4. IT-Forum

Digitalisierung der Produktion

@HESSENMETALL

Immer mehr Prozesse in den Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie brauchen modernste Softwarelösungen und smarte Applikationen. Unter dem Schlagwort „Industrie 4.0“ werden Maschinen kosten- und ressourcensparend vernetzt, während neue digitale Geschäftsmodelle entstehen, mit denen nicht zuletzt die immer individuelleren Kundenwünsche erfüllt werden. Wie weit die Digitalisierung in hessischen Betrieben bereits vorangeschritten ist und welchen Mehrwert die Firmen durch intelligente Industrie 4.0–Lösungen schaffen können, das war nun Thema des vierten IT-Forums von Hessenmetall in der Rittal-Arena Wetzlar. Über 100 Teilnehmer waren zu dieser Veranstaltung des Arbeitgeberverbands gekommen. „Wir wollen nicht nur Tarifexperte und serviceorientierter Interessenvertreter sein“, erklärte Sascha Drechsel, Geschäftsführer der Bezirksgruppe Mittelhessen, „sondern als Netzwerkplattform auch IT-Anbieter und IT-Anwender zu einer Win-Win-Gemeinschaft für die digitale Transformation zusammenbringen.“

Digitale Innovationen haben die Prozesse immer wieder verbessert

Einen beeindruckenden Einblick in die hochmoderne Welt der Isabellenhütte Heussler gaben deren IT-Chef Ralf Gawenda und der Leiter Produktion Bauelemente Michael Schlüter. Das mehr als 500 Jahre alte Unternehmen in Dillenburg zählt zu den bedeutendsten Herstellern von elektrischen Widerstandswerkstoffen und thermoelektrischen Werkstoffen zur Temperaturmessung sowie von passiven Bauelementen für die Automobil-, Elektro- und Elektronikindustrie. Und das bei einer wohl einzigartigen Fertigungstiefe – von der Schmelze eigener Legierungen bis zur kompletten Bauelemente- und Messmodulfertigung. „Wir nutzen konsequent digitale Innovationen, um unsere Prozesse zu verbessern“, betonte Schlüter. So wurde in den 1970-er Jahren der erste Großrechner mit Lochkarten und Kernspeicher in Betrieb genommen. 1991 lief die erste Presse mit speicherprogrammierbarer Steuerung. Heute sind die Anlagen und Arbeitsplätze über ein „Manufacturing Execution System“ verbunden: Das System erfasst in Echtzeit alles, was den Produktionsprozess beeinflusst. So kann die Fertigung besser kontrolliert und gesteuert werden.

Auch die Personaldaten sind übrigens wichtig für so ein System. Denn natürlich, das stand beim IT-Forum in Wetzlar außer Frage, wird der arbeitende Mensch auch in der Fabrik der Zukunft gebraucht. Bei der Isabellenhütte kommt zudem die RFID-Technik im kompletten Produktionsprozess zum Einsatz: Über Funkwellen kann jedes entsprechend markierte Teil automatisch lokalisiert, erkannt und einem entsprechenden Auftrag zugeordnet werden. Die beeindruckende Bilanz: Noch vor fünf Jahren wurden etwa 200 Millionen Bauteile pro Jahr produziert. „Dank Digitalisierung und Automatisierung sind wir nun schon bei über 900 Millionen – und werden sicher bald die Stückzahl eine Milliarde knacken“, sagte Schlüter.

Was Industrie 4.0 darüber hinaus heute schon leisten kann, erläuterten zwei Männer aus Limburg: Gerd Ohl, Geschäftsführer Limtronik, und Dieter Meuser, Mitglied des Beirats beim Softwareentwickler IoTOS. Smarte Fabriken werden demnach zu digitalisierten Systemen über die komplette Wertschöpfungs- und Lieferkette, vom Rohstofflieferanten bis zum Kunden – wodurch gigantische Datenmengen entstehen. Insbesondere die Zulieferer der Automobilindustrie, in der Regel mittelständische Firmen, seien hier Getriebene, da die großen Kunden zunehmend eine Zurückverfolgbarkeit der Produkte verlangen: „Die Unternehmen werden zukünftig allein dafür einen gigantischen Aufwand betreiben müssen! Sorgfältiges und strukturiertes Datenmanagement wird allein schon deshalb immer wichtiger“, betonte Ohl. Der Unternehmer, der eine Fabrik für Electronic Manufacturing Services betreibt, hat deshalb gemeinsam mit IoTos und weiteren Unternehmen aus Mittelhessen den Verein „Smart Electronic Factory“ gegründet. Über diesen Verein wird eine Computerplattform aufgebaut, als Verbundsystem verschiedener mittelstandsorientierter Unternehmen wie etwa Softwareanbieter, Anlagenhersteller oder auch Rechenzentrumsbetreiber. Wichtig: „Niemand soll hier seine Datenhoheit verlieren“, so Meuser,. Allein der Zulieferer der Datem habe auch darüber zu bestimmen. “

Neue Chancen durch offene Vernetzung

Wie Cloud-Technologien im industriellen Einsatz aussehen und welche Vorteile sie mit sich bringen: Das zeigte dann Mario Heinrich Schenk, Head of Cloud Application Solutions bei Siemens Nürnberg – am Beispiel eines cloudbasierten Betriebssystems. „Wir müssen mit Industrie 4.0 zu „Business 4.0“ kommen“, befand Schenk, „und das gelingt nur, wenn wir schnell neue Technologien einsetzen und in neuen oder erweiterten Netzwerken und Ecosystemen arbeiten.“ Mit in sich geschlossenen Systemen könne heute niemand mehr etwas erreichen. „Manchmal muss man auch über seinen Schatten springen: Die Vernetzung des Knowhows aller Partner bietet auch allen große Chancen, ihr Unternehmen weiter zu entwickeln.“

MAJA BECKER-MOHR

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Katja Farfan

Referentin Digitales, Technologietransfer und Startups

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