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BEITRAG März 2026 (von Susanne Kienhorn)

Förderblog@HM

 

Wirtschaftliche Lage 2026 im Zeichen geopolitischer Unsicherheit

Die ersten Monate des Jahres 2026 sind geprägt von anhaltenden geopolitischen Spannungen, einer zunehmenden Fragmentierung der Weltwirtschaft und einer hohen wirtschaftspolitischen Unsicherheit. Die jüngste Eskalation des Iran-Kriegs hat die ohnehin fragile weltwirtschaftliche Lage weiter verschärft und wirkt sich auch spürbar auf die deutsche Wirtschaft aus. Vor allem steigende Öl- und Gaspreise, gestörte Handelsrouten und erhöhte Unsicherheit belasten Unternehmen, treiben die Inflation und dämpfen Investitions- und Wachstumsperspektiven. Investitionsentscheidungen werden vielerorts zurückgestellt oder sorgfältiger geprüft.

Fördermittel Bund – Schwerpunkte der Forschungsförderung im Bereich KI und kritische Rohstoffe

Mit Blick auf die Fördersituation sind unmittelbare Einschnitte im Fördergeschehen von Land, Bund und EU aufgrund der jüngsten geopolitischen Entwicklungen derzeit nicht absehbar; allerdings zeigen aktuelle Haushalts‑ und Programmprioritäten eine zunehmende Fokussierung auf Energie­sicherheit, Resilienz und Transformation, die sich perspektivisch auch im Fördermix niederschlagen dürfte.

Im allgemeinen Fördergeschehen zeichnet sich auf Bundesebene keine expansive Ausweitung neuer Zuschussprogramme ab. Vielmehr wird die Förderpolitik strategischer ausgerichtet. Die Haushalts- und Programmentscheidungen zeigen eine stärkere Fokussierung auf Instrumente zur Mobilisierung privaten Kapitals, zur Stärkung technologischer Souveränität sowie zur Absicherung größerer Transformationsvorhaben.

Klassische Projektzuschüsse wie ZIM oder die KMU Innovativ Programme bleiben bestehen. Parallel gewinnen kreditbasierte Instrumente, Beteiligungskapital und Garantieinstrumente – etwa im Rahmen des Deutschlandfonds weiter an Bedeutung. Diese Entwicklung lässt sich sowohl aus den Haushaltsplanungen des Bundes als auch aus den jüngsten industriepolitischen Schwerpunktsetzungen ableiten.

Bereits im Januar hatte ich die Förderinstrumente des Deutschlandfonds aufgeführt und auf die geplanten Erweiterungen ab 2026 hingewiesen, insbesondere im Bereich Energie-infrastruktur, Wagnisfinanzierung und Kapitalmarktinstrumente. Derzeit liegen hierzu noch keine weiterführenden Details vor. Es bleibt jedoch erkennbar, dass diese Bausteine politisch weiterhin Priorität genießen.

Im Folgenden möchte ich Ihnen zwei Förderprogramme von Bund und EU vorstellen, die die aktuellen strategischen Schwerpunkte der Forschungsförderung im Bereich KI und kritische Rohstoffe wiederspiegeln.

Neue KI-Grundlagenförderung - Innovative Grundlagen für KI-Methoden und ML-Modelle

Gefördert werden Forschungsprojekte zu innovativen KI-Methoden und ML-Modellen, insbesondere hybride Ansätze (Verknüpfung von Machine Learning mit symbo-lischen/formalen Methoden, Kausalität oder Simulationen) sowie Robustheit, Erklärbarkeit und Effizienz. Reine Modellskalierung ist nicht förderfähig; im Fokus stehen methodische Fortschritte mit klar nachweisbarem Mehrwert. Zielgruppen sind Hochschulen /Forschungseinrichtungen und Unternehmen (oft im Verbund).

Konditionen: nicht rückzahlbarer Zuschuss, i. d. R. bis 2 Mio. EUR für ca. 3 Jahre, zweistufiges Verfahren, Skizzenfrist 30.04.2026.

EU-Autark

Die Agentur für Innovation in der Cybersicherheit GmbH, kurz Cyberagentur, bereitet mit „EU Autark“ ein Forschungs- und Innovationsvorhaben vor, das Europas Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen technologisch reduzieren soll. Im Fokus stehen Entwicklungen in Bereichen wie Computertechnik, Elektronik, Sensorik, Kommunikations- und Netzwerktechnologien, Photonik sowie Elektrotechnik. Gefördert werden sollen Lösungen, die zentrale Fähigkeiten ermöglichen, ohne auf kritische Rohmaterialien aus Nicht-EU-Ländern angewiesen zu sein.

Über einen Call for Interest auf der europäischen Vergabeplattform sind Unternehmen und Forschungseinrichtungen eingeladen, Bedarfe und Lösungsansätze einzubringen. Weitere Informationen und Beteiligungsmöglichkeiten finden sich unter „EU-Autark“.

Fördermittel Hessen

Lange erwartet, bzw. angekündigt, seit 16.02.2026 ist das Programm Pius Invest wieder geöffnet. Allerdings gibt es einige Änderungen.

Pius Invest - Ressourceneffizienz und CO₂-Reduktion in KMU

Das Programm PIUS-Invest der WIBank unterstützt kleine und mittlere Unternehmen in Hessen bei investiven Vorhaben zur Steigerung der Ressourceneffizienz und zur Reduzierung von CO₂-Emissionen. Gefördert werden insbesondere Prozess- und Organisationsinnovationen sowie Investitionen in energie- und materialeffiziente Technologien, die über gesetzliche Mindeststandards hinausgehen und eine messbare Umweltentlastung bewirken.

Antragsberechtigt sind KMU mit Betriebsstätte in Hessen. Die Förderung erfolgt als nicht rückzahlbarer Zuschuss von bis zu 30 % der förderfähigen Investitionskosten, maximal 500.000 Euro pro Vorhaben.

Das ist neu:

Die Auswahl erfolgt im Rahmen eines wettbewerblichen EFRE-Verfahrens; maßgeblich sind insbesondere die nachgewiesene CO₂-Einsparung, das Verhältnis von Fördersumme zur CO₂-Reduktion sowie der Innovationsgrad und die besondere Umwelt- und Klimawirkung des Projekts.

Wichtig: Bitte beachten Sie den aktuellen Förderaufruf mit angepassten Förderbedingungen und einem neuen Auswahlverfahren. Vollständige Anträge sind bis zum 12.05.2026 elektronisch über das Kundenportal der WIBank einzureichen. Im Anschluss erfolgt die Bewertung anhand der festgelegten Auswahlkriterien sowie der grundsätzlichen Förderfähigkeit und Förderwürdigkeit des Vorhabens. Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner stehen direkt bei der WIBank für fachliche und formale Fragen zur Verfügung.

Defense und Dual Use – zivile Verteidigungsfähigkeit und Resilienz im Fokus

Die sicherheitspolitischen und geopolitischen Entwicklungen eröffnen auch für Industrie-unternehmen neue Handlungsfelder – insbesondere im Bereich Verteidigungsfähigkeit, zivile Sicherheit und kritische Infrastrukturen. Nachfolgend stellen wir Ihnen zwei aktuelle Förderprogramme vor, die Investitionen in Resilienz, Forschung und sicherheitsrelevante Innovationsprojekte gezielt unterstützen.

BBK – Forschung für die Zivile Verteidigung

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) fördert Forschungs- und Entwicklungsprojekte zur Stärkung der zivilen Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. Im Fokus stehen anwendungsorientierte Vorhaben, die staatliche Handlungsfähigkeit, Bevölkerungs-schutz, Krisenvorsorge und Versorgungsstrukturen im Spannungs- oder Verteidigungsfall verbessern.

Antragsberechtigt sind insbesondere Hochschulen und außeruniversitäre Forschungs-einrichtungen in Deutschland; eine Einbindung von Praxispartnern ist ausdrücklich erwünscht. Die Förderung erfolgt als Projektzuwendung im wettbewerblichen Verfahren, in der Regel zweistufig (Projektskizze und Vollantrag). Die Projektlaufzeiten sind üblicherweise auf etwa zwölf Monate begrenzt; das Fördervolumen des letzten Aufrufs lag bei rund 850.000 Euro insgesamt.

EU-Programm ISF – Resilience of Critical Entities

Im Rahmen des europäischen Internal Security Fund (ISF) unterstützt die EU Projekte zur Stärkung der Resilienz kritischer Einrichtungen („Critical Entities“) gemäß CER-Richtlinie. Gefördert werden Maßnahmen zur Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegenüber hybriden Bedrohungen, Naturereignissen, Sabotage oder sicherheitsrelevanten Krisenlagen.

Antragsberechtigt sind öffentliche Behörden, Betreiber kritischer Infrastrukturen sowie weitere relevante Organisationen aus EU-Mitgliedstaaten. Besonders im Fokus stehen sektorübergreifende und grenzüberschreitende Kooperationen. Gefördert werden unter anderem Risiko- und Vulnerabilitätsanalysen, Resilienztests, Stress-Tests kritischer Infrastrukturen, Trainings- und Kooperationsformate sowie die Entwicklung innovativer technischer Lösungen. Die Förderung erfolgt als EU-Action Grant über das Funding & Tenders Portal. Das Gesamtbudget des Calls liegt bei rund 15 Mio. Euro; die Antragstellung erfolgt im Wettbewerbsverfahren mit festem Stichtag über das EU Funding & Tenders Portal.

Matchmaking-Plattform SVI-Connect

Seit dem 1. Januar 2026 ist die Matchmaking-Plattform SVI-Connect im operativen Betrieb. Initiiert vom BME, unterstützt durch den BDSV und gefördert durch das BMWE, vernetzt sie Unternehmen der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie mit neuen potenziellen Zulieferern.

Gerade für Unternehmen aus der Metall- und Elektroindustrie eröffnet sich hier die Möglichkeit, vorhandene Kompetenzen – etwa in Produktion, Komponentenfertigung oder Dual-Use-Technologien – strukturiert in bestehende Defence-Lieferketten einzubringen. Ziel ist es, Lieferketten schneller skalierbar und resilienter aufzustellen.

Die Registrierung ist kostenfrei unter: www.sviconnect.com

Veranstaltungshinweise

Angesichts der zunehmenden Relevanz von Sicherheits- und Verteidigungsthemen stelle ich Ihnen nachfolgend zwei Veranstaltungen vor, die praxisnahe Einblicke und Austausch-möglichkeiten im Defence-Umfeld eröffnen.

Wirtschaft & Bundeswehr – Gemeinsam stark für Hessen 15.04.2026 13:30 bis 19:30 Uhr

Am 15. April 2026 diskutieren Sie im Schloss Biebrich in Wiesbaden mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Bundeswehr und Forschung über Hessens wirtschaftliche Stärke und sicherheitspolitische Zukunft. Im Mittelpunkt stehen resiliente Lieferketten, kritische Infrastrukturen sowie Schlüsseltechnologien wie KI, Robotik und Raumfahrt. Impulse, Podiumsdiskussion und Projektpräsentationen bieten fachliche Einblicke und Raum für Networking. Weitere Informationen und Anmeldung über die Veranstaltungsseite.
Zur Anmeldung geht es hier.

Save-the-date

Am 20. Mai 2026 findet in Kooperation mit dem EEN – European Enterprise-Network - ein Online-Förderimpuls zu folgenden Themen statt:

·        Förderupdate allgemein

·        Defense/ Förderangebote für Dual Use Anwendungsbeispiele Hessen und Deutschland

·        Angebote des EEN auf Landes-, Bundes- und EU-Ebene

Einzelheiten zur Anmeldung finden Sie auf unserer Webseite.

Service: Förderübersichten

Für einen schnellen Überblick stelle ich Ihnen wie gewohnt eine aktualisierte Excel-Übersicht mit Förderprogrammen in den Bereichen Digitalisierung, Forschung und Entwicklung, Energieeffizienz und Startups zur Verfügung. Änderungen sind rot markiert, alle Programme sind mit den jeweiligen Websites verlinkt. Zusätzlich gibt es eine separate Übersicht mit spezifischen Förderprogrammen für den Bereich Defense und Dual Use.

 

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Zeit

Ihre
Susanne Kienhorn

Kontaktdaten:

Susanne Kienhorn
Kienhorn Beratung & Coaching
Tel. 0661 – 968 931 30
Mobil 0171 – 123 24 59
mail@kienhorn.de
www.kienhorn.de

 

Katja Farfan

Leiterin Digitales, Technologietransfer und Startups

Melanie Schöyen

Melanie Schöyen

Referentin Digitales, Technologietransfer und Startups