommt ein Drittel aus dem technischen Bereich der der M+E-Industrie, darunter solche wichtigen Kernberufe wie Mechatroniker und Automatisierungstechniker, sowie die mit Blick auf die Digitalisierung und auf Industrie 4.0 unverzichtbaren Experten für Softwareentwicklung und Programmierung.

  • Die Statistiken der Bundesagentur weisen aus, dass die M+E-Unternehmen 2017 in diesen Berufen im Schnitt bis zu fünf Monate suchen mussten, um die vakanten Stellen wieder zu besetzen (Grafik 2). In normalen Zeiten haben im Schnitt zwei Monate genügt, um eine Stelle wieder zu besetzen.



  • Dieser Fachkräftemangel bei den Informatikern und in den technischen Berufen zeigt sich auch in der aktuellen MINT-Lücke (MINT = Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik).  Im Dezember 2017 fehlten der Wirtschaft insgesamt rund 292.000 MINT-Fachkräfte (Grafik 3). Gesamtmetall lässt diese Daten regelmäßig durch das Institut der deutschen Wirtschaft Köln erheben, denn die M+E-Industrie beschäftigt etwa ein Viertel aller MINT-Fachkräfte und ist deshalb von der MINT-Lücke besonders betroffen. Diese Rechnung zeigt also, dass den M+E-Unternehmen derzeit mehr als 70.000 Akademiker und Facharbeiter in den MINT-Berufen fehlen.



  • Wie sich das alles in unseren Betrieben auswirkt, zeigen zum Beispiel die regelmäßigen Befragungen  des ifo Instituts München: Im Oktober 2017 konnte demnach mehr als ein Fünftel der M+E-Unternehmen (22 Prozent) nicht im geplanten Umfang produzieren, weil ihnen Arbeitskräfte fehlten (Grafik 4). Der Anteil der betroffenen Unternehmen lag noch nie so hoch wie jetzt, nicht einmal in der Boom-Phase des Jahres 2007 – damals waren 13 Prozent der Unternehmen betroffen.



  • Nach einer Umfrage der Industrie- und Handelskammern aus dem Herbst 2017 ist für 58 Prozent der M+E-Unternehmen der Fachkräftemangel das größte Geschäftsrisiko. Diese Bewertung hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschärft: im Jahr 2012 sahen nur etwas mehr als 30 Prozent das Problem als so gravierend  an (Grafik 5).



  • Mit einer Entspannung der Lage ist auch künftig nicht zu rechnen: Die Zahl der Erwerbspersonen in Deutschland wird mittelfristig stagnieren und langfristig sinken. Es wird dann von der jährlichen Zuwanderung von Fachkräften abhängen, ob uns bis 2030 auf dem Arbeitsmarkt zwei, vier oder fünf Millionen Erwerbstätige fehlen (Grafik 6).



  • Was heißt das für die Unternehmen? Es werden nicht nur weniger Menschen dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen – es werden auch weniger Junge darunter sein. Denn gleichzeitig bleibt die Zahl der Schulabgänger deutlich zu niedrig, um für ausreichenden Ersatz zu sorgen.
  • Von 2020 an werden die besonders geburtenstarken Jahrgänge aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Damit wächst Jahr für Jahr der Ersatzbedarf in unseren Unternehmen. Um es konkret zu machen: Ab Ende dieses Jahrzehnts wird in den M+E-Unternehmen die Gruppe der Beschäftigten, die 50 Jahre und älter sind, größer sein als die Gruppe der unter 40-Jährigen.



  • Deshalb ist es auch umso bedauerlicher, dass die Rente mit 63, die maßgeblich von den Gewerkschaften erzwungen wurde, die M+E-Unternehmen hochqualifizierte Fachkräfte gekostet hat. Ohne die Rente mit 63 könnte die Zahl der Fachkräfte in unseren Unternehmen heute um bis zu 60.000 höher liegen.


1. Der Aufschwung ist gedopt

1. Der Aufschwung ist gedopt

Niedrige Zinsen und ein moderater Ölpreis entlasten derzeit die Unternehmen. Und der Euro, der relativ zum Dollar immer noch viel schwächer ist als im vergangenen Jahrzehnt, fördert das Geschäft der M+E-Industrie auf vielen internationalen Märkten. Diese günstigen Rahmenbedingungen überdecken eine dahinter liegende gefährliche Kostenentwicklung in der M+E-Industrie: Die Lohnstückkosten, also die Arbeitskosten je Produkteinheit, lagen 2016 um 10 Prozent höher als 2012, dem ersten Jahr nach Überwindung der letzten großen Wirtschaftskrise.

 

 

Dass Rahmenbedingungen dauerhaft so bleiben, ist keineswegs ausgemacht – die jüngste Erhöhung des Ölpreises und des Dollarkurses machen deutlich, wie schnell das Pendel umschlagen kann. Auf solchen Sondereffekten lässt sich keine nachhaltige Entwicklung begründen, schon gar nicht in der Lohnpolitik.

2. Für die Investoren spielt die Musik im Ausland

37 Milliarden Euro haben die M+E-Unternehmen im Jahr 2016 in Deutschland investiert. Das klingt viel – allerdings reicht das schon seit längerem gerade mal aus, um die Substanz zu erhalten: Der Betrag liegt kaum höher als die Abschreibungen auf Bauten und Ausrüstungen, in manchen Regionen, etwa Baden-Württemberg, liegt er sogar darunter.

Dagegen investieren die deutschen M+E-Unternehmen immer mehr im Ausland. Fast 60 Prozent planen aktuell Auslandsinvestitionen.

 

Die Gründe für Investitionen im Ausland sind neben Markterschließung und Kundennähe vor allem die niedrigeren Produktionskosten. Auch wenn man den Verschleiß gegenrechnet, wächst – im Gegensatz zum Inland – der Kapitalstock: Die Bestände an Direktinvestitionen der M+E-Unternehmen im Ausland stiegen von 160 Milliarden Euro im Jahr 2010 auf rund 204 Milliarden Euro im Jahr 2015.

3. Die Arbeitskosten sind ein entscheidender Standortnachteil

3. Die Arbeitskosten sind ein entscheidender Standortnachteil

Die M+E-Industrie in Deutschland geht mit hohen Arbeitskosten in den internationalen Wettbewerb: 42,80 Euro kostete 2015 im Schnitt die Arbeitsstunde, mehr als in fast allen anderen Industriestaaten, Tschechien hat 25 Prozent der deutschen Arbeitskosten, Polen 20 Prozent.

 

Da die Arbeitskosten im Schnitt knapp ein Drittel der Gesamtkosten ausmachen, heißt das: Ein Produkt, bei uns für 1.000 Euro gefertigt wird, kostet in Polen 755 Euro, bei in der Regel gleicher Qualität.

Allein die Kostenbelastungen aus den Abschlüssen der letzten vier Tarifrunden seit 2012 summieren sich auf 19,5 Prozent. Das wurde keineswegs durch höhere Produktivität ausgeglichen, so dass die Lohnstückkosten, also die Arbeitskosten je Produkteinheit, zuletzt deutlich gestiegen sind. In Frankreich, Finnland, Belgien, Italien und Schweden sind sie dagegen praktisch nicht gestiegen oder sogar gefallen Diese Entwicklung belastet die internationale Wettbewerbsfähigkeit der M+E-Industrie ganz erheblich – vor allem der Firmen mit hohen Personalkostenanteilen.

4. In der Produktion wird inzwischen Personal abgebaut

4. In der Produktion wird inzwischen Personal abgebaut

Obwohl die Beschäftigung insgesamt steigt, findet gleichzeitig in der Produktion ein Personalabbau statt – bei einfachen Tätigkeiten schon länger, aber zunehmend auch bei Facharbeiter-Tätigkeiten. Dass sich die Gesamtzahl der Beschäftigten trotzdem leicht positiv entwickelte und im April dieses Jahres 3,875 Millionen betrug, liegt daran, dass Arbeitsplätze in den indirekten Bereichen Jobs aufgebaut wurden: vor allem in Forschung und Entwicklung, Marketing oder Design.

 


Im Zuge der Digitalisierung und Vernetzung der Produktionsprozesse („Industrie 4.0“) erwarten Experten, dass einfache Tätigkeiten teilweise stärker von Maschinen übernommen werden könnten. Kräftige Entgeltsteigerungen erhöhen den Druck auf die Unternehmen, das auch zu nutzen. An- und Ungelernte, die so unnötigerweise aus der Beschäftigung in der M+E-Industrie gedrängt werden, haben kaum eine realistische Chance, woanders einen gleichwertigen Arbeitsplatz zu finden.

6. Wenn wir nicht gegensteuern, droht eine Kettenreaktion

6. Wenn wir nicht gegensteuern, droht eine Kettenreaktion

Jedes vierte M+E-Unternehmen macht Verluste oder schreibt gerade mal eine schwarze Null.

 

 

Und auch bei denen, die besser verdienen, wird nicht selten die teure Inlandsproduktion durch Auslandsaktivitäten quersubventioniert. Allein von 2010 bis 2015 stieg die Zahl der M+E-Unternehmen und Beteiligungen im Ausland um 23 Prozent auf 6.580, dahinter stehen 1,78 Millionen Beschäftigte und 763 Milliarden Euro Jahresumsatz. Zudem zeigen Rückmeldungen aus den Unternehmen: In den Wachstumsmärkten der Welt kommt die Dynamik zunehmend aus etwas einfachen Produkten. Diese können in Deutschland kaum noch wettbewerbsfähig produziert werden.

Wenn aber einfache Produktionstätigkeit am Standort Deutschland unbezahlbar wird, hat das Folgen: Es wandern dann schnell auch produktionsnahe Tätigkeiten ab und irgendwann schließlich die entsprechende Entwicklung. Der Standort Deutschland lebt davon, dass wir hier im Land die gesamte Wertschöpfungskette der M+E-Industrie abbilden können. Reißt davon ein Glied, droht mittelfristig auch der Verlust weiterer Wertschöpfungsschritte.

7. Es gibt eine Lösung: Mehr Flexibilität!

7. Es gibt eine Lösung: Mehr Flexibilität!

Hohe Flexibilität ist ein wichtiger Ausgleich für hohe Arbeitskosten am Standort Deutschland. Instrumente wie Zeitarbeit, Befristungen und tarifliche Regelungen etwa zu Zeitkonten ermöglichen es Firmen, auf die jeweilige Auftragslage zu reagieren. Das gleiche gilt für Werkverträge – also die unternehmerische Entscheidung, in einer bestimmten Marktsituation eine bestimmte Leistung nicht selbst zu erbringen, sondern einzukaufen. Die Stammbeschäftigung wird nicht verdrängt, sie wächst. Die Zahl der Zeitarbeiter liegt bei nur 5 Prozent der Stammbelegschaften.

 



Der Auftragsbestand in der M+E-Industrie reichte im April 2017 für 3,6 Produktionsmonate. Bei manchem Mittelständler sind es gerade einmal zehn bis zwölf Tage. Kundenwünsche werden individueller, Lieferzeiten kürzer, Nachfrageschwankungen für einzelne Produkte immer ausgeprägter. Vor diesem Hintergrund ist mehr Flexibilität der Königsweg, um Produktion am Hochlohn-Standort Deutschland zu sichern.

Das gilt auch für die Tarifpolitik. Die M+E-Industrie ist sehr heterogen: Die unter diesem Dach zusammengefassten Branchen, Fachzweige und sogar Unternehmen innerhalb einer Branche sind von den Ausschlägen der Märkte und der Konjunktur ganz unterschiedlich stark betroffen. Wir benötigen dringend, über das bisherige Maß hinaus, betriebliche Differenzierungsmöglichkeiten. Sonst schwindet die Akzeptanz der Tarifbindung in den Unternehmen weiter.

8. Strukturbericht für die M+E-Industrie

Zur Herausforderung Standort bietet der aktuell vorgelegte Strukturbericht für die M+E-Industrie in Deutschland interessante Einsichten.  M+E-Industrie sorgt für 8 Millionen Arbeitsplätze in Deutschland.

Der Strukturbericht zeigt Deutschland im Standortvergleich auf Platz 7 im Niveau-Ranking, im Dynamik-Ranking auf Platz 22: Mit günstigen Platzierungen in den Kategorien Markt, Ressourcen, Wissen, Governance und Infrastruktur, aber mit sehr schlechten Plätzen 35 und 36 bei den Kosten. Zum anderen bietet er auf Basis einer repräsentativen Umfrage erstmals eine Quantifizierung der Investitionen in die Digitalisierung an: Schon heute investieren 11 Prozent der deutschen M+E-Unternehmen mehr als 6 Prozent ihres Umsatzes, in 5 Jahren werden es sogar 40 Prozent der Unternehmen sein.



Der Bericht macht deutlich, wie wichtig eine dynamische M+E-Industrie für die deutsche Wirtschaft ist. Doch wird es für die Unternehmen immer schwieriger, produktiv zu wirtschaften. Beispiel Arbeitskosten: Nur drei europäische Länder – Dänemark, Belgien und Schweden – liegen über dem deutschen Niveau. Arbeit ist in der Industrie inzwischen so teuer, dass Investitionen in den Aufbau neuer Kapazitäten fast ausschließlich im Ausland stattfinden, und zwar vor allem aus Kostengründen. In der zu Ende gehenden Legislaturperiode wurden reihenweise politische Entscheidungen getroffen, die die Sozialausgaben auf Rekordniveau getrieben haben. Die Rente mit 63 und die Mütterrente sind beste Beispiele dafür.



Die Erwartungen der M+E-Industrie an die Politik in der nächsten Legislaturperiode seien deshalb klar, so Gesamtmetall-Präsident Dr. Rainer Dulger: „Die Sozialversicherungsbeiträge müssen bei maximal 40 Prozent gedeckelt werden. Jeder Cent, der ausgegeben wird, muss erst einmal verdient werden. Jeder zusätzliche Anstieg der Arbeitskosten gefährdet das Fundament, auf dem das gesamte System steht. Eine Regierung, die die 40-Prozent-Grenze preisgibt, sendet ein absolut negatives Signal an alle, die Investitionsentscheidungen treffen müssen.“

Den kompletten  M+E-Strukturbericht 2017 als pdf-Datei.