Eine Win-Win-Gemeinschaft für Anbieter und Anwender digitaler Lösungen

HESSENMETALL bringt IT-Anbieter und IT-Nutzer zusammen und vernetzt so Herstellerwissen mit Anwenderpraxis – unter anderem auf dem DIGITAL FUTUREcongress 2019, der größten Kongressmesse für Digitalisierung in Hessen. So entsteht eine konstruktive Win-Win-Gemeinschaft, die beide Seiten voranbringt. Wie das funktioniert, erklärt HESSENMETALL-Hauptgeschäftsführer Dirk Pollert im Interview.

Was HESSENMETALL IT-Unternehmen und Startups bietet, steht hier: www.hessenmetall.de/kennenlernen


Herr Pollert, der Verband der Metall- und Elektrounternehmen als Aussteller auf einer Digitalmesse – da fragen sich viele – macht das Sinn?

Für uns macht das absolut Sinn: Die Metall- und Elektroindustrie ist bereits heute hoch digitalisiert, also alles andere als altes Eisen. Durch das Internet of Things werden Produktionsanlagen miteinander vernetzt. Die gesamte Wertschöpfungskette wird digitalisiert. Es entstehen neue, digitale Geschäftsmodelle. Für unsere Mitglieder ist Industrie 4.0 keine ferne Zukunftsmusik mehr. Sie stecken bereits mitten im Strukturwandel der digitalen Transformation. Die M+E-Industrie ist selbst die größte Anwenderindustrie: oft Treiber, manchmal auch Getriebene der Digitalisierung.

Als Arbeitgeberverband möchten wir unsere Mitglieder in diesem Prozess begleiten. Wir bei HESSENMETALL verstehen uns als Plattform für den digitalen Wandel - mit der Kernkompetenz rund um die Arbeitsbeziehungen, also auch für Arbeit 4.0. Deshalb bringen wir unter anderem auch Anwender und Anbieter digitaler Lösungen zusammen. Dadurch vernetzen wir Herstellerwissen mit Anwenderpraxis in einer konstruktiven Win-Win-Gemeinschaft, die beiden Seiten nützt – durch den Austausch und die Erweiterung von Digitalisierungswissen und den Zugang zu einem Netzwerk aus knapp 600 Mitgliedsunternehmen.

Welche Bedeutung hat die Digitalisierung für die hessische Industrie?

Der digitale Wandel ist ganz klar das zentrale Thema, wenn es um die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit der Industrie und der gesamten Wirtschaft in Hessen geht. Die M+E-Industrie hat hier die Nase vorn. Der aktuelle M+E-Strukturbericht zeigt: Die M+E-Unternehmen – allen voran der Maschinenbau und die Autoindustrie – sind digital fortgeschrittener als andere Branchen: Sie investieren mehr in die digitale Transformation, erzielen höhere Umsätze mit digitalen Produkten, haben die Digitalisierung öfters strategisch verankert und wenden häufiger digitale Technologien an: Cloud-Computing, 3D-Druck, Virtual Reality, Robotik oder Künstliche Intelligenz. Das ist eine gute Ausgangsposition und Grundeinstellung, um im Wettbewerb vorne zu bleiben.

Also: Unsere Mitglieder stecken bereits mitten in der digitalen Transformation. Nicht nur die großen, sondern auch kleine und mittlere Unternehmen haben die Herausforderungen des digitalen Wandels angenommen und investieren in digitale Anwendungen und Anlagen. Gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen herrscht jedoch vielfach noch Unsicherheit, wie Anlagen und Prozesse im Unternehmen erfolgsversprechend digitalisiert werden können. Hier versuchen wir mit unseren Serviceangeboten wie IT-Foren oder auch Leitfäden unsere Mitglieder zu unterstützen. Denn die Bewältigung der digitalen Transformation ist nicht nur von zentraler Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit der einzelnen Unternehmen oder der Industrie, sondern für Wachstum und Wohlstand am Standort Hessen insgesamt.

Welche digitalen Themen werden aus Ihrer Sicht in den nächsten Jahren von zentraler Bedeutung für die hessische Industrie?

Unsere Zukunft ist mobil, digital und global. Das bedeutet mehr Vielfalt, mehr Auswahl, mehr Optionen. Für die M+E-Unternehmen geht es darum, diese Veränderungen klug zu managen: mit innovativen Geschäftsmodellen, effizienten Prozessen, einer digitalen Produktion und starken Belegschaften. Und hier sind sie sowohl durch ihr Investitionsverhalten als auch ihre erkennbaren Fortschritte in der Digitalisierung bestens gerüstet für die großen Veränderungsprozesse, haben aber auch noch eine gewaltige Strecke vor sich: Sie müssen sich z. B. von traditionellen Maschinenbauern zu Fabrikbauern und -betreibern weiterentwickeln. Oder von Autoherstellern und -zulieferern zu Mobilitätsdienstleistern in neuen Anbieterallianzen verschiedenartigster Verkehrsträger. Und von Elektro- und Softwareunternehmen zu Plattform-Netzwerken von „smart home“ bis „smart city“.

Im Kern geht es darum, die Effizienz der Massenproduktion mit der Qualität der Einzelfertigung zu einer Industrie der Maßanfertigung zu verbinden. Z. B. in Speedfactories, wie sie die z.B. Oechsler AG für adidas betreibt – die damit die Schuhproduktion aus Asien in Hochlohnländer wie Deutschland und USA zurückgeholt hat. Denn inzwischen sind die individuelle Konfiguration und die Schnelligkeit am Markt wichtiger als der geringstmögliche Preis. Dazu müssen Daten richtig genutzt, intelligent bewertet und unternehmerisch umgesetzt werden – dann führen sie zu einem viel präziseren Wissen über die individuellen Kundenbedürfnisse.“

Aktuell ist die Digitalisierung der Produktion in unserer Industrie bereits auf einem guten Weg, diese Entwicklung wird auch in den nächsten Jahren weitergehen. Hier gilt es, die durch die Digitalisierung gewonnenen Daten effizient zu nutzen und daraus Strategien zur Einsparung von Kosten und Ressourcen bzw. für neue digitale Geschäftsmodelle zu entwickeln. Ein weiterer Trend ist das Thema Künstliche Intelligenz: Algorithmen werden nicht nur die Produktion, sondern auch andere Unternehmensbereiche wie Logistik, Personal oder Vertrieb nachhaltig verändern. Dazu kommen neue Entwicklungen im Bereich Robotik bzw. Mensch-Maschine-Interaktion. Auch digitale Assistenzsysteme werden bereits heute unterstützend in der Produktion eingesetzt. Viele dieser Entwicklungen stehen erst am Anfang, hier wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen, wie diese neuen Technologien die Industrie verändern werden.

Wie wirken sich all diese technologischen Trends auf die Arbeitswelt der Zukunft aus?

Dirk Pollert: Schon heute vollzieht sich in der Arbeitswelt ein nachhaltiger Wandel durch die Digitalisierung: Mobile Endgeräte ermöglichen ein flexibles, sowie orts- und zeitunabhängiges Arbeiten. Dies wird bereits heute nicht mehr nur bei Start-ups und in IT-Unternehmen gelebt, sondern auch bereits vielerorts in der Industrie. So ist es mit zunehmender Digitalisierung möglich, Wartungs- und Kontrollarbeiten nicht mehr vor Ort, sondern mit der entsprechenden technischen Ausstattung von zu Hause oder unterwegs durchzuführen. Dies schafft sowohl auf Seiten der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer neue Flexibilität. Hier fehlt es vielfach jedoch noch an den entsprechenden rechtlichen Anpassungen, beispielsweise an einem modernen Arbeitszeitgesetz, damit Tarifparteien und Betriebsparteien nach der Gesetzesänderung neuen Freiheiten neu regeln und wirklich in Anspruch nehmen können.

Immer neue digitale Trends bedürfen aber auch einer kontinuierlichen Weiterbildung und Schulung der Mitarbeiter. Bereits heute sind digitale Inhalte in Schule und Ausbildung von zentraler Bedeutung. Lebenslanges Lernen wird zum Normalzustand werden, der durch digitale Anwendungen wie z.B. E-Learning-Plattformen individuell auf die Bedürfnisse der Lernenden abgestimmt werden kann. Auch hier unterstützt HESSENMETALL seine Mitglieder. So bietet unser Bildungswerk zahlreiche Workshops und Seminare, mit denen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf die Herausforderungen der digitalen Transformation in ihren Unternehmen vorbereiten können.

Wie unterstützt HESSENMETALL als Verband seine Mitglieder darüber hinaus bei der digitalen Transformation?

Dirk Pollert: Als Verband wollen wir unseren Mitgliedern ganz klar einen Mehrwert bieten und sie bei der digitalen Transformation begleiten. Dazu stellen wir ihnen exklusiv Leitfäden und weitere interessante Handreichungen zur Verfügung – online in unserem Serviceportal und damit jederzeit und überall abrufbar. Mit Veranstaltungen wie unseren Fachkongressen zu den Themen Energieeffizienz und Personal oder unseren regionalen IT-Foren haben wir in den letzten Jahren zudem neue Formate entwickelt, in deren Rahmen sich unsere Mitglieder zu digitalen Themen wie IT-Sicherheit, Cloudcomputing oder Industrie 4.0 informieren und sich mit Experten aus der IT-Branche und Startups austauschen und vernetzen können. Mit Best-Practice-Beispielen möchten wir noch zögernde Unternehmen zur Umsetzung digitaler Projekte motivieren und bereits digitalisierten Unternehmen neue Impulse, z.B. für neue, digitale Geschäftsmodelle geben.
Darüber hinaus ist für uns Technologietransfer in Hessen ein zentrales Anliegen: Im letzten Jahr sind wir eine Kooperation mit der Technischen Universität Darmstadt eingegangen, um unseren Mitgliedsunternehmen, insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmen, einen besseren Zugang zur Hochschule zu ermöglichen, so dass im Zusammenspiel von Forschung und Praxis neue, innovative Forschungs- und Entwicklungsprojekte „made in Hessen“ entstehen können.

Durch die Herausforderungen, die die Arbeitswelt 4.0 mit sich bringt, wandeln sich aber auch die Inhalte unserer klassischen Beratungsleistungen in den Bereichen Arbeitsrecht und Arbeitswissenschaft. Mobiles Arbeiten, die Einführung digitaler Prozesse oder der Einsatz von Assistenzsystemen führen zu Unsicherheiten in den Unternehmen, die unsere Experten mit ihrer Expertise lösen.

Die Herausforderungen für unsere Unternehmer bestehen darin, verschiedene Arbeitswelten auszugestalten und ggf. zusammen zu führen: die effiziente Fertigungs‐Organisation, die kreative Netzwerk‐Organisation und – besonders spannend! – die Zwischenstufen. Deshalb brauchen wir dafür die richtigen Menschen: nicht nur in der Sache kompetente, sondern empathisch sozialkompetente und kreative Fachkräfte. Dazu brauchen wir auch eine neue Führungskultur: 360‐Grad‐Leadership, Vertrauenskultur und das Übertragen von mehr Eigenverantwortung sowie Führung mit Vorbildhandeln, mit Sinn und Inspiration. Und wir brauchen eine angemessene Unterstützung durch die Politik, und zwar auf Bundes- wie auf Landesebene.

Sie sind zum ersten Mal als Aussteller beim DIGITAL FUTUREcongress in Frankfurt vertreten. Was versprechen Sie sich von ihrer Teilnahme?

Für uns ist die Teilnahme an der Konferenzmesse ein wichtiger Baustein zur Vernetzung von IT-Anwendern und -Anbietern. Unser Messestand soll als „Customer Corner“ ein Treffpunkt für beide Gruppen sein. Deshalb haben wir auch unsere Mitgliedsunternehmen zur Messe eingeladen, denen wir die Möglichkeit geben wollen, sich über die neuesten digitalen Trends zu informieren. Darüber hinaus freuen wir uns natürlich, wenn sich interessierte IT-Unternehmen und Startups über unser Angebot informieren und wir sie vom Mehrwert einer Mitgliedschaft in unserem Verband überzeugen können.

Welchen Mehrwert hat eine Mitgliedschaft für IT-Unternehmen bzw. Start-ups in Ihrem Verband?

Als zentraler Punkt ist hier sicher der Zugang zu unserem Netzwerk mit Anwendern aus der Industrie zu nennen. Darüber hinaus können unsere Mitglieder aber auch auf unser umfangreiches Serviceangebot zurückgreifen. Dieses umfasst neben Rechtsberatung und Rechtsvertretung im Bereich Arbeitsrecht auch Beratungen in Arbeitsorganisation und -wissenschaft.

Gerade bei Start-ups in der Wachstumsphase besteht vielfach Unsicherheit, wie sie Ihre Unternehmensorganisation an den Erfolg ihres Geschäftsmodells anpassen können. Nicht nur sie profitieren hier von unserer Expertise hinsichtlich der Gestaltung von Arbeitsverträgen und Entgeltsystemen - passgenau für das jeweilige Unternehmen. Unsere Arbeitsrechtler und Arbeitswissenschaftler stehen den Unternehmen im Rahmen ihrer Mitgliedschaft in unserem Verband in diesen Fragen in individuellen Beratungsterminen und Schulungen vor Ort mit Rat und Tat zur Seite. Eine Mitgliedschaft ist dabei sowohl mit als auch ohne Tarifbindung möglich.


Das Interview führte Michael Mattis, Geschäftsführer und Veranstalter des Digital FUTUREcongress.

Sie finden den Verband der Elektro- und Metallunternehmen Hessen e.V. (HESSENMETALL) am 14.02.2019 am Stand M 1 in Frankfurt.

Ansprechpartner
Natalie Pohl

Dr. Natalie Pohl
Referentin für Digitale Transformation