Rückblick: 4. Personal­kongress IT

Beim 4. Personal­kongress IT von HESSEN­METALL am 11. November 2021 konnten über 35 virtuell zugeschaltete Teilnehmer aus ganz Hessen von Experten erfahren, welchen Mehrwert intelligente Bewerbermanagement- oder Talentanalyse-Tools bieten, wo ihre Grenzen sind und wie People Analytics-Anwendungen gewinnbringend in Unter­nehmen eingesetzt werden können. Neben dem Aufzeigen des Potenzials digitaler Anwendungen für informationsbasierte Personalentscheidungen, wurden auch die juristischen Implikationen eingehend betrachten, die mit den Einsatz­möglichkeiten einhergehen.
     
Den Beiträgen der Experten ging ein Grußwort von Dirk Pollert, Hauptgeschäftsführer Landesverband HESSEN­METALL, voraus. Er betonte vor allem, dass in einer Welt, in der digitale, datengetriebene Geschäftsmodelle zunehmend an Bedeutung gewinnen, jedes Unter­nehmen genau überlegen müsse, mit welcher Workforce es antrete, um dort mitzuspielen. „Besonders kleine und mittlere Unter­nehmen vertrauen, wenn es um Talentanalyse und Recruiting geht, nach wie vor auf „Personalakte“, persönliche Einschätzungen und  herkömmliche Ausschreibungsverfahren, statt auf Algorithmen und Big Data. Dies gilt es zu überdenken“, so Dirk Pollert.

 

Prof Dr. Peter Buxmann, Professor für Wirtschaftsinformatik | Software & Digital Business an der Technische Universität Darmstadt, eröffnete die Expertenbeiträge mit einer Keynote zur „Künstlichen Intelligenz - Algorithmen und People Analytics in HR“. Anhand einer Reihe von Durchbrüchen im KI-Bereich verdeutlichte er zunächst, welche Potentiale in KI stecken und wie vielfältig die Einsatz­möglichkeiten sind. Daraufhin ging er auf eine empirische Untersuchung des Lehrstuhls aus dem Jahr 20/21 ein, wobei HR-Führungskräfte zu den Einsatz­möglichkeiten von KI befragt wurden. Ein spannendes Ergebnis dabei ist, dass mehr als ⅔ der Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine zunehmende Bedeutung von ethischen Fragestellungen im Bereich der KI sehen. Die Wichtigkeit des Themas hat er auch mithilfe von einigen Beispielen aus der Vergangenheit untermauert. Beispielsweise hat die interne KI-basierte Recruiting-Software von Amazon eher Männer gegenüber Frauen bevorzugt. Nach der Vorstellung einiger weiterer KI-Softwaretools im HR-Bereich, ging er auf die Veränderung der Arbeitswelt von morgen im Kontext von KI ein. Dabei verdeutlichte er, wie HR-Experten und Algorithmen in Zukunft beim Recruiting zusammenarbeiten können. Denn von ihm und seinem Team kürzlich veröffentlichte Studien zeigen, dass Algorithmen und Menschen in Zusammenarbeit bessere Entscheidungen treffen können, als der Mensch alleine oder der Algorithmus alleine.

  

Für Dr. Oliver Hornung, Rechtsanwalt, Partner bei SKW Schwarz Rechtsanwälte ist klar: „Maschinengenerierte Daten sind das „Öl des 21. Jahrhunderts“. Die beim Betrieb von Maschinen anfallenden Daten sind die Grundlage für neue Geschäftsmodelle und zusätzliche Wertschöpfung. Es fehlen jedoch anerkannte Standards für die rechtliche Absicherung der Datennutzung. In seinem Vortrag „Vermeidung rechtlicher Stolperfallen: Struktur und Hinweise zu Datennutzungsverträgen“ gab er anhand zahlreicher Beispiele aus der Praxis Hinweise, wie Daten analysiert und verarbeitet werden dürfen.

   

Im Beitrag von Prof. Dr. Franz-Josef Rose, Leiter der Rechtsabteilung beim Landesverband HESSEN­METALL ging es um Daten- und arbeitsschutzrechtliche Grenzen für People Analytics im Arbeitsverhältnis. "Die Anwendung von KI, insbesondere bei People Analytics in der Personalarbeit, schafft Misstrauen in der Belegschaft“, so Prof. Dr. Rose. Viele Mitarbeiter/-innen sind nicht vertraut mit der Technik und haben Angst vor großem Datenvolumen über die eigene Person, das gespeichert, verarbeitet und an nicht bekannte dritte Stellen versendet wird. Der Betriebsrat fühlt sich regelmäßig berufen, in diesem Zusammenhang die Arbeitnehmerinteressen zu vertreten. Die Anwendung von KI beinhaltet daher nicht nur individualrechtliche, sondern auch kollektivrechtliche Fragestellungen.


“Wissen verändert sich immer rasanter - so wird es 40% der Jobs in 10 Jahren nicht mehr geben. Skills werden der Schlüssel zum Erfolg von Unter­nehmen“, so Florian Fleischmann, Managing Director, peopleForecast GmbH. Mit seinem Beitrag „Wie schaffe ich eine zukunftsfähige Belegschaft?“ zeigte er auf, dass die Technologisierung Unter­nehmen ungeahnte neue Möglichkeiten eröffnet. Um erfolgreich zu sein, benötigen Unter­nehmen die Skills der Zukunft. Dem Personalbereich kommt hierbei eine entscheidende Rolle zu, wobei die Nutzung und Analyse von Datenmengen der Schlüssel zum Erfolg sind. „Big Data schafft die Basis für die Personalabteilung, um eine Transformation in das digitale Zeitalter zu steuern“, so Fleischmann.

 

Dr. Andreas Sourisseaux, Gründer und Partner Sourisseaux Partners, befasste sich in seinem Beitrag „Mensch UND Algorithmus: Managementdiagnostik“ mit der Auswahl von Top-Führungskräften. Es geht nicht um die Bewältigung einer großen Anzahl von Kandidaten, sondern um eine präzise Vorhersage zukünftigen Erfolges von zwei bis drei Kandidaten für eine klar definierte, hochrangige Führungsaufgabe. Dr. Sourisseaux legte dar, dass es bei den hierzu erforderlich Verfahren nicht darum geht, sich zwischen etablierten und rein datengestützten Instrumenten zu entscheiden, sondern dass die kluge Kombination beider Herangehensweisen die Qualität der Vorhersage von Führungserfolg auf der Top-Ebene steigern kann. Also nicht: »Mensch VERSUS Algorithmus«, sondern: »Mensch UND Algorithmus«.

 

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Katja Farfan

Katja Farfan
Referentin Digitales und Technologietransfer