„Bei uns kann auch der Mechatroniker studieren“

Chef-Interview Professor Dr. Frank E. P. Dievernich, Präsident der Frankfurt University of Applied Sciences (UAS), über Aufstiegschancen durch Bildung

Frankfurt. Die Frankfurt University of Applied Sciences (UAS) ist mit rund 16.000 Studierenden eine der größten deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften. Vor Kurzem wurde sie Kooperationspartnerin des Arbeitgeberverbands Hessenmetall in den Bereichen Forschung und Weiterbildung. aktiv sprach mit Hochschul-Präsident Professor Dr. Frank E. P. Dievernich über Chancen durch Bildung und die Bedeutung fächerübergreifenden Wissens, um die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Herr Professor Dievernich, was ist das Besondere an Ihrer Hochschule?

Bildung ist das größte Gut der Gesellschaft, und genau dafür treten wir hier mit Leidenschaft ein. Wir machen junge Menschen fit für ihren Einstieg in attraktive Berufsfelder und wollen sie auch danach begleiten durch passende Weiterbildungsangebote. Unser KompetenzCampus ist eine Art ‚Ladestation‘ des Wissens, an der man immer wieder Halt machen kann, um neue Kompetenzen zu erwerben. Die braucht man auch, nicht zuletzt durch die rasanten Entwicklungen etwa im Bereich der Digitalisierung. Bei all dem verstehen wir uns nicht nur als Ort der Wissensvermittlung und der Forschung, sondern auch als Ort der Integration. Unsere Studierenden kommen aus über 100 Nationen. Hier leben und lernen Menschen unterschiedlichster Kulturen. Darauf sind wir sehr stolz, denn wir zeigen, wie Integration gelingt.

Und man kann hier sogar ohne Abitur studieren?

Ja, solange man einen guten Berufsabschluss hat. Inzwischen kann man das an vielen Hochschulen, aber wir haben das als Erste angeboten und sind heute führend.

Warum sollte eine gute Mechatronikerin ohne Abitur nicht Maschinenbau studieren können oder ein Industriekaufmann Betriebswirtschaft?

Sie kennen die Praxis. Das ist eine gute Basis für ein anwendungsorientiertes Studium.

Warum ist Praxiswissen so wichtig?

Wissen durch Praxis ist unsere Überzeugung und Lebensphilosophie. Bildung profitiert davon, wenn sie in der Praxis verankert ist, wenn die Theorie
von anwendungsorientierten Beispielen untermauert wird. Nur durch diese Verknüpfung wird es gelingen, die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Haben Sie dafür Beispiele?

Jede Menge. Wir arbeiten gemeinsam mit Unter­nehmen an der Zukunft des Wohnens und auch an der Zukunft des Alterns. Wir realisierten mit Continental autonom fahrende Shuttlebusse, erprobten unter anderem besonders leise Müllfahrzeuge und sehr vieles mehr. Wichtig ist uns dabei, dass bei uns Forschungs- und Projektarbeiten auch fachbereichsübergreifend betrachtet werden, dass Ethik, Nachhaltigkeit oder der Klimaschutz nicht außen vor bleiben. Wenn es beispielsweise um den Einsatz von Robotern in der Pflege geht, brauchen wir ganz klar technische Lösungen,
müssen aber auch über ethische Fragen nachdenken.

Ihre Hochschule hat in diesem Jahr 50. Geburtstag. Wird gefeiert?

Natürlich, wenn auch coronabedingt im Moment vor allem über virtuelle Kanäle. Wir planen Events und Aktionen auf dem Campus und abseits des Campus, live vor Ort, hybrid und digital. 1971 sind wir als Fachhochschule Frankfurt gestartet und haben seitdem immer wieder gezeigt, wie wichtig es ist, voranzugehen und Chancen zu bieten. Und das wollen wir auch in Zukunft tun, denn Bildung ist unser höchstes Gut.

Zur Person
Professor Dr. Frank E. P. Dievernich
● Geboren 1970 in Frankfurt
● Ausbildung zum Industriekaufmann und Trainee bei BMW in München.
● Soziologie-Studium in München
● Promotion Wirtschaftswissenschaften Private Universität Witten/Herdecke
● Tätigkeiten unter anderem bei Deutscher Bahn und Kienbaum Managementberatung
● Seit 2014 Präsident der Frankfurt UAS

MAJA BECKER-MOHR