Chefumfrage in hessischer M+E-Industrie // Aktuelle Frage zur Digitalisierung

Beinharter Wettbewerb um industrielles Internet //  HESSENMETALL fordert Digitale Agenda 2021

Im November hat der Arbeitgeberverband HESSENMETALL die Chefs seiner Mitgliedsunternehmen aus der Metall und Elektro-Industrie danach befragt, wie weit sie mit der digitalen Transformation sind. An dieser Erhebung haben sich 189 Mitgliedsunternehmen mit knapp 84.000 Beschäftigten beteiligt.



Der Geschäftsführer der Arno Arnold GmbH, Aufsichtsratschef der Oechsler AG und Vorstandsvorsitzende von HESSENMETALL, Wolf Matthias Mang, zeigte sich vom Digitalisierungsgrad der hessischen M+E-Unternehmen positiv überrascht.

Einfluss der Digitalisierung auf das Geschäftsmodell

31 Prozent der Unternehmen nutzen die Digitalisierung, um ihre Produkte nach den Wünschen der Kunden zu individualisieren. Über 21 Prozent entwickeln sich zu einem umfassenden Dienstleister und 21 Prozent verringern durch digitale Anwendungen Losgrößen in der Produktion und schaffen so mehr Variantenvielfalt in der Massenproduktion. Als weitere Einflüsse der Digitalisierung werden genannt: Verbesserung interner Prozessabläufe, Steigerung von Produktivität und Effizienz, Direktvertrieb durch eigenen Webshop und intensiviere direkte Interaktion mit den Kunden. 



Angesichts dieser Chancen wundert es nicht, dass die Unternehmen bereits in starkem Maße in die digitale Transformation investieren. Aber sie sehen auch erhebliche Gefahren. Dem Thema IT-Sicherheit messen knapp 85 Prozent der beteiligten M+E-Unternehmen eine hohe Bedeutung bei.
Digitalisierungsstrategie, -anteil und Produkte mit Künstlicher Intelligenz

Mit Digitalisierungsstrategien haben sich im Herbst 2017 mehr als 42 Prozent der befragten M+E-Unternehmen beschäftigt. Der Digitalisierungsanteil ihrer Endprodukte liegt insgesamt bei über 28 Prozent. 6 Prozent der Unternehmen statten ihre Produkte mit „künstlicher Intelligenz“ aus. Der Anteil dieser Produkte an der Gesamtproduktion beträgt in diesen Betrieben über 19 Prozent. Selbstlernende Maschinen in der Produktion werden von fast 7 Prozent der M+E- Unternehmen eingesetzt. Im Produktionsprozess beträgt der Anteil der Maschinen mit künstlicher Intelligenz durchschnittlich mehr als 11 Prozent. „Das ist deutlich mehr als wir erwartet haben“, so Mang.

Unternehmen tun viel und haben sich viel vorgenommen

Die hessischen M+E-Unternehmen nutzen ihre Daten besser als früher. Auch machen sie ihre Produkte und Maschinen immer schlauer, um die gewonnenen Daten für ihre Geschäftsmodelle besser auszuwerten. Die Unternehmen haben sich viel vorgenommen, um die Marktlogik der Plattformen zu beherrschen. Insbesondere bereiten sie sich gezielt auf die Individualisierung der Produkte vor, peilen verringerte Losgrößen an und wollen sich zu umfassenden Dienstleistern entwickeln. Sie haben dabei nicht nur ihre Geschäftskunden, sondern immer mehr auch den Endkunden im Blick, um die Marktlogik der Plattformen zu lernen und zu beherrschen.

Mehr erfahren Sie in unserem aktuellen  Positionspapier: „Digitalisierung von Wirtschaft und Arbeitswelt – Chancen, Herausforderungen und Regelungsbedarf" (siehe Kachel)

Präzise Erwartungen an die Politik: Digitale Agenda 2021.

Ein zukunftsfähiges Arbeitsrecht, der zügigen Ausbau der Breitbandnetze und praxisnahe Mitbestimmungsregeln stehen ganz oben auf der Wunschliste der M+E-Unternehmen. „Wir fordern die nächste Bundesregierung auf, sich eine digitale Agenda 2021 vorzunehmen, die unseren Unternehmen hilft, ihr klassisches Geschäft zukunftsfähig weiterzuent¬wickeln. Für diesen gewaltigen Strukturwandel müssen wir jetzt die aktuell starke Situation nutzen und alle Kräfte darauf konzentrieren, dass es uns auch morgen noch so gut geht wie heute“, so Mang. 

Hohe Investitionen schon jetzt, rasch ansteigend

„Dieser Strukturwandel krempelt unser Denken, Arbeiten und Leben erheblich um. Um die digitale Transformation erfolgreich bewältigen zu können, brauchen wir gewaltige Investitio¬nen. Der aktuelle M+E-Strukturbericht stellt fest: Heute investieren schon 11 Prozent der M+E-Unternehmen mehr als 6 Prozent ihres Umsatzes in digitale Transformation. Das ist viel. In fünf Jahren werden es 40 Prozent der M+E-Unternehmen sein. Das ist eine ungeheure Beschleunigung", so Mang.

„Aber: Das Geld dafür muss erst erwirtschaftet werden. Und es ist keineswegs ausgemacht, dass diese Gelder in heimische Standorte fließen. Denn fast alle Mitgliedsunternehmen produzieren bereits international und haben die Wahl. Deshalb sollten wir alles dafür tun, dass die digitale Zukunft hier in Deutschland und Hessen stattfindet“, fügte der HESSENMETALL-Vorstandvorsitzende abschließend an.